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Wider die Doppelresidenz-Gegner

06 Sep

Muetterlobby-Pamphlet

Replik auf eine Wechselmodell-Schmähschrift der Mütterlobby

Familie // Doppelresidenz – was ist das? Ganz einfach: Kinder, die nach der Trennung ihrer Eltern im Doppelresidenzmodell aufwachsen, leben nach einem bestimmten, festgelegten oder flexiblen Turnus in zwei Hauptwohnsitzen (nicht melderechtlich, aber de facto), zum einen bei der Mutter, zum anderen beim Vater. Dieses Modell wird auch – etwas ungenauer, aber prägnanter – Wechselmodell genannt. Dem Doppelresidenzmodell gegenüber steht das Residenzmodell, bei dem das Trennungskind nur einen Lebensmittelpunkt hat – mehrheitlich bei der Mutter – und das andere Elternteil deutlich seltener sieht, bisweilen nur an jedem zweiten Wochenende plus Urlaub, in vielen Fällen kaum noch oder überhaupt nicht mehr.

Im Oktober 2013 hat ein Verein namens Mütterlobby e. V. ein Schriftstück veröffentlicht, das sich mit den Vor- und Nachteilen – vornehmlich den Nachteilen – des Doppelresidenzmodells für Trennungskinder befasst. Es trägt den Titel Das Betreuungswechselmodell – neuer Trend im Familiengericht und zieht das Fazit, das Modell dürfe überhaupt keinen Eingang in die Rechtsprechung bekommen.

Fachbuch von Hildegund Sünderhauf wird vollständig ignoriert

Sonderbar an diesem Schriftstück ist allein die Tatsache, dass darin ein zwei Monate zuvor veröffentlichtes Buch nicht vorkommt: Im August 2013 hat die Nürnberger Juristin Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf ein Standardwerk mit dem Titel Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis – Abwechselnde Kinderbetreuung durch Eltern nach Trennung und Scheidung vorgelegt. Dieses mehr als 900 Seiten fassende Buch beleuchtet sowohl juristische als auch psychologische Aspekte des Doppelresidenzmodells, fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen und ist als klares Plädoyer dafür zu werten.

Selbstverständlich sind andere Meinungen legitim, niemand ist gezwungen, Frau Sünderhaufs Auffassungen zu folgen. Wer allerdings im Oktober 2013 ein Plädoyer gegen das Modell veröffentlicht und dieses zu dem Zeitpunkt in allen beteiligten Institutionen heiß diskutierte Buch dabei so konsequent ignoriert, wie es die Mütterlobby in ihrem Schriftstück tut, disqualifiziert sich allein dadurch als ernstzunehmender Gesprächspartner zum Thema. Im Klartext: Weder Frau Sünderhauf noch ihr Buch werden in dem Positionspapier der Mütterlobby an irgendeiner Stelle auch nur erwähnt.

Aber da es zum einen sinnvoll ist, die Argumente seiner Gegner zu kennen, und zum anderen nicht auszuschließen ist, dass der Mütterlobby-Text bedenkenswerte Ansätze enthält, will ich mich trotzdem ausführlich damit auseinandersetzen. Besser spät als nie – seit Ende 2013 hat sich in meinem Leben so viel ereignet, dass ich nun erst wieder dazu gekommen bin, mich mit dem Positionspapier zu befassen.

Als würden Kinder im Wechselmodell umziehen

Der Text beginnt mit der Anmerkung, es sei eine merkwürdige Vorstellung, jede Woche den Wohnort zu wechseln, die Tasche zu packen und mehrmals im Monat umzuziehen. Es geht also sofort mit einer schlicht falschen Darstellung los. Kinder im Wechselmodell ziehen nicht um! Sie leben bei Mama und bei Papa und schlafen mal unter dem einen Dach, mal unter dem anderen. Sie leben in zwei Kinderzimmern. Verlassen sie für eine Weile das eine, um im anderen zu spielen, zu lernen und zu schlafen, so ist das kein Umzug. Diese Kinder müssen auch keineswegs regelmäßig Koffer packen, weil bei Wechselmodell-Eltern in der Regel beide Wohnsitze mit allen für die Kinder wichtigen Dingen ausgestattet sind, inklusive vollwertiger Kinderzimmer. Bei meinen Zwillingstöchtern sind außer den Schulsachen und der Kleidung am Leibe lediglich die Kuscheltiere existenziell. Da wird nicht gepackt!

