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Late Phases – Blinder Vietnamveteran gegen Werwolf

15 Jun

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Late Phases

Von Volker Schönenberger

Horror // Der Werwolf ist als Horrorfilmfigur noch nicht ganz so inflationär ausgereizt wie der Zombie, auch nicht ganz so präsent wie der Vampir. Seit „Der Wolfsmensch“ („The Wolf Man“, 1941) hat das Genre immer wieder herausragende Kreaturen hervorgebracht, darunter die Bestie in „American Werewolf“ („An American Werewolf in London“, 1981) mit seinen heute noch beeindruckenden Masken und der grandiosen Verwandlungssequenz. Auch „Das Tier“ („The Howling“) aus dem gleichen Jahr hat Klasse. Das „The Wolf Man“-Remake von 2010 mit Benicio Del Toro ist gar nicht so schlecht wie manche finden. Jüngst hat „Wer – Das Biest in dir“ für Furore gesorgt, „WolfCop“ brachte eine humorige Note hinein. Nun kommt mit „Late Phases“ ein weiterer gelungener Vertreter zu uns, der mich ein wenig an Neil Marshalls tolles Kinodebüt „Dog Soldiers“ von 2002 erinnert – nicht in seiner Machart und Tonalität, aber darin, dass er zumindest für mich etwas aus dem Nichts kommt.

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Die Bestie hat zugeschlagen

Der blinde Vietnamkriegsveteran Ambrose McKinley (Nick Damici) bezieht mit seinem Hund Shadow in der großflächigen Senioren-Residenz Crescent Bay ein Häuschen. Sein entfremdeter Sohn Will (Ethan Embry) hilft ihm beim Umzug. Die Nachbarin Delores scheint immerhin reizend zu sein. Doch in Ambroses erster Nacht in Crescent Bay dringt eine haarige Bestie in Delores’ Heim ein und schlachtet sie ab. Anschließend gelangt die Kreatur auch in Ambroses Haus. Sein treuer Hund beschützt den Veteran, bezahlt das aber mit dem Leben.

Der nächste Vollmond kommt bestimmt

Im Krankenhaus erfährt Ambrose, dass es in Crescent Bay häufig zu unerklärbaren Vorfällen kommt. Oft liegen nur einige Wochen dazwischen. Der alte Haudegen bekommt einen Verdacht: Geht ein Werwolf in der Gegend um? Der Veteran mag blind sein, wehrlos ist er nicht. Sein Geruchssinn und seine Kampferfahrung kommen ihm zugute. Bis zum nächsten Vollmond bleiben Ambrose vier Wochen …

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McKinley muss seinen Hund zu Grabe tragen

Regisseur Adrián García Bogliano („Here Comes the Devil“) lässt den Werwolf zügig zu Beginn attackieren, um in der Folge das Augenmerk auf Ambrose und dessen Vorbereitungen auf den nächsten Angriff zu legen. Die Charakterisierung von Ambrose als verbitterter alter Knochen ist gelungen und verleiht dem Film eine Ernsthaftigkeit, die angesichts vieler Funsplatter-Orgien im Horrorgenre eine Wohltat ist. Ambrose plagt sich mit der angespannten Beziehung zu seinem Sohn herum und ist auch nicht willens, sich in die Gemeinschaft der Senioren einzubringen. Trotz seiner Schroffheit ist er als Charakter differenziert dargestellt und so interessant, dass Zuschauer an seinem Los Anteil nehmen. Als körperbehinderter Einzelgänger erinnert er dabei ein klein wenig an den von Corey Haim dargestellten Marty in der Stephen-King-Adaption „Der Werwolf von Tarker Mills“ von 1985, darin erschöpfen sich allerdings die Gemeinsamkeiten.

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Der Veteran legt sich …

Die weitgehend handgemachten und auf CGI verzichtenden Tricks sind zwiespältig zu beurteilen: Einerseits sehen die drastischen Splattereffekte sehr gut aus. Auch eine Transformationssequenz beeindruckt. Wenn die Kreaturen zum Finale erstmals in ganzer Pracht zu sehen sind, trübt das den sehr guten Gesamteindruck leider ein wenig – die Biester sehen etwas unfreiwillig komisch aus. Das passt nicht ganz zu der Ernsthaftigkeit des Films, ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen eines ansonsten vorzüglich inszenierten Werwolf-Reißers.

Nick Damici – Schauspieler und Drehbuchautor

Hauptdarsteller Nick Damici hat sich auch als Drehbuchautor einen Namen gemacht. So zeichnet er für das Skript zum feinen Endzeit-Vampirfilm „Vampire Nation“ (2010) verantwortlich und hat aus der Vorlage des mexikanischen Horrordramas „Wir sind was wir sind“ das Drehbuch zum US-Remake „We Are What We Are“ (2013) erstellt. Jüngst schrieb er nach einer Romanvorlage von Joe R. Lansdale das Skript zum Thriller „Cold in July“. In all diesen Filmen hat er auch Nebenrollen übernommen. Mit „Late Phases“ beweist Damici, dass er auch das Zeug zum Hauptdarsteller hat. Das junge Label OFDb Filmworks wiederum beweist mit dem Werwolf-Schocker, dass es sich seinen Katalog sorgfältig aufbaut. Davon zeugen auch Veröffentlichungen wie „From Beyond“, „The Body“, „Der Frauenmörder“ und „Tödliche Umarmung“.

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… mit dem Werwolf an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nick Damici sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 9. Juni 2015 als Blu-ray im Steelbook und DVD, 15. Dezember 2015 als Blu-ray

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Late Phases
USA 2014
Regie: Adrián García Bogliano
Drehbuch: Eric Stolze
Besetzung: Nick Damici, Ethan Embry, Lance Guest, Tom Noonan, Tina Louise, Rutanya Alda, Larry Fessenden, Karen Lynn Gorney
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Adrián García Bogliano, Making-of, Early Phases – Werewolf Diaries FX, deutscher Trailer, Originaltrailer
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 OFDb Filmworks

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2 Antworten zu “Late Phases – Blinder Vietnamveteran gegen Werwolf

  1. Kay Sokolowsky

    2015/06/15 at 20:13

    Ach, der Werwolf – die zweitälteste Gruselgestalt der Menschheit (älteste: Gespenst)! Schön, daß es ihn noch gibt; schön auch diese Filmbesprechung! – In der Aufzählung zu Beginn fehlt mir nur der sehr freudianische, aber gleichermaßen bildgewaltige und opulente Klassiker „Zeit der Wölfe“ von Neil Jordan.Auch prima handgemachte Verwandlungen!

     
    • V. Beautifulmountain

      2015/06/15 at 21:14

      Vielen Dank, auch für den Hinweis auf Neil Jordan. ZEIT DER WÖLFE ist mir ein Begriff, aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihn noch nie gesehen habe. Wäre hier mal eine Rezension wert. Kurz mal geschaut: Bei uns gibt’s nur eine recht billig anmutende DVD von 2001. Auf der Insel ist immerhin eine Blu-ray erschienen und preiswert zu haben.

      Der gute Neil Jordan hat sich übrigens auch im Vampirgenre verewigt: https://dienachtderlebendentexte.wordpress.com/2013/12/27/byzantium/

       

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