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Frank – Der Mann unter dem Pappmaschee-Kopf

26 Aug

Frank-Plakat

Frank

Kinostart: 27. August 2015

Gastrezension von Simon Kyprianou

Tragikomödie // Frank (Michael Fassbender) ist der Kopf der experimentellen Indie-Band „Soronprfbs“ und hat die Angewohnheit, seinen Kopf mit einer großen Pappmaschee-Maske zu bedecken, die er nie abnimmt. Als eines Tages der Keyboarder der Band ausfällt, muss Ersatz her. So stößt der junge Jon (Domhnall Gleeson) zur Band. Gemeinsam ziehen sie in eine Waldhütte nach Irland, um Musik zu machen. Das artet aus: In einer einjährigen Kreativphase arbeiten die Band und besonders Frank mit Besessenheit und Perfektionismus an ihrem Sound. Am Ende steht dann ein großer Gig bei einem Festival bevor.

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Die Band begibt sich zum Üben in die Abgeschiedenheit … (Foto: Lorey Sebastian)

„Frank“ ist vor allem gelungenes Schauspielerkino. Domhnall Gleeson, der spätestens seit „Ex Machina“ kein Geheimtipp mehr ist, ist ganz wunderbar. Maggie Gyllenhaal sowieso, aber ganz besonders brillant ist Michael Fassbender, der nach dem kürzlich gestarteten „Slow West“ schon seine zweite Glanzleistung in diesem Kinojahr zeigt. Die meiste Zeit über ist sein Spiel natürlich aufgrund der Maske eingeschränkt, doch es gelingt ihm, das Wegfallen der Mimik mit seiner Stimme und seiner Gestik zu kompensieren und seine Figur lebendig auszugestalten. Frank und seine Bandmitglieder werden liebevoll als Außenseiter, als ewig Missverstandene inszeniert.

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… um dort zu musizieren und an ihrem Sound zu arbeiten (Foto: Jonathan Hession)

Der Film ist ganz wunderbar, solange er schlicht den eigensinnigen, schrulligen Frank und seine Freunde porträtiert, den Freunden dabei zusieht, wie sie im Rausch der Euphorie vor sich hinmusizieren, wenn er einfach nur das hibbelige, sprudelnde kreative Schaffen zeigt. Am Ende aber, wenn die Maske sogar auch mal abgenommen wird, versucht der Film zu psychologisieren, leider mit ganz arger Küchenpsychologie. Die so herrlich unberechenbare und lebendige Figur des Frank wird auf diese Weise demontiert, da verliert die Tragikomödie an Qualität. Der Reiz wird der Figur genommen, und das nimmt auch dem Film viel von seinem Reiz. Statt der Figur, dem Menschen Frank die Unerklärbarkeit zu lassen, einzugestehen, dass man seinen Charakter nicht vereinfachen und nicht verstehen kann, versucht sich Regisseur Leonard Abrahamson auf den letzten Metern an biederen Erklärungsversuchen. Sehr schade.

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Die wunderlichen Außenseiter fügen sich zu einer Ersatzfamilie zusammen (Foto: Jonathan Hession)

Michael Fassbender bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

The Counselor (2013)
12 Years a Slave (2013)
Frank (2014)
X-Men – Zukunft ist Vergangenheit (2014, Kino)
X-Men – Zukunft ist Vergangenheit – Rogue Cut (2014, Heimkino)
Macbeth (2015)
Slow West (2015)
Steve Jobs (2015)
Assassin’s Creed (2016)
The Light Between Oceans (2016)
X-Men – Apocalypse (2016)

Länge: 95 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Frank
GB/IRL/USA 2014
Regie: Leonard Abrahamson
Drehbuch: Jon Ronson, Peter Straughan
Besetzung: Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllenhaal, Paul Butterworth, Phil Kingston, Scoot McNairy, François Civil, Carla Azar, Mark Huberman
Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Weltkino Filmverleih GmbH

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