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Die Nacht hat tausend Augen – Vom Fluch, die Zukunft zu kennen

21 Aug

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Night Has a Thousand Eyes

Gastrezension von Simon Kyprianou

Krimidrama // Bühnenmagier John Triton (Edward G. Robinson) arbeitet mit den typischen Tricks und Schwindeleien und tut so, als könne er die innersten Wünsche der Leute erkennen und ihre Zukunft voraussagen. Eines Tages beginnt er unvermittelt, wirklich in die Zukunft zu sehen – er kann schlimme Dinge erahnen, die passieren werden.

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Die Polizei glaubt Triton (2. v. l.) seine Geschichte nicht

Diese Bürde und die damit verbundene schuldhafte Verantwortung sind zu viel für seine Schultern. Triton verlässt seine Verlobte Jenny (Virginia Bruce) und seinen besten Freund Whitney Courtland (Jerome Cowan) und lebt über Jahrzehnte isoliert und anonym in der Großstadt. Eines Tages sieht er den Tod von Jennys Tochter Jean (Gail Russell) voraus. Sie und ihr Freund Elliot Carson (John Lund) schenken seiner Warnung keinen Glauben, doch immer mehr seiner Vorhersagen bewahrheiten sich.

Zärtliches Drama

Film noir trifft es im Fall von „Die Nacht hat tausend Augen“ nicht recht, es ist ein ganz wunderlicher, idiosynkratischer Film. Am ehesten kann man vielleicht von einem Mystery-Thriller sprechen, oder auch schlicht von einem zärtlichen Drama.

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Auch Carson (l.) ist skeptisch

Regisseur John Farrow erzählt seinen Film gewissenhaft und genau. In der ersten Hälfte erzählt er mit exzessiv gebrauchten Voice-over die Vorgeschichte seines Protagonisten. Die klug genutzte Stimme aus dem Off gibt die schmerzliche Innensicht auf Triton frei, dessen Gabe eher ein Fluch ist. Schuld und Gewissensbisse treiben Triton zur Flucht vor sich selbst in die Isolation.

Die Perspektive wechselt

Erst in der zweiten Hälfte stößt Farrow den Kriminal-Plot an, der als fesselnde Murder-Mystery inszeniert wird. Spannend zu beobachten ist auch der geschickte Perspektivwechsel, der zwischen den beiden Filmhälften stattfindet. Das Voice-over in der ersten Hälfte versetzt den Zuschauer in Tritons Perspektive, wohingegen die zweite Filmhälfte aus der Perspektive der Polizei, beziehungsweise Carsons Perspektive erzählt ist, also einer der Fähigkeiten Tritons gegenüber kritischen Sichtweise, sodass der Zuschauer vor die Wahl gestellt wird.

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Dennoch wird Jean unter Bewachung gestellt

Ganz grandios ist Edward G. Robinson, der still und leise spielt, von tiefer Trauer ergriffen. Sein tragisches Schicksal, dem er nicht entfliehen kann und das Farrow zu einem konsequent negativen Ende führt, erinnert dann doch wieder an den Film noir.

„Die Nacht hat tausend Augen“ ist ein wunderbarer Film. Erfreulich, dass er in der Koch Media Film noir Collection endlich bei uns veröffentlicht worden ist.

Die Film Noir Collection von Koch Media:

01. Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia, 1946)
02. Spiel mit dem Tode (The Big Clock, 1948)
03. Schwarzer Engel (Black Angel, 1946)
04. Desert Fury – Liebe gewinnt (Desert Fury, 1947)
05. Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
06. Du und ich (You and Me, 1938)
07. Der General starb im Morgengrauen (The General Died at Dawn, 1936)
08. Der Mann mit der Narbe (Hollow Triumph, 1947)
09. Ausgestoßen (Odd Man Out, 1947)
10. Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, 1947)
11. Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, 1990)
12. Schritte in der Nacht (He Walked by Night, 1948)
13. Detour – Umleitung (Detour, 1945)
14. Das schwarze Buch (Reign of Terror aka The Black Book, 1949)
15. Zeuge gesucht (Phantom Lady, 1944)
16. Unter Verdacht (The Suspect, 1944)
17. Der unheimliche Gast (The Uninvited, 1944)
18. Ministerium der Angst (Ministry of Fear, 1944)
19. Die Killer (The Killers, 1946)
20. Opfer der Unterwelt (D.O.A., 1950)
21. Die Nacht hat tausend Augen (Night Has a Thousand Eyes, 1948)
22. Der gläserne Schlüssel (The Glass Key, 1942)
23. Casbah – Verbotene Gassen (Casbah, 1948)
24. Die Narbenhand (This Gun for Hire, 1942)
25. Die rote Schlinge (The Big Steal, 1949)

Veröffentlichung: 14. Mai 2015 als DVD

Länge: 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Night Has a Thousand Eyes
USA 1948
Regie: John Farrow
Drehbuch: Barré Lyndon, Jonathan Latimer, nach dem Roman von Cornell Woolrich
Besetzung: Edward G. Robinson, Gail Russell, John Lund, Virginia Bruce, William Demarest, Richard Webb, Jerome Cowan, Onslow Stevens
Zusatzmaterial: Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

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