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Archiv für den Monat Mai 2015

Die drei Tage des Condor – Paranoia-Kino für Verschwörungsfans

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Three Days of the Condor

Von Simon Kyprianou

Thriller // Joe Turner (Robert Redford) hat einen wunderlichen Beruf: Er liest Crime-Literatur für die CIA, um mögliche Mordmethoden zu studieren und zu katalogisieren. Eigentlich ein ruhiger Bürojob in einer als American Literary Historical Society getarnten Außenstelle des Geheimdienstes – ganz so, wie Turner es haben will.

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Turner (r.) trifft den Killer

Doch als der Schreibtisch-Agent eines Tages von der Mittagspause zurückkommt, findet er seine Kollegen allesamt ermordet vor. Auch Turner steht auf der Abschussliste des Killers (Max von Sydow). Bald findet er heraus, dass die CIA selbst in dem Komplott eine Rolle spielt. Auf seiner Flucht trifft Turner auf Kathy Hale (Faye Dunaway), mit deren Hilfe er zum Angriff gegen die Verschwörer übergeht.

Zuschauer und Hauptfigur bleiben ahnungslos

„Die drei Tage des Condor“ ist voll und ganz Paranoia-Kino der 70er-Jahre: Bei aller Präzision und Detailfreude werden doch weder die Handlung noch die Figuren wirklich ausbuchstabiert. Viele Details werden zwar gezeigt, später aber nicht mehr aufgegriffen, über viele Handlungsstränge und Motivationen bleibt man im Ungewissen. Damit bindet uns der Film an seine Hauptfigur, die ebenso ahnungslos und naiv in die Machenschaften der Geheimdienste stolpert, dessen Teil sie ironischerweise ja selbst ist – ein unwissendes kleines, aber funktionierendes Rädchen in der großen Allmachts-Maschinerie.

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Kathy hilft dem Agenten

Nach und nach schürt der Agententhriller Misstrauen gegen diesen „Staat im Staat“, dessen eskalierende Allmachtsfantasien immer schwerer zu verschleiern sind. Sydney Pollack erzählt langsam und ausgiebig, lässt sich viel Zeit, um seinen Thriller bedächtig aufzubauen und die Figuren bei der Eskalation der Geschehnisse genau zu beobachten – manchmal auch mit feiner Ironie. Besonders die behutsam gezeichnete, wunderlich fragile Beziehung zwischen Redfords und Dunaways Figur bleibt mysteriös und ist gerade darum so interessant.

Max von Sydow als eiskalter Auftragskiller

Der Regisseur und sein Star arbeiteten ja mehrfach zusammen, so in „Der elektrische Reiter“ (1979), „Jenseits von Afrika“ (1985) und „Havanna (1990). Redford wird von Pollack ganz wunderbar inszeniert: Zuerst stolpert er mit herrlicher Tumbheit, später marschiert er mit trotziger Entschlossenheit durch den Thriller. Sein aufgekratzter Charakter wird dabei perfekt von der mysteriösen und passiven Faye Dunaway ausbalanciert. Als eiskalter Auftragskiller sorgt der große Max von Sydow für so manche Gänsehaut. Das Ende ist konsequent offen – keine Frage wird beantwortet, es gibt keine Sicherheiten, die Paranoia kennt kein Ende.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von und/oder mit Robert Redford sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 25. April 2014 als Blu-ray, 16. September 2010 als Digibook-DVD in der Arthaus Collection Literatur, 18. September 2009 als Digibook-Blu-ray in der Studiocanal Collection, 27. Februar 2001 als DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Französisch, Holländisch, Italienisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch
Originaltitel: Three Days of the Condor
USA 1975
Regie: Sydney Pollack
Drehbuch: Lorenzo Semple Jr., David Rayfiel, nach einem Roman von James Grady
Besetzung: Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman, Tina Chen
Zusatzmaterial: Etwas über Sydney Pollack, Mehr über den Condor, CIA: Geheimkrieg‚ Undercover Operations – Eine Episode der Serie von William Karel, Audiokommentar von Sydney Pollack, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2014 Studiocanal Home Entertainment

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Phantom Kommando – Wo Arnie aufräumt, wächst kein Gras mehr

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Commando

Action // Erinnerst du dich, Sully – ich hab‘ dir doch versprochen, dich zuletzt zu töten?!

