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Terry Gilliam (I): The Zero Theorem – Nichts Neues im Gilliam-Universum

01 Jun

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The Zero Theorem

Schon anlässlich des Kinostarts im vergangenen November hätten wir die Terry-Gilliam-Reihe starten können – nun aber.

Gastrezension von Andreas Eckenfels

SF-Drama // Matthias ist in seiner Kritik zum Kinostart bereits ausführlich auf den Inhalt von „The Zero Theorem“ eingegangen, weshalb ich die sowieso nur knappe Geschichte hier nicht noch einmal wiederholen muss. Dafür will ich auf ein paar typische Terry-Gilliam-Aspekte eingehen, die sich im Schaffen des britischen Filmemachers mit US-Herkunft häufig wiederholen. Denn ohne Frage besitzen Gilliams Filme einen hohen Wiedererkennungswert. Seine Werke sprühen vor schrägen Ideen, verrückten Figuren und einer abgefahrenen visuellen Bildsprache. Leider klappert er mit „The Zero Theorem“ aber nur altbekannte Themen ab, was den Film altmodisch und banal erscheinen lässt. Optisch und schauspielerisch kann das SF-Drama aber wenigstens überzeugen.

Big Brother is watching you

Als „schrecklich und wundervoll zugleich“ bezeichnet Terry Gilliam die Errungenschaften der modernen Technik. Schon in seinem Meisterwerk „Brazil“ übte er Kritik an der Überwachungsgesellschaft. Mit dem Internet ist der „Big Brother“ nun zu einer globalen Bedrohung geworden. Auch wenn sich Qohen Leth (Christoph Waltz) in seiner selbst gewählten Einöde der Kirche zurückzieht, ist er doch von zahlreichen Monitoren umgeben, die wie draußen auf den Straßen die aktuellsten Nachrichten und Must-Have-Werbeprodukte in die Gehirngänge der Bevölkerung hineinbrüllen. Selbst in der Abgeschiedenheit kann er sich dem nicht entziehen. Gleichzeitig wird das Mathe-Genie nicht nur von seinem Arbeitgeber ständig beobachtet, selbst die Figuren auf den bemalten Kirchenfenstern starren ihn an.

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Qohen in seiner Arbeitskleidung

Von Neo Rauch inspiriert

In der Ausstattung gibts wieder mal viel zu entdecken: Gilliam verbindet erneut obskure Maschinerien mit Retroprodukten. Da hantiert Christoph Waltz in der nahen Zukunft mit einem Gamepad und bewegt Hebel wie bei „Raumschiff Orion“; eine Mikrowelle steht in einer Ecke und es gibt Telefone mit Wählscheibe. Obwohl die Technik immer kleiner wird, lässt Gilliam Qohen an einer natürlich symbolisch gemeinten riesigen Maschine malochen. Die Befehle, die der Mathematiker in den Computer einhackt, um das „Zero Theorem“ zu entschlüsseln, werden mit Klötzchengrafik im Tetris-Stil dargestellt. Beim Produktionsdesign ließ sich Gilliam diesmal übrigens vom deutschen Künstler Neo Rauch inspirieren.

Waltz darf endlich wieder schauspielern!

Gilliam versteht es bestens, seine Stars gegen ihre üblichen Rollenmuster zu besetzen. In „12 Monkeys“ durften Schönling Brad Pitt und Actionheld Bruce Willis fröhlich vor sich hinsabbern. In „The Zero Theorem“ „walzt“ Christoph Walz mit seiner Glatze nicht wie üblich durch die Szenerie. Keine Frage, der zweifache Oscargewinner ist ein grandioser Schauspieler. Doch seit „Inglourious Basterds“ spielt er in Hollywoodfilmen im Grunde immer nur die gleiche Rolle in Variationen. Sei es in „Django Unchained“, „Kill the Boss 2“ oder „Big Eyes“, er gibt immer diesen schmierigen Typen mit deutschen Akzent, der jedem mit seinem Intellekt überlegen scheint. Gilliam kitzelt endlich mal wieder andere Facetten aus ihm heraus.

Die Frage aller Fragen

Schon gemeinsam mit seinen Comedy-Kollegen von Monty Python ergründete Gilliam den Sinn des Lebens. Dieser Frage aller Fragen geht er natürlich auch in „The Zero Theorem“ nach. Warum Qohen für die Suche nach dem „Zero Theorem“ genau der Richtige ist, dieses Geheimnis serviert das Drehbuch dem Zuschauer am Ende komplett auf dem Silbertablett – in Form einer Ansprache von Qohens Auftraggeber (Matt Damon). Das ist schade, denn so werden seine treuen Fans enttäuscht, die diese Rätsel in Gilliams kreativem Chaos lieber selbst entschlüsselt hätten.

Theorem-2

Bainsley soll Qohen etwas Ablenkung verschaffen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terry Gilliam sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Matt Damon und/oder Christoph Waltz in der Rubrik Schauspieler, Filme mit Tilda Swinton in der Rubrik Schauspielerinnen.

Veröffentlichung: 9. April 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 107 Min. (Blu-ray), 103 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Zero Theorem
GB/RUM/F/USA 2013
Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Pat Rushin
Besetzung: Christoph Waltz, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, David Thewlis, Matt Damon, Tilda Swinton
Zusatzmaterial: Hinter den Kulissen, Die visuellen Effekte, Die Kostüme, Die Sets, Interviews, Location Featurettes, London Film Festival Q&A mit Terry Gilliam, Die Ratten
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Theorem-3

Qohens Vorgesetzter Joby (l.) verliert langsam die Geduld mit dem Genie

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshots: © 2015 Concorde Home Entertainment

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