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Opfer der Unterwelt – Bei Ankunft tot

12 Jul

Opfer_der_Unterwelt-Cover

D.O.A.

Gastrezension von Simon Kyprianou

Krimidrama // Eine eigentlich harmlose Urlaubsreise nach San Francisco bringt für den Rechtsanwalt Frank Bigelow (Edmond O’Brien) viel Unheil mit sich: Er wird in einer Bar vergiftet. Das Toxin, so teilen ihm die Ärzte mit, greift seine Organe an und wird ihn innerhalb der kommenden Tage unweigerlich töten. Bigelow nutzt die ihm bleibende Zeit, um mit seiner Freundin Paula (Pamela Britton) ins Reine zu kommen und seinen Mörder zu finden.

Bigelow will vor seinem Tod reinen Tisch machen

Die Prämisse ist natürlich hervorragend: Wir kennen das Ende, wir wissen, worauf der Film hinausläuft. In dieser Prämisse, die alle Hoffnung auf ein Happy End, auf Erlösung von Anfang an negiert, stecken der geballte Pessimismus und die Hoffnungslosigkeit des Film noir. Der Rest des Films ist in einer Rückblende erzähltes Aufklären der Begebenheiten, denn kurz vor seinem Tod schleppt sich Bigelow zur Polizei um alles zu erzählen.

Tour de Force eines Todgeweihten

Ganz in der Tradition von zum Beispiel „Tote schlafen fest“ hetzt Rudolph Maté seinen Protagonisten von einem Verdächtigen zum nächsten, lässt ein unübersichtliches Mosaik aus Beweisen, Indizien und Motiven entstehen, indem der Durchblick immer schwerer fällt. Der Regisseur beschleunigt seine Tour de Force durch ständige Ortswechsel, Telefonate und den situativ gegebenen Zeitdruck des sterbenden Protagonisten.

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Ein Sterbender jagt seinen Mörder

Stets mit der Gewissheit des unvermeidlichen Ausgangs im Fokus, inszeniert Maté, wie plötzlich das Unheil mit dem Leben eines gewöhnlichen Menschen kollidiert, der zuvor nie mit Verbrechen in Kontakt gekommen ist und wie er sich mit den Funktionalismen dieser Welt arrangieren muss. Dabei kam Maté bei seiner stilvollen Inszenierung sicher seine Vergangenheit als Kameramann zugute.

Bigelow quetscht die Femme fatale aus

Die finale Konfrontation mit dem Mörder inszeniert Maté im Gegensatz zum rasanten, ruhelosen Rest des Films wunderbar minimalistisch. Nüchtern treten sich Mörder und Opfer in einer tristen Szenerie gegenüber und Maté erzeugt einen großartigen Moment von bedrückender Stille. Im selben Gebäude, in dem hier Täter und Opfer aufeinandertreffen, fanden später auch Ridley Scotts „Blade Runner“ und J. Lee Thompsons „Murphys Gesetz“ mit Charles Bronson ihr Ende.

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Das Ende ist nah

Das 1988er-Remake „D.O.A. – Bei Ankunft Mord“ mit Dennis Quaid und Meg Ryan ist ebenfalls anständig geraten, erreicht aber nicht die Intensität des Originals. „Opfer der Unterwelt“, besser „D.O.A.“, wie er im Englischen heißt, was im Polizei-Jargon „Dead on Arrival“ („Beim Eintreffen tot“) bedeutet, ist ein wunderbar kalter, unerbittlicher Thriller, von Koch Media auf einer guten DVD veröffentlicht.

Die Film Noir Collection von Koch Media:

01. Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia, 1946)
02. Spiel mit dem Tode (The Big Clock, 1948)
03. Schwarzer Engel (Black Angel, 1946)
04. Desert Fury – Liebe gewinnt (Desert Fury, 1947)
05. Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
06. Du und ich (You and Me, 1938)
07. Der General starb im Morgengrauen (The General Died at Dawn, 1936)
08. Der Mann mit der Narbe (Hollow Triumph, 1947)
09. Ausgestoßen (Odd Man Out, 1947)
10. Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, 1947)
11. Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, 1990)
12. Schritte in der Nacht (He Walked by Night, 1948)
13. Detour – Umleitung (Detour, 1945)
14. Das schwarze Buch (Reign of Terror aka The Black Book, 1949)
15. Zeuge gesucht (Phantom Lady, 1944)
16. Unter Verdacht (The Suspect, 1944)
17. Der unheimliche Gast (The Uninvited, 1944)
18. Ministerium der Angst (Ministry of Fear, 1944)
19. Die Killer (The Killers, 1946)
20. Opfer der Unterwelt (D.O.A., 1950)
21. Die Nacht hat tausend Augen (Night Has a Thousand Eyes, 1948)
22. Der gläserne Schlüssel (The Glass Key, 1942)
23. Casbah – Verbotene Gassen (Casbah, 1948)
24. Die Narbenhand (This Gun for Hire, 1942)
25. Die rote Schlinge (The Big Steal, 1949)

Veröffentlichung: 14. Mai 2015 als DVD

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: D.O.A.
USA 1950
Regie: Rudolph Maté
Drehbuch: Russell Rouse, Clarence Greene
Besetzung: Edmond O’Brien, Pamela Britton, Luther Adler, Beverly Garland, Lynn Baggett, William Ching, Neville Brand, Laurette Luez, Jess Kirkpatrick
Zusatzmaterial: Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

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