Ja, Matrix, das stimmt.

Das war eine Lüge.

Herrlich, diese naiven Oneliner, die Arnold Schwarzenegger in der guten alten Zeit des Actionkinos auf den Leib geschrieben worden sind. So sehr sich das Actiongenre seitdem auch entwickelt hat, viele der in den 80ern entstandenen Streifen kann ich auch heute noch mit großem Genuss schauen – allen offenkundigen Mängeln und den billigen Soundtracks zum Trotz.

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Seiner Tochter bringt John Matrix auch Selbstverteidigung bei

„Phantom Kommando“ steht dabei ganz weit oben, allein schon wegen des rekordverdächtigen Body Counts im Finale: Wann hat jemals in einem Film innerhalb von 20 Minuten eine Figur allein so viele Menschen im Einzelkampf umgelegt wie der von Arnold Schwarzenegger verkörperte John Matrix?

Die Tochter von John Matrix zu entführen – keine gute Idee

Er hat aber auch allen Grund dazu: Arius (Dan Hedaya), Ex-Diktator eines lateinamerikanischen Landes, vormals von US-Elitekämpfer Matrix entmachtet, hat Matrix’ Tochter Jenny (Alyssa Milano, „Wer ist hier der Boss?“) entführen lassen. Der Ex-Offizier soll als Gegenleistung für Jennys Leben den demokratisch gewählten Präsidenten des Landes ausschalten und Arius auf diese Weise zurück an die Macht bringen. Doch Matrix denkt gar nicht dran. Beim Abflug tötet er seinen Begleiter und verlässt das Flugzeug, das ihn nach Lateinamerika bringen soll. Ein Ein-Mann-Befreiungsfeldzug sondergleichen nimmt seinen Lauf. Immerhin erhält Matrix Unterstützung von der aparten Flugbegleiterin Cindy (Rae Dawn Chong).

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Die Ein-Mann-Armee rückt an

Was sollen solche Filme auf dem Index? Seit 2010 ist „Phantom Kommando“ endlich runter, die Neuprüfung durch die FSK ergab eine Altersfreigabe ab 18 Jahren. Gut so. Zugegeben: Die Gewalt ist radikal, Matrix tötet gnadenlos. Mit ein paar Ausnahmen sind seine Opfer identitätslose Handlanger und Soldaten des Putschisten. Stärkster Antagonist ist Bennett (Vernon Wells), ein korrupter und skrupelloser Ex-Kollege des Elitekämpfers, den Matrix tot wähnte. Klar, dass es zwischen den beiden zum finalen Kampf kommt. Ja, lass Dampf ab, Bennett.

Die Schauspielkunst des Arnold Schwarzenegger

Ein guter Schauspieler war Arnold Schwarzenegger nie, auch wenn er seine Texte später deutlich routinierter abspulen konnte. Mitte der 80er-Jahre war das noch reichlich unbeholfen, was Arnie da wie abgelesen aus seinem Mund absonderte. Aber das gehört dazu, daran stören wir uns nicht. Wenn er wie entfesselt loslegt und einen Gegner nach dem anderen plattmacht, sind Dialoge zweitrangig.

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Bennett hat Jenny in seiner Hand

Der nicht ganz zwei Minuten längere Director’s Cut hat etwas mehr Gewalt und etwas mehr Dialog zu bieten. Ob man das unbedingt braucht, entscheide jede/r selbst. Das Bild der neuen Blu-ray ist jedenfalls brilliant, allerdings mag das auch schon für die Blu-ray mit der Kinofassung gelten. Die ist auf der Blu-ray mit dem Director’s Cut übrigens auch enthalten. Wer als Actionfan „Phantom Kommando“ noch nicht in der Sammlung hatte, hat nun keine Ausrede mehr.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Arnold Schwarzenegger sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. Mai 2015 als Blu-ray (in zwei großen Handelsketten auch als Steelbook), 20. Januar 2012 als DVD im Rahmen der Reihe „Action Cult Uncut“, 14. Januar 2008 als Blu-ray

Länge: 92 Min. (Blu-ray, Director’s Cut), 90 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 88 Min. (DVD, Director’s Cut)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Commando
USA 1985
Regie: Mark L. Lester
Drehbuch: Steven E. de Souza
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, Rae Dawn Chong, Dan Hedaya, Alyssa Milano, Vernon Wells, James Olson, David Patrick Kelly, Bill Duke
Zusatzmaterial: Trailer, nur neue Blu-ray: Audiokommentar von Mark L. Lester, entfallene Szenen, Featurette: Reine Action, Featurette: Lass ein bisschen Dampf ab
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

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Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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You Are Not Alone – Jemand ist hier: So wird Found Footage zu Grabe getragen

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House Swap

Horrorthriller // Matt (Nathan Nolan) und Ginny (Evie Brodie) tauschen ihren kalifornischen Wohnsitz für sechs Monate mit dem eines englischen Paars. Deren Bleibe entpuppt sich als üppiges Anwesen. Gestaltet sich der Aufenthalt zu Beginn noch sehr angenehm, so zieht bald Angst ins Gebäude ein: Ein unbekannter Eindringling durchstreift nachts das Haus. Zum Glück sind überall Kameras installiert, und die beiden filmen auch selbst.

Die Logik bleibt auf der Found-Footage-Strecke

Weshalb sie das tun, bleibt unklar. Okay, das Pärchen will seinen Trip in Bewegtbildern festhalten, aber das permanente Filmen ist einfach unlogisch. Da verkommt Found Footage zum reinen Selbstzweck. Das Verhalten der beiden ist schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr nachvollziehbar. Weshalb bleiben sie überhaupt so lange? Nachdem Matt von dem Unbekannten nachts eins übergebraten bekommen hat, will Ginny endlich abhauen – Matts Reaktion: Du darfst jetzt nicht überreagieren. Überreagieren my ass!

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Noch ist eitel Sonnenschein

Demzufolge ist auch das Schauspiel der beiden Akteure suboptimal – manche Verhaltensweisen kann man nun mal nicht glaubhaft rüberbringen. Das Mitfiebern und Bangen hält sich somit in Grenzen. Ein paar Mal stellt sich immerhin etwas Suspense ein, wenn auch auf eine allzu vorhersehbare Weise. Das haben wir bei „Paranormal Activity“ viel besser gesehen. Die Auflösung scheint anfangs simpel zu geraten, erweist sich dann aber als effekthascherisch an der Grenze zum Ärgernis.

Mal wieder Schwindel mit der Altersfreigabe

Das rote FSK-18-Logo auf dem Cover verwundert. Eine kurze Suche auf der Internetpräsenz der FSK enthüllt, dass der Film tatsächlich ab 16 freigegeben ist. Nicht der erste Etikettenschwindel von Tiberius Film. Man packe einen 18er-Trailer ins Bonusmaterial, schon kann man mit dem roten Logo die Fans des harten Horrors anlocken und in die Irre führen. Was soll das?

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Das Anwesen ist feudal

Werfen wir noch einen Blick auf Drehbuchautor und Regisseur Mark Ezra: „House Swap“, so der Originaltitel des Films, war 2010 seine vierte Regiearbeit, die vorherige lag allerdings schon zehn Jahre zurück. Vielleicht hätte er es besser bleiben lassen sollen. Wegen solcher Machwerke steht das Found-Footage-Genre in Verruf und nimmt Home Invasion gleich dorthin mit.

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Ein Unbekannter schaut durchs Fenster

Veröffentlichung: 2. April 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: House Swap
GB/USA 2010
Regie: Mark Ezra
Drehbuch: Mark Ezra
Besetzung: Nathan Nolan, Evie Brodie (als Evie Bicker), Simon Dutton, Louise Houghton, Seth Sinclair, Clive Verkely
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, englischer Trailer, Trailershow
Vertrieb: Tiberius Film

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Angst im Dunkeln

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Tiberius Film

 

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