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Wolfen – 80er-Horror mit den Augen der Tiere

21 Jun

Wolfen-Cover

Wolfen

Horror // Manche Filme werden an den Kinokassen schlicht verkannt, erst die Zeit macht sie zum Klassiker. Ganz sicher gilt das für „Wolfen“, dem 1981 kein Erfolg beschieden war und der sich erst über die Jahre und Videotheken seinen verdienten Ruf als intelligenter Hochspannungs-Horror erarbeitet hat. Das liegt nicht zuletzt an der großartigen Idee, immer wieder Sequenzen mit subjektiver Wärmebildkamera einzufügen, die den Blick der Kreaturen abbilden – eine 1987 auch in „Predator“ mit Arnold Schwarzenegger ebenso perfekt verwendete Technik.

Aufgrund des Filmtitels weiß der Zuschauer von vornherein, um was für Kreaturen es sich handelt, die New York heimsuchen. Die Protagonisten wissen es zu Beginn noch nicht. Erste Opfer sind ein Immobilienmagnat, seine Frau und der Leibwächter der beiden. Sie werden des Nachts im Battery Park an der Südspitze Manhattans angegriffen und getötet.

Terror in der Bronx

Ex-Cop Dewey Wilson (Albert Finney) wird reaktiviert. Seine Ermittlungen führen ihn und die Psychologin Rebecca Neff (Diane Venora) in den heruntergekommenen Stadtteil Bronx, wo Wilson Rebecca knapp vor einer kaum greifbaren Bedrohung rettet. Der Gerichtsmediziner Whittington (Gregory Hines) findet an einigen der verstümmelten Leichen Tierhaare, die er nicht zuordnen kann.

Bald darauf erkennt ein Zoologe, woher sie stammen: von canis lupus, dem Wolf – allerdings keiner der bekannten Unterarten. Der vorbestrafte Indianer Eddie (Edward James Olmos) tischt Wilson eine Geschichte über Gestaltwandler auf, doch die Wahrheit sieht ganz anders aus.

Erst „Woodstock“, dann „Wolfen“

Kaum zu glauben: „Wolfen“ markiert Michael Wadleighs einzige Spielfilm-Regiearbeit. 1969 inszenierte er den „Woodstock“-Film, sonst nichts. Ein Jammer, beweist er mit dem urbanen Horrorfilm doch ein Händchen für Dramaturgie, Spannungsaufbau und Originalität. Wadleighs Erfahrung als Kameramann kommt „Wolfen“ sehr zugute, die Kamerafahrten und Perspektiven sind brillant, nicht nur die der oben erwähnten subjektiven Kamera aus Wolfssicht.

Die übrige Tricktechnik hält heutigen Maßstäben nicht mehr ganz stand, was besonders bei einer Attacke auf Wilsons Vorgesetzten Warren (Dick O’Neill) kurz vor dem Finale deutlich wird. Das stört aber nicht im Übermaß, viel spielt sich ohnehin im Halbdunkel oder im Kopf des Zuschauers ab. Die Angriffe sind jedenfalls rasant, die Folgen drastisch und blutig, Splatter-Fans kommen punktuell auf ihre Kosten.

Score von „Titanic“-Komponist James Horner

Musikalisch wird der Film perfekt und unaufdringlich untermalt, der Score passt sich stets der Dramaturgie an. Komponist James Horner ist seit 1987 immerhin zehn Mal für Oscars nominiert worden, 1998 gewann er die Trophäe gleich zwei Mal: für den von Céline Dion interpretierten Song „My Heart Will Go On“ und den Score von „Titanic“.

Wenn Wilson am Ende das Modell eines überdimensionierten Bauprojekts zerstört, wird die politisch-ökologische Botschaft etwas dick aufgetragen, bis dahin hat Wadleigh seine Intentionen aber perfekt umgesetzt. „Wolfen“ verpackt seine intelligente Geschichte in jederzeit hoch spannenden Horror, dem der Zahn der Zeit kaum etwas angetan hat. In den USA ist der Film bereits auf Blu-ray erschienen, höchste Zeit für eine Neuveröffentlichung bei uns – die DVD von 2006 ist schon lange im Handel vergriffen.

Veröffentlichung: 13. Oktober 2006 als DVD

Länge: 109 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Wolfen
USA 1981
Regie: Michael Wadleigh
Drehbuch: David Eyre, Michael Wadleigh, nach dem Roman von Whitley Strieber
Besetzung: Albert Finney, Diane Venora, Edward James Olmos, Gregory Hines, Tom Noonan, Dick O’Neill, Peter Michael Goetz, Sam Gray, Tom Waits
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

 
 

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Eine Antwort zu “Wolfen – 80er-Horror mit den Augen der Tiere

  1. Christian Weis

    2015/06/27 at 18:38

    Hat mich damals in den Achtzigern fasziniert und ist immer noch sehenswert!

     

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