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Fifty Shades of Grey – Geheimes Verlangen: Ein zahmer Porno?

17 Jun

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Fifty Shades of Grey

Von Matthias Holm

Erotikdrama // 85 Millionen Dollar Einnahmen am Eröffnungswochenende, weltweit knapp 568 Millionen Dollar insgesamt. Egal, wie man zu der Verfilmung von E. L. James’ Bestseller steht – die Zahlen sind beeindruckend. Grund genug, den Film trotz aller Verteufelungen – gerade einmal 25 Prozent erreicht der Film auf Rotten Tomatoes bei den Kritikern – unter die Lupe zu nehmen.

Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!

Durch einen Zufall interviewt die schüchterne Anastasia Steele (Dakota Johnson) den reichen Geschäftsmann Christian Grey (Jamie Dornan). Trotz seiner offen zur Schau getragenen Arroganz ist sie vom Charme des gutaussehenden Mannes gefangen und auch er scheint ihr gegenüber nicht abgeneigt zu sein. Doch Christian birgt ein Geheimnis: Beim Liebesspiel geht es ihm nicht um Zuneigung, er will seine Partnerinnen unterwerfen – und benutzt dafür gern Peitschen oder Seile.

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Die junge Anastasia …

Den Ursprung des Stoffes – die Geschichte begann bekanntermaßen als Fan-Fiction zu „Twilight“ – merkt man dem Film zu jeder Sekunde an. Sie ist ein prüdes Mädchen, das, obwohl sie bald ihren College-Abschluss macht, keinerlei sexuelle Erfahrung hat. So etwas soll vorkommen, wenn auch vermutlich eher selten. Er ist einfach ein gut aussehender Mann, den Sie unfassbar anziehend findet. Warum? Das weiß kein Mensch. Ein Sympath ist er nicht gerade – eher das Gegenteil.

Ein Hauptdarsteller ohne Charisma

Obwohl beide Hauptdarsteller vom Aussehen her gut gecastet wurden, fehlt Jamie Dornan einfach die nötige Aura – das Geheimnisvolle, der Sexappeal. Da war ja Robert Pattinson als glitzernder Vampir heißer. Dakota Johnson schafft es immerhin mit vollem Körpereinsatz, ihrer so biederen und langweiligen Figur wenigstens etwas abzugewinnen.

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… und der adrette Christian …

Auch mit ihrem Aussehen können die beiden leider nichts gegen die unfassbar dämlichen Dialoge tun. Kostprobe gefällig? „Ich schlafe mit niemandem. Ich ficke. Hart.“ Wie es Jamie Dornan gelang, diesen Satz mit ernster Miene zu deklamieren, bleibt mir ein Rätsel. Es ist ein schlechtes Zeichen für einen Film über SM-Praktiken, wenn der Zuschauer häufiger lacht als das Leinwandgeschehen erotisch zu finden.

Knisternde Erotik? Sucht anderswo!

Man darf allerdings auch nicht mit der Erwartung eines knisternden Erotikfilms an „50 Shades of Grey“ rangehen – dafür gibt es andere Vertreter wie etwa „Wildes Verlangen – Pleasure or Pain“ (obwohl der auch nicht gerade die Erfüllung ist). Vielmehr handelt es sich um eine recht gewöhnliche Liebesgeschichte, nur dass der Typ eben sexuelle Vorlieben hat, die etwas jenseits der Norm sind. Doch selbst in diesem Bereich versagt der Film.

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… verfallen einander

Mit einer Laufzeit von knapp zwei Stunden ist es schon eine Leistung, wenn man sich als Zuschauer an kaum eine besonders nennenswerte Szene erinnern kann – ausgenommen davon ist Christians Besuch in dem Baumarkt, in dem Anastasia arbeitet, den fand ich tatsächlich witzig.

80 Minuten bis zum Spielzimmer

Tatsächlich dauert es fast eine Stunde und zwanzig Minuten, bis sich die beiden endlich in Christians Spielzimmer miteinander vergnügen – oder eher er mit ihr. Auch hier: Wer hofft, ein wenig Einblick in die SM-Kultur zu bekommen, kann sich nach anderen Filmen umsehen. Vieles wird angedeutet, nichts wird explizit gezeigt. Das R-Rating in den USA ist ein absoluter Witz.

Selbst bei diesem Thema ist sich das Drehbuch für keine Tiefpunkte zu schade. Mr. Greys Vorlieben kommen keineswegs aus dem Nichts. Nein, er wurde als Kind von seiner Mutter vernachlässigt, vergewaltigt hat man ihn damals auch noch. Nur so können Menschen natürlich zu dieser sexuellen Ausprägung gelangen, alles andere wäre ja unnormal.

Der Klaps auf den Po – immer wieder gern genommen

Und wenn die Spiele über einen sanften Klaps auf den Po hinausgehen, zieht die immer noch prüde, nun aber nicht mehr jungfräuliche Anastasia sofort die Reißleine. Was bleibt, sind ein unbefriedigendes Ende und die Gewissheit, dass ein zweiter Teil kommen wird – den Teaser dazu gibt es auf der Blu-ray zu sehen, bevor der Film startet.

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Klavier kann er natürlich auch

Es bleibt also am Ende ein Nichts von einem Film. Keine berührende Liebesgeschichte, keine vernünftige Auseinandersetzung mit SM-Praktiken, alles mit einem oberflächlichen Soundtrack versehen und in Hochglanzbildern fotografiert. Hätte ich nicht bereits „Debug – Feindliches System“ gesehen, wäre dies wohl der schlechteste Film des Jahres für mich. Blogger Volker hat gut daran getan, mir „Fifty Shades of Grey“ zu übertragen und sich parallel mit „Geschichte der O“ zu vergnügen. Ob ich mir den 70er-Jahre-Unterwerfungs-Klassiker mal gönne, weiß ich nach dieser Erfahrung aber noch nicht.

Mal wieder eine Langfassung

Zu allem Überfluss veröffentlicht Universal „Fifty Shades of Grey“ auch noch in einer Langfassung. Die Kollegen von Schnittberichte haben schon Vorarbeit geleistet, da reicht es, wenn ich darauf hinweise, dass die zusätzlichen Szenen den Kohl auch nicht fett machen.

Die YouTuber Screen Junkies haben den Film in ihrer 100. Ausgabe des Formats „Honest Trailers“ aufs Korn genommen. Er hat es verdient. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Marcia Gay Harden sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Veröffentlichung: 18. Juni 2015 als DigiBook Blu-ray (inkl. Bonus-DVD und Digital HD UV), 2-Disc Special Edition Blu-ray, Blu-ray, DigiBook DVD (inkl. Bonus-DVD), 2-Disc Special Edition DVD und DVD

Länge: 128 Min. (Blu-ray, Langfassung), 125 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 123 Min. (DVD, Langfassung), 120 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch u. a.
Originaltitel: Fifty Shades of Grey
USA 2015
Regie: Sam Taylor-Johnson
Drehbuch: Kelly Marcel, nach einem Roman von E. L. James
Besetzung: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Marcia Gay Harden, Jennifer Ehle, Eloise Mumford, Victor Rasuk, Luke Grimes, Rita Ora, Max Martini, Callum Keith Rennie
Zusatzmaterial Blu-ray: Hinter den Kulissen, E. L. James & Fifty Shades, Fifty Shades: Die Lust am Schmerz, Musikvideos (Skylar Grey: „I know you“ / The Weekend: “Earned it”), 360°-Set-Tour, Hinter den Kulissen von „Earned it“, Die Welt von „Fifty Shades of Grey“ (Christian Grey: Christian Grey Profil, Jamie Dornan Profil, Christians Wohnung, Christians Kleidung, Das Spielzeug eines reichen Mannes / Ana: Alles über Ana, Dakota Johnson Profil, Anas Welt, Anas Kleidung / Freunde und Familie: Eloise Mumford, Max Martini, Marcia Gay Harden, Luke Grimes, Jennifer Ehle, Victor Rasuk, Rita Ora)
Zusatzmaterial Bonus-DVD: Fotogalerie, Die Musik von „Fifty Shades of Grey“, Lieblingsszenen (Jamie Dornan: Die Interviewszene, Dakota Johnson: Die Verhandlungsszene, Sam Taylor-Johnson: Die Trennungsszene, E. L. James: Die Barszene, die Helikopterszene & die Gleiterszene), Autogrammstunde in Vancouver, Fifty Shades sehen
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

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Copyright 2015 by Matthias Holm
Fotos & Packshots: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

 

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