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Straight Outta Compton – Fuck tha Police!

27 Aug

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Straight Outta Compton

Kinostart: 27. August 2015

Gastrezension von Anja Rohde

Musik-Drama // Es verwundert, dass die Geschichte um die Rapper N.W.A erst jetzt verfilmt wurde. Die Crew und ihre Platten gelten als Meilensteine des Hip-Hops, zwei der ehemaligen Mitglieder sind mittlerweile Musik-Millionäre. Diese beiden, Ice Cube und Dr. Dre, haben nun auch hier ein paar Dollar in die Hand genommen, um den Film mitzuproduzieren – und damit ein gutes Händchen bewiesen: „Straight Outta Compton“ entwickelt sich in den zwei Wochen, die er jetzt in den USA läuft, zum Kassenschlager.

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Eazy-E singt den ersten Song ein

In Compton, einem Vorort von Los Angeles, wachsen Jugendliche in den Achtzigerjahren mit Drogen, Gewalt und Wut auf, Wut auf eine weiße Mehrheitsgesellschaft und rassistische Polizeiwillkür. Dr. Dre (Corey Hawkins), Ice Cube (O’Shea Jackson jr.), DJ Yella (Neil Brown jr.), MC Ren (Aldis Hodge) und Eazy-E (Jason Mitchell) setzen ihre Wut in Musik und Texte um, denen man den Aufkleber „Explicit Lyrics“ zu Recht verpassen kann. Ihr Debütalbum „Straight Outta Compton“ (1988) markiert den Start der Gangsta-Rap-Ära; sowohl die kritischen Texte als auch der kraftvolle Sound sind fürs Hip-Hop-Genre bahnbrechend.

Darsteller bestechen durch Spiel und Aussehen

„Straight Outta Compton“ beobachtet den Aufstieg und Fall der Crew von 1986 bis 1995. Zeigt der erste Teil die Entstehung der Gruppe als gemeinsame Reaktion auf die immer wieder thematisierte Polizeigewalt (auch direkt gegenüber N.W.A), fokussiert die Story im zweiten Teil auf die Probleme des Musikbusiness. Die ungleiche Verteilung des eingespielten Geldes und Unstimmigkeiten über Verträge machen aus Freunden bald Feinde.

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Dr. Dre an den Turntables

Als Kinogängerin ist es schon nicht schlecht, wenn man solche Art Musik mag. Die Konzertszenen sind großartig inszeniert und erzeugen Gänsehaut, wie man sie sonst nur live erlebt. Aber auch wenn man kein Hip-Hop-Fan ist, wird man dem Film etwas abgewinnen können, denn die Casting-Abteilung hat ganze Arbeit geleistet. Dass die Protagonisten ihren realen Vorbildern täuschend ähnlich sehen, ist das eine, dass sie auch noch eine beeindruckende schauspielerische Leistung hinlegen – Respekt!

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Texter Ice Cube hat was zu sagen

Ice Cube wird von seinem eigenen Sohn gespielt, ok, da ist die Ähnlichkeit nicht verblüffend, aber auch die anderen Crewmitglieder beeindrucken durch Authentizität. Paul Giamatti spielt gewohnt versiert den Manager Jerry Heller, den man erst mag, weil er als Weißer seine schwarzen Kunden verteidigt, dann missbilligt, weil er zu den finanziellen Streitigkeiten innerhalb der Gruppe beiträgt.

Legendenpflege statt lückenloser Dokumentation

Drei Tipps, um sich an „Straight Outta Compton“ rückhaltslos zu erfreuen: Erstens: Unbedingt die Originalfassung sehen! Die Gettosprache lässt sich schlicht nicht ins Deutsche übertragen. Ein kurzer Blick in die deutschen Trailer zeigt: „Bereit für den Scheiß?“, „Ich hab ‘nen heftigen Beat!“, „Krasser Scheiß!“ – das geht gar nicht.

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Manager Heller will nur das Beste – aber für wen?

Zweitens: Nicht alles hundertprozentig ernst nehmen! Wie jeder Hollywoodfilm lässt der Film Fakten weg, schönt hier und da ein bisschen, verdreht die Realität, damit’s besser aussieht. Das darf ein Film: ein Denkmal setzen, die Legende polieren. Wer die harten Fakten wissen will, wird im Internet fündig.

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Schnell füllen N.W.A die Konzerthallen

Drittens: Die feministische Brille zu Hause lassen! Es gibt ein paar besorgte Mütter und es gibt ein paar Freundinnen, die sich mit Verträgen viel besser auskennen als die Jungs – aber vor allem gibt es nackte Haut, Brüste, Hintern, in allen Farben der Bikinimode oder auch mal ganz unbekleidet in die Kamera geschwenkt. Partygirls am Swimmingpool, Groupies im Hotelzimmer – Pussies, keine Women.

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Gegner qua Definition: Gangsta-Rapper und Polizei

Bekanntermaßen sind die Texte der N.W.A nicht nur polizei-, sondern auch frauenfeindlich – die Frage ist allerdings, inwiefern man diese Tatsache dann auch so übertrieben (und kritiklos) auf die Leinwand bringen muss. Vielleicht liegt’s an den Produzenten? Zudem mehren sich kritische Stimmen, dass die Gewaltausbrüche Dr. Dres gegenüber Frauen keinerlei Eingang in den Film fanden. Kann man weglassen, siehe oben. Dann kann man aber vielleicht auch auf die eine oder andere Popo-Schüttelei verzichten.

„Fucking rap music!“ – „Fucking disgrace.“

Die zweieinhalb Stunden sind überraschend schnell rum. Es gibt viel zu erzählen und gute Musik zu hören. Musik, die zwar nicht mehr ganz up to date ist, deren Inhalte aber nach wie vor erschreckend aktuell sind. Polizeiwillkür gegen Schwarze ist leider auch heute noch ein Thema in den USA – und „Fuck tha Police“ der richtige Sound dazu. Musik ist Protest, ist Sprachrohr, ist Ventil. Damals wie heute.

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Erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen den Originalen und ihren Darstellern

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Paul Giamatti sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 147 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Straight Outta Compton
USA 2015
Regie: F. Gary Gray
Drehbuch: Jonathan Herman, Andrea Berloff
Besetzung: O’Shea Jackson jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell, Paul Giamatti, Neil Brown jr., Aldis Hodge, Marlon Yates jr., R. Marcos Taylor, Carra Patterson, Alexandra Shipp
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Anja Rohde

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

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