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Dawn of the Dead – Zack Snyders missratenes Remake

10 Aug

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Dawn of the Dead

Von Simon Kyprianou

Horror-Action // Im Chaos der gerade losbrechenden Zombie-Apokalypse begegnen sich Ana (Sarah Polly), Kenneth (Ving Rhames), Michael (Jake Weber) und Andre (Mekhi Phifer). Gemeinsam schlagen sie sich zu einem Einkaufszentrum durch und verschanzen sich dort zusammen mit den zwielichtigen Sicherheitsleuten (u. a. Michael Kelly aus „House of Cards“). Doch die Horden an Zombies können nicht lange aufgehalten werden.

Maßstab: George A. Romeros Original

So sehr man es auch vermeiden und Snyders Version als eigenständigen Film betrachten will, er muss sich unweigerlich Vergleiche mit George A. Romeros Original stellen. Wo Romeros Film den Zuschauer direkt in die Handlung, in das Chaos hineinwirft, den Zuschauer ohne Exposition in die rauschende Dynamik der Apokalypse schleudert, beginnt Snyders Film konventionell.

Kein Interesse am politischen Kommentar

Die gesamte politische Komponente, die bei Romero im Mittelpunkt stand – für ihn waren die Zombies ja stets in erster Linie politisches Instrument – interessiert Snyder anscheinend wenig. Die Szenen, die die Protagonisten im Kaufhaus verbringen, waren bei Romero noch der eskapistische Kapitalismus-Rausch, Snyder stopft sie voll mit hässlichen Fickszenen und kruden Zombie-Babys. War Romeros Film ein aufrichtig-sorgenvoller Kommentar zu Amerika, ein komplexer Film, in dem die Zombies die Menschen spiegeln, ist Snyders Film nur noch ein ekelhaft zynischer Abklatsch. Romeros druckvolle, hektische Inszenierung ist bei Snyder viel Leerlauf.

Faschistische Ästhetik

Die Hand voll Dialogszenen, in denen er seinen Charakteren Tiefe verleihen will, misslingen ihm vollends. Snyder hat schlicht kein Gespür für menschliche Belange. Aber er inszeniert ja sonst auch nur Übermenschen („Watchmen“, „Man of Steel“, „300“). Apropos Übermenschen: „Dawn of the Dead“ kündigt die zutiefst verwerfliche faschistische Ästhetik von „300“ bereits an – keine Actionszene kommt ohne Zooms auf Waffenläufe, Magazine oder Patronenhülsen in Zeitlupe aus – als scheine Zack Snyder in den Waffen, dem Blut und der Gewalt eine tiefere Wahrheit zu suchen. Das pathetische Menschenopfer zum Schluss und der saudoof-zynische Kopfschuss, der den Abspann einleitet, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Will man irgendetwas Gutes über „Dawn of the Dead“ sagen, so ist es Sarah Polley. Sie spielt die Hauptrolle kraftvoll und zugleich auch zerbrechlich. Snyder kann „Dawn of the Dead“ rein gar nichts hinzufügen, er nimmt ihm dafür einiges weg, nämlich die Klugheit, die Ästhetik und die Relevanz.

Blogbetreiber Volker teilt meine Meinung zum Remake übrigens nicht, deshalb haben wir uns entschieden, eine Doppelbetrachtung zu veröffentlichen. Zu seiner Rezension geht’s hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Zack Snyder sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. Oktober 2010 als Blu-ray, 19. August 2004 als DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Dawn of the Dead
USA/KAN/JAP/F 2004
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: James Gunn, nach dem Original-Drehbuch von George A. Romero
Besetzung: Sarah Polley, Ving Rhames, Mekhi Phifer, Jake Weber, Ty Burrell, Michael Kelly, Kevin Zegers, Matt Frewer, Lindy Booth, Jayne Eastwood
Zusatzmaterial: Intro von Regisseur Zack Snyder, Das verlorene Band: Der Horror von Andys letzten Tagen, Spezial-Report, „Untoten-Szenen“ mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs, Die Toten erwecken, Angriff der lebenden Toten, Hämmernde Kopfschmerzen: Die Anatomie explodierender Schädel, Audiokommentar von Zack Snyder und Produzent Eric Newman, Trailer „Shaun of the Dead“
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

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