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Für immer Adaline – Who Wants to Live Forever?

08 Jul

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The Age of Adaline

Kinostart: 9. Juli 2015

SF-Melodram // Die Alterung stoppen, das ewige Leben vor Augen haben – ein alter Menschheitstraum. Doch auch ein Albtraum. Denn wenn es alle erreichen, wird es irgendwann einmal richtig eng auf Erden. Und bin ich das einzige Individuum mit dieser Gabe, wahlweise diesem Fluch, so muss ich immer wieder, über Jahrzehnte, Jahrhunderte und länger geliebte Menschen sterben sehen – oder mich für ein Leben in Einsamkeit entscheiden.

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Adaline lässt niemanden an sich heran

„Highlander – Es kann nur einen geben“ hat das Motiv 1986 als actionreiches Abenteuer mit Christopher Lambert und Sean Connery thematisiert. In besseren Vampirfilmen klingt es immer wieder an, so 2013 auf betörende Weise in Jim Jarmuschs „Only Lovers Left Alive“ mit Tilda Swinton und Tom Hiddleston. Nun erleben wir auf der Kinoleinwand das Schicksal von Adaline (Blake Lively).

Blitzschlag mit wundersamen Folgen

Als erstes Neujahrsbaby von San Francisco um 0.01 Uhr 1908 zur Welt gekommen, hat Adaline knapp 30 Jahre später einen Unfall, bei dem ihr Auto von der Straße abkommt und in einen eiskalten See stürzt. Dann schlägt ein Blitz ins Auto ein, holt sie aus der Bewusstlosigkeit im Wasser.

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Nur die Liebe zu ihren Hunden gönnt sie sich

Auf diese Prämisse muss man sich einlassen: Das Ereignis und seine Folgen werden von einer sanften Stimme aus dem Off beschrieben. Als Erklärung dient ein physikalisches Phänomen, das erst im Jahr 2035 entdeckt werden wird. Folge: Adaline altert nicht mehr – um keinen einzigen Tag. Irgendwann nach Ende des Zweiten Weltkriegs muss sie sich eingestehen, dass sie etwas Besonderes ist, ihr Aussehen nicht nur mit gesundem Lebenswandel zu tun haben kann.

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Paradox: Tochter Flemming wirkt älter

Nur ihre Tochter Flemming (später: Ellen Burstyn) weiß um das Geheimnis ihrer Mutter – Adalines Ehemann war kurz nach Flemmings Geburt bei einem Unfall gestorben. 1953 gerät Adaline ins Visier der Behörden, kann sich nur knapp vor dem FBI retten. Fortan lebt sie auf der Flucht, zurückgezogen. Kaum einmal lässt sie Nähe und Liebe zu anderen Menschen zu. Hunde hält sie immerhin, muss über die Jahre viele der treuen Vierbeiner in den Tod ziehen lassen. In einer Silvesternacht jedoch – es mag 2014 sein – begegnet ihr der charmante Ellis Jones (Michiel Huisman), der ihr in den folgenden Wochen hartnäckig den Hof macht.

Der Liebe entsagen, um dem Schmerz zu entkommen?

Der Gedanke ist für Realisten wie mich nur schwer nachvollziehbar (Träumern mag es leichter fallen): Wie erlebt man es, wenn geliebte Menschen altern und sterben? Welche Angst muss es auslösen, wenn man weiß, dass es so kommen wird? Ich will meine Töchter aufwachsen sehen, aber einholen sollen sie mich altersmäßig ganz sicher nicht. Was geschieht in meinem Innern, wenn ich mich verliebe und ganz genau weiß, dass ich meine Liebste altern und sterben sehen werde, während ich jung bleibe? Verzichte ich dann auf Liebe in meinem Leben?

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In einer Silvesternacht lernt Adaline Ellis kennen …

Antworten darauf kann es nicht wirklich geben. „Für immer Adaline“ lässt immerhin in vielen Momenten den Hauch einer Ahnung aufkommen, was in der Gefühlswelt der Titelfigur vorgehen mag. Ihr Schmerz beim Tierarzt, wenn wieder einmal ein geliebter Hund eingeschläfert werden muss, ihre Entscheidung, nicht aus dem Taxi zu steigen, obwohl dort auf der Parkbank doch der Liebste wartet, der schon das Etui mit dem Ring in der Hand hat – das sind intensive Momente, in denen der Zuschauer dann doch ganz nah dran an der Prämisse ist.

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… der behutsam um ihre Gunst wirbt

Bisweilen gerät die getragene Atmosphäre zu sehr ins Besinnliche. Die Streichmusik im Score ist zwar sanft und zurückhaltend, trägt aber ihr Teil dazu bei. Das ist bedauernswert, zumal es gar nicht Not tut, Adalines Schicksal mittels äußerer Mittel wie eben Musik zu betonen. Trotz der erwähnten Schwierigkeiten, das Science-Fiction-Element nachzufühlen, verstehen wir ihre Qualen doch auch so.

Harrison Ford als Astronom

Schön ist zu sehen, dass Harrison Ford nun endlich erkannt zu haben scheint, dass es sinnvoll ist, altersgemäße Rollen anzunehmen wie auch in „42“. Er spielt den Astronomen William Jones, alles andere als ein Indiana Jones (mehr will ich über seine Rolle nicht verraten). Allerdings bleibt abzuwarten, ob er in der „Blade Runner“-Fortsetzung, in „Star Wars – Epidose VII: Das Erwachen der Macht“ und „Indiana Jones 5“ nicht doch wieder der Versuchung erliegt, den Actionstar zu mimen, der er nicht mehr ist.

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Begegnung mit der Vergangenheit

Kurioser Zufall: Ellen Burstyn hat kurz zuvor in Christopher Nolans „Interstellar“ ebenfalls eine Frau gespielt, die im Alter ein jung gebliebenes Elternteil zu sehen bekommt. An den schauspielerischen Leistungen von „Für immer Adaline“ ist nichts auszusetzen, das gilt für Burstyn und Ford ebenso wie für Blake Lively („Gossip Girl“) und Michiel Huisman („World War Z“, „Der große Trip – Wild“). Das Melodram spielt auf warmherzige und melancholische Weise mit dem alten Menschheitstraum, der mehr Fluch als Segen ist. Who wants to live forever?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Harrison Ford sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: The Age of Adaline
USA 2015
Regie: Lee Toland Krieger
Drehbuch: J. Mills Goodloe, Salvador Paskowitz, J. Mills Goodloe
Besetzung: Blake Lively, Michiel Huisman, Harrison Ford, Ellen Burstyn, Kathy Baker, Amanda Crew, Anthony Ingruber
Verleih: Universum Film

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Universum Film

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2015/07/08 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Für immer Adaline – Who Wants to Live Forever?

  1. franziska-t

    2015/07/09 at 15:51

    Lee Toland Krieger bemuttert sein Publikum. Die ersten zwanzig Minuten sind durch einen nervigen Off-Kommentar geprägt, der die Geschichte bis ins letzte Detail erklärt. In Schreibkursen heißt es immer “Show, don’t tell!”, aber leider zeigt der Film zu wenig, erzählt aber unglaublich viel. Es wäre viel spannender den Zuschauer selbst erkennen zu lassen, dass Adaline nicht altert, anstatt in allen Einzelheiten den Unfall und die daraus resultierenden Konsequenzen zu schildern. Dadurch kommt zunächst keinerlei Spannung auf und die Narration plätschert ziellos vor sich hin.

    Hier meine Review zum Film: https://filmkompass.wordpress.com/2015/06/17/the-age-of-adaline-2015/

     

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