Für Trennungskinder ist vieles merkwürdig

Aber in der Tat: Es ist eine merkwürdige Vorstellung. Sie ist ebenso merkwürdig wie die Vorstellung, dass ein Kind von heute auf morgen nicht mehr mit seinem Papa (oder seiner Mama) unter einem Dach lebt. Sie ist ebenso merkwürdig wie die Vorstellung, dass ein Kind womöglich nur zweimal im Monat für zwei oder drei Tage mit seinem Papa (oder seiner Mama) unter einem Dach schläft. Sie ist ebenso merkwürdig wie die Vorstellung, dass ein Kind seinen Papa nach der Trennung der Eltern womöglich gar nicht mehr trifft, weil die Mama mit Sack und Pack in eine andere Stadt gezogen ist, um den Kerl aus ihrem eigenen Leben und dem Leben ihres Kindes zu verbannen, oder weil der Papa keinen Grund sieht, sich um seinen Nachwuchs zu kümmern (beides gleichermaßen verwerflich). Sie ist ebenso merkwürdig wie die Vorstellung, dass ein Kind ein Elternteil womöglich überhaupt nicht kennt.

Trennungen der Eltern sind für das kindliche Gemüt ein merkwürdiger und traumatischer Einschnitt. Welche Trennungsfolgen und Umgangsformen für Kinder merkwürdiger sind als andere, darüber sollte ein Verein mit dem bezeichnenden Namen Mütterlobby ganz sicher nicht die Deutungshoheit haben.

Vor der Trennung gleich nach der Trennung?

Die Mütterlobby argumentiert in der Folge, da doch vor der Trennung in den meisten Beziehungen der Mutter der Hauptanteil der Betreuung obliege, sei es recht und billig, dass dies auch nach der Betreuung der Fall ist. Auch dies ist erst einmal nur eine unbelegte Behauptung, zitiert nach Malte Welding, einem Journalisten der Berliner Zeitung. Dann will ich dem Verein die an sich selbstverständliche Pflicht korrekter Quellenangabe mal nehmen und den Beitrag selbst verlinken.

Welding fragt in seinem Artikel: Wenn es aber kein Problem für das Kindeswohl ist, wenn der Nachwuchs während der Ehe ausschließlich von der Mutter erzogen wird, warum ist dann nach der Trennung auf einmal der Vater unerlässlich?

Es ist eine rhetorische Frage, die sich die Mütterlobby flugs zu eigen gemacht hat. Sie ist jedoch polemisch. Es soll vorkommen, dass selbst in Familien, in denen der Vater das Einkommen vollständig beisteuert und die Mutter überhaupt nicht berufstätig ist, der Vater seine Kinder miterzieht und eine tiefe Beziehung aufbaut. Zwar mag bei dieser Aufgabenverteilung die Beziehung der Mutter zu den Kindern intensiver sein. Aber ist das ein Argument, dies nach der Trennung zwangsläufig beizubehalten?

Nach der Trennung die Karten neu mischen

Ein Vater mit Vollzeit-Arbeitswoche sieht seine Kinder in der Regel dennoch oft täglich. Ein Trennungsvater mit zwei Besuchs-Wochenenden pro Monat hingegen … Ein Trennungsvater, dessen Ex-Partnerin mit den Kindern womöglich in einen anderen Ort gezogen ist … Will sagen: Nach der Trennung werden die Karten neu gemischt. Es ist unstrittig, dass eine intakte und tiefe Beziehung der Kinder zu beiden Elternteilen die traumatischen Trennungsfolgen abmildert. Dem ist Rechnung zu tragen – von Müttern wie von Vätern. Das muss nicht zwangsläufig in ein 50:50-Doppelresidenzmodell münden. Auch eine nicht ganz paritätische Verteilung mag die Lösung sein, sogar ein Residenzmodell, wenn denn gewährleistet ist, dass das Elternteil ohne Hauptumgang ausreichend Anteil am Leben der Kinder hat – es ist selbst ebenso in der Pflicht, dafür zu sorgen, wie das andere Elternteil in der Pflicht ist, das zuzulassen und zu fördern. Das Doppelresidenzmodell aber von vornherein abzulehnen, wie die Mütterlobby es mit der fadenscheinigen Einschränkung im Falle der Ablehnung eines Elternteils tut (dazu später mehr), ist schlicht unseriös.

Es geht ums liebe Geld

Die Mütterlobby beschäftigt sich in der Folge mit den Finanzen und fragt: Wer profitiert vom Wechselmodell? Der gesamte Absatz entlarvt die Intention: Der Vater soll zahlen, die Mutter das Geld einsacken. Lobbyismus in Reinkultur, so arbeiten nun mal Lobbyisten. Ich will gar nicht auf die genannten Zahlen eingehen, sie mögen korrekt sein. Profitieren von Leistungen zum Kindesunterhalt sollen einzig und allein die Kinder. Die Mütterlobby jedoch schreibt tatsächlich von Beträgen, die der Mutter hingegen fehlen. Ja, wo sind wir denn? Seit wann ist Kindesunterhalt Geld der Mutter? Wenn der Vater seinen Anteil am Kindesunterhalt leistet, indem er die Kinder selbst betreut und dafür eine Wohnung mit Kinderzimmer bereitstellt, die Kinder ernährt und einkleidet und sich mit der Mutter darüber hinaus anfallende Sonderausgaben teilt (Fahrräder, Schulranzen, Klassenreisen seien beispielhaft genannt), ist doch alles in Ordnung?! Wo fehlt dann der Mutter Geld?

Für manche Mütter überraschend: die Pflicht zur Erwerbstätigkeit

Die Mütterlobby ignoriert in diesem Zusammenhang ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 2011, nach dem auch Alleinerziehenden Vollzeitarbeit zumutbar ist, sobald das Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat. Das mutet zwar etwas hart an, wenn es dem Elternteil ohne Hauptbetreuung (mehrheitlich der Vater) doch viel leichter fällt, in Vollzeit zu arbeiten. Aber wenn nun der Vater schon die Betreuung in Form des Wechselmodells anbietet und es damit seiner Ex-Partnerin erleichtert, in Vollzeit zu arbeiten – was ist dagegen einzuwenden?

Weiter im Text, ich zitiere aus dem Mütterlobby-Positionspapier: Das Wechselmodell ist für beide Familienteile gesamt gesehen deutlich teurer als das Residenzmodell.

Keine Frage, zwei Kinderzimmer für ein Kind sind teurer als eines. Einige – nicht alle – Ausstattungsteile werden doppelt angeschafft werden müssen. Der Vergleich ist aber als Argument gegen das Doppelresidenzmodell unzulässig. Wenn es sich denn für das Trennungskind im individuellen Fall als bestmögliche Umgangsregelung herauskristallisiert, wer will dann ernsthaft die Kosten als Gegenargument heranziehen? Es entsteht der Verdacht, der Mütterlobby gehe es nur um die Mütter, weniger um die Kinder.

Düsseldorfer Tabelle kritisch hinterfragen

Frage am Rande: Wie soll ein Vater, der sein Kind zu beispielsweise 30 Prozent bei sich betreut, aber der Mutter den vollständigen Kindesunterhalt gemäß Düsseldorfer Tabelle zahlen muss, in seiner Wohnung ein vollwertiges Kinderzimmer finanzieren? Dass die Düsseldorfer Tabelle nicht zeitgemäß ist und dringend der Überarbeitung wenn nicht gar Abschaffung bedarf, ist ein Thema für sich.

Das Positionspapier zitiert im Kontext der Finanzen Prof. Dr. Kirsten Scheiwe von der Universität Hildesheim. Allerdings nennt die Wissenschaftlerin eine Grundlage ihrer Argumentation, die fragwürdig erscheint: Regelungen des Steuer- und Sozialrecht passen nicht zum ‚Wechselmodell‘, wenn davon ausgegangen wird, dass das Kind nur einen ‚Lebensmittelpunkt‘ haben kann und sich nur bei einem Elternteil in Obhut befinden kann. Woher hat Frau Scheiwe diese Erkenntnis? Ich räume ein: Sie ist nicht die Einzige, die so denkt. Eine Begründung wird dabei selten mitgeliefert.

Zwei Lebensmittelpunkte – warum nicht?

Es ist mitnichten davon auszugehen, dass das Kind nur einen Lebensmittelpunkt haben und sich nur bei einem Elternteil in Obhut befinden kann. Wie wäre es, wenn man einfach mal von gar nichts ausgeht und ohne Scheuklappen schaut, was wirklich geht? Weshalb soll ein Kind nicht zwei Lebensmittelpunkte haben und sich bei beiden Elternteilen in Obhut befinden können? Ob das Doppelresidenzmodell eine Lösung ist, hat stets eine Einzelfallbetrachtung zu ergeben und keine pauschale Ablehnung.

Kommen wir zu Annika S.: Im Positionspapier schildert sie ihre Situation. Der Vater ihrer Kinder verdiene 15 Mal mehr als sie. Sie selbst schufte sich ab, könne nur gebrauchte Sachen kaufen, während bei Papa die Jacke auch schon mal 300 Euro kosten dürfe. Urlaubsflüge seien nur mit Papa möglich.

Die ominöse Annika S.

Wer ist diese Annika S.? Ist sie ein Mensch aus Fleisch und Blut, Mitglied der Mütterlobby? Ist sie ein fiktiver Einzelfall, ersonnen aus Schilderungen vieler Mitglieder des Vereins und damit repräsentativ? Es bleibt das Geheimnis der Mütterlobby.

Gegenbeispiel: Thomas S. Er betreibt mit der Mutter seiner Kinder das Doppelresidenzmodell und verdient deutlich mehr als sie. Daher trägt er selbstverständlich stärker zum Unterhalt der Kinder bei als seine Ex-Partnerin, indem er ihr monatlich einen Betrag x als Barunterhalt für die Kinder überweist – zusätzlich zu der Unterhaltsleistung, die er erbringt, indem er die Kinder versorgt, wenn sie bei ihm sind, inklusive Kinderzimmer, Ernährung, Kleidung etc. Gelegentlich muss Thomas mehr arbeiten, daher sind seine Kinder im Einzelfall auch mal einen Tag länger bei ihrer Mutter. Deshalb ist es für ihn selbstverständlich, dass er bei Sonderausgaben großzügig ist. Die Fahrräder beispielsweise hat er vollständig bezahlt, auch die Schulranzen.

Lügen beim Thema Kindesunterhalt

Wer ist dieser Thomas S.? Ganz einfach: Ich hab’ ihn mir ausgedacht. Gibt es Väter wie ihn? Sicher, daran besteht kein Zweifel. Was den zusätzlichen Barunterhalt angeht, besteht übrigens ebenfalls kein Zweifel: Er wird im Doppelresidenzmodell vom besserverdienenden Elternteil geleistet. So ist die Rechtslage: Selbst wenn es ein Doppelresidenzmodell mit einer Aufteilung der Betreuung von 50:50 gibt, so hat das besserverdienende Elternteil dennoch einen finanziellen Ausgleich zu leisten. Sonderbar, dass man davon im Positionspapier der Mütterlobby nichts liest. Im Gegenteil, besagte Annika S. darf schreiben: Durch das Wechselmodell muss er keinen Unterhalt zahlen. Das ist schlicht gelogen.

Von Gutachtern an Familiengerichten

Im Anschluss an die tendenziöse und wahrheitswidrige Stellungnahme von Annika S. – sei die Dame nun fiktiv oder real – beleuchtet die Mütterlobby die „Situation vor dem Familiengericht“. Scharf kritisiert wird hier das Problem der Gutachter, die in der Regel weder kinderpsychologisch ausgebildet noch überhaupt ausreichend qualifiziert seien. Dennoch würden sich die Richter in ihren Entscheidungen zu etwa 80 Prozent darauf beziehen.

Erneut wird ein Einzelfall beleuchtet: der von Sabine A. Erneut bleibt offen, ob diese Sabine A. tatsächlich existiert. Was der Fall von Sabine A. bezüglich des Wechselmodells belegen soll, bleibt vage. Es geht um eine Gutachterin, die dem Gericht entgegen aller Erkenntnisse in diesem Einzelfall ein Wechselmodell empfahl. Was jedoch ein fragwürdiges Gutachten mit dem Für und Wider der paritätischen Doppelresidenz zu tun haben soll, bleibt offen.

Gutachter sind doof, holen wir uns Gutachter

Komplett absurd gerät das Ganze, wenn die Mütterlobby zwar das Gutachter- und Sachverständigenwesen an deutschen Familiengerichten in Bausch und Bogen verdammt, dann aber auf den folgenden 16 Seiten einen Fachartikel zweier Sachverständiger gegen das Wechselmodell veröffentlicht, noch dazu zweier Sachverständiger der GWG – Gesellschaft für wissenschaftliche Gerichts- und Rechtspsychologie München, einer Einrichtung, die schon mehrfach kritisch im Licht der Öffentlichkeit stand, etwa 2008 und 2012.

So ist es eben mit den Gutachten – man kann sich nach Gusto eines mit dem gewünschten Inhalt suchen und sich einen Teufel darum scheren, dass anderswo – etwa bei Frau Sünderhauf – viel mehr Erkenntnisse zusammengetragen worden sind, auch beispielsweise zum Thema des gegen den Willen eines Elternteils angeordneten Wechselmodells.

Das angeordnete Wechselmodell – ein heikles Thema

Dieser Aspekt hat zweifellos besonderes Augenmerk verdient: Wie kann ein paritätisches Doppelresidenzmodell gelingen, wenn sich ein Elternteil so sehr dagegen sträubt, dass es gerichtlich dazu gezwungen werden muss? Das werde ich zu gegebener Zeit einmal gesondert beleuchten.

Neuer Trend an Familiengerichten?

Die Mütterlobby behauptet, es zunehmend zu beobachten, wie das Wechselmodell verordnet wird. In der Tat gibt es ein paar aktuelle Beschlüsse, die das zu bestätigen scheinen, etwa von den Amtsgerichten in Duisburg, Erfurt und Heidelberg. Aber ist das schon ein Trend? Und wenn es einer ist: Ist es ein positiver oder negativer Trend? Ein Schriftstück eines derart einseitig agierenden und argumentierenden Lobbyisten-Verbands wie der Mütterlobby gibt jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass ein solcher Trend negativ zu bewerten ist.

Geld für die Mutter – darum geht es der Mütterlobby

Zum Abschluss des Positionspapiers kommt die Mütterlobby noch einmal auf das liebe Geld zu sprechen: Durch den ausbleibenden Kindesunterhalt muss die Mutter nun je nach Finanzlage des Vaters wesentlich mehr netto verdienen. Offen bleibt einmal mehr, weshalb das ein Argument gegen die paritätische Doppelresidenz sein soll. Wenn dieses Modell nun mal dazu führt, dass das Kind eine intensive und gleichberechtigte Beziehung zu beiden Elternteilen führen kann, dann haben beide Elternteile gefälligst jeden Einsatz dafür zu bringen, wenn sie es schon nicht hinbekommen haben, ein gemeinsam glückliches Elternpaar zu sein.

In ihrem Fazit fordert die Mütterlobby, das Wechselmodell dürfe überhaupt keinen Eingang in die Rechtsprechung bekommen. Nun, glücklicherweise hat es das bereits, wie die oben verlinkten Beschlüsse belegen. Ganz am Ende propagiert die Mütterlobby dann noch: Glückliche Kinder brauchen glückliche Eltern! Gemeint sind mit Eltern aber offenbar nur die Mütter. Auch Väter werden unglücklich, wenn ihre Kinder anderswo leben – das darf jedenfalls auch mal gesagt werden, wie es beispielsweise Andrea Micus in „Väter ohne Kinder – Was für Männer nach einer Trennung auf dem Spiel steht“ tut. Bei einem Verein mit dem Namen Mütterlobby können wir wohl annehmen, dass ihre Mitglieder und Funktionärinnen Trennungskinder ohnehin bei der Mutter verorten und den Vater als Elternteil zweiter Klasse ausmachen. Und dass dieser Verein in irgendeiner Form das Glück der Kinder im Fokus hat, darf bezweifelt werden.

Abschließend verweise ich auf eine weitere, schon etwas ältere Stellungnahme zum Positionspapier der Mütterlobby, in der Lutz R. Bierend in seinem Blog fatherleft die Argumente dieses Pamphlets – man kann es nicht anders nennen – trefflich auseinandergenommen hat.

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

 
8 Kommentare

Verfasst von - 2015/09/06 in In eigener Sache

 

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8 Antworten zu “Wider die Doppelresidenz-Gegner

  1. Sybille Möller

    2015/09/11 at 08:38

    Für viele Mütter ist es schlicht und ergreifend gar nicht möglich, plötzlich im gleichen Maße für den Unterhalt der gemeinsamen Kinder aufzukommen. Viele, die aus einem Einverdienerhaushalt kommen, haben nämlich gar keine abgeschlossene Ausbildung. Sie haben auch nicht die Möglichkeit, einen Arbeitgeber in Wohnortnähe zu finden, der auf die Bedürfnisse eines Wechselmodells eingeht. Viele Mütter stehen nach einer Trennung mit mehreren Kindern vor dem Nichts. Sie können nicht mal umziehen, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, einer Arbeit nachzugehen. Wenn ein Vater in der Ehe drauf bestanden hat, sich ausführlich seiner Karriere zu widmen, und die Mutter deshalb zu Hause bleiben sollte, dann sollte er auch mit den Konsequenzen leben und nicht nach Lust und Laune Frau Sünderhauf zitieren, weil manche Lebensentscheidungen schlicht und ergreifend nicht mehr umzukehren sind, wenn sie das gesamte Leben betreffen. Dies wird von der Väterlobby mitunter komplett unterschlagen, Frauen wird der Vorwurf gemacht, sie sollten endlich Geld verdienen.
    Ich selber bin in so einer Situation – ich habe nach meiner Trennung überhaupt erst eine Ausbildung machen können (der Vater arbeitete Vollzeit und war nebenher noch an diversen wissenschaftlichen Projekten beteiligt, eines davon war mit einer Auslandstätigkeit verbunden). Ich fahre, um das Wechselmodell finanzieren zu können, 100 km zu meiner Arbeitsstelle.
    Der Alltag ist schon für mich anstrengend – an die Kinder und deren Alltag denken fanatische Wechselmodellbefürworter dabei aber oft überhaupt nicht.
    Was dies für unsere Kinder konkret bedeutet:
    Sie waren früher gewohnt, dass die Mutter zu Hause war, wenn sie aus der Kita/der Schule kamen, dass sie Freunde mitbringen konnten, zum Musikunterricht begleitet wurden, mit der Mutter gemeinsam Ausflüge und Hausaufgaben gemacