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Die Belagerung – Vom Scheitern der Türken vor Wien

01 Jun

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11 settembre 1683

Historien-Kriegsdrama // Seit Jahren ist von der angeblichen Bedrohung unserer westeuropäischen Kultur durch den Islam die Rede. Angesichts des Vordringens muslimischer Einwanderer sei es nur eine Frage der Zeit, bis Westeuropa islamisiert sei, fürchten viele. Ob es da Zufall ist, dass 2012 in Italien und Polen ein Film entstanden ist, der die zweite Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1683 zu Beginn des Großen Türkenkriegs thematisiert? Versuchen wir uns an einer unvoreingenommenen Betrachtung des Kriegsdramas.

Das Osmanische Reich auf Eroberungstour

Die zentralen Protagonisten sind versammelt: Da ist Kará Mustafá (Enrico Lo Verso), Großwesir des Osmanischen Reichs unter Sultan Mehmed IV. Er zieht im Sommer 1683 mit einer Armee von 300.000 islamischen Soldaten gen Wien. Der Habsburger Regent Leopold I. (Piotr Adamczyk), Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, erweist sich als Angsthase, der auf Hilfe durch Jan Sobieski (Jerzy Skolimowski) hofft, des Königs von Polen-Litauen.

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Kará Mustafá (M.) will Wien erobern

Soweit die Aufstellung der historischen Schachfiguren – bleibt nur noch Marco d’Aviano. Der italienische Mönch, wegen seiner Vermittlungstätigkeit zwischen Kaiser Leopold und dem polnischen König als Retter Wiens verehrt, hat in der Verfilmung der Belagerung eine zentrale Rolle – er verkörpert letztlich das gesamte Christentum, das sich den islamischen Horden entgegenstellt. Demzufolge ist er auch am prominentesten besetzt worden: mit F. Murray Abraham, 1985 für seine Darstellung des Mozart-Antagonisten Salieri in Milos Formans „Amadeus“ mit dem Hauptrollen-Oscar prämiert.

Ein Mönch als Speerspitze des christlichen Europas

Dieser Konflikt wird auch auf zwei Figuren heruntergebrochen: einerseits Marco d’Aviano, den aufrechten Mönch, der aus Nächstenliebe am liebsten auch die islamischen Feinde bekehren würde; andererseits einen Muslim namens Abu’l (Yorgo Voyagis), der lange in der Christenwelt lebte, sogar mit einer gehörlosen Christin als Frau, sich nun aber dem Eroberungszug von Kará Mustafá angeschlossen hat.

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Eine Schneise in der Wiener Stadtmauer

Die historischen Fakten und Figuren mögen einigermaßen akkurat dargestellt sein, ein guter Film ist leider nicht draus geworden. Wenn man ein gewaltiges Schlachteneops auf die Beine stellen will, sollte man dafür auch die passenden Mittel zur Verfügung haben. Die Schlachtenszenen wirken aber leider billig. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass Explosionen und Verletzungen am Computer entstehen. Die Technik sollte aber wenigstens einigermaßen auf der Höhe der Zeit sein – zumindest bei einem ambitionierten Werk, wovon in diesem Fall ausgegangen werden kann. Wenn Kanonenkugeln in die Wiener Stadtmauer einschlagen und Soldaten von Lanzen durchbohrt werden, sieht das einfach unterdurchschnittlich aus.

Pathos verhindert Nähe zu den Figuren

Hinzu kommt ein Pathos, das kaum einmal Pause macht, sei es in den Dialogen, sei es im getragenen, von Streichern dominierten Soundtrack. Das muss doch nicht sein. Echte Menschen aus Fleisch und Blut lernen wir so nicht kennen, nur Abziehbilder historischer Gestalten.

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Aufrechter Kämpfer für den christlichen Glauben: Marco d’Aviano

Bleibt der aktuelle politische Bezug. Der ist nicht zu leugnen, eine eindeutige Agenda kann man „Die Belagerung“ aber auch nicht unterstellen. Der osmanische Expansionsdrang und die Türken vor Wien – das ist nun mal für die europäische Geschichte von großer Bedeutung, es hat filmische Aufarbeitung verdient. Belassen wir es dabei. Großes Aufsehen hat der Film außerhalb seiner Produktionsländer ohnehin nicht erregt. Bei uns ist er knapp drei Jahre nach seiner Entstehung ohne Kinoauswertung direkt auf Blu-ray und DVD erschienen. Damit ist „Die Belagerung“ gut bedient.

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Das polnische Entsatzheer naht

Veröffentlichung: 16. März 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel Italien: 11 settembre 1683
Originaltitel Polen: 11 wrzesnia 1683
Internationaler Titel: September Eleven 1683
IT/POL 2012
Regie: Renzo Martinelli
Drehbuch: Valerio Manfredi, Renzo Martinelli
Besetzung: F. Murray Abraham, Enrico Lo Verso, Alicja Bachleda, Jerzy Skolimowski, Piotr Adamczyk, Cristina Serafini, Marius Chivu, Antonio Cupo, Yorgo Voyagis, Daniel Olbrychski, Wojciech Mecwaldowski
Zusatzmaterial: Bildergalerie, Trailer
Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 KSM GmbH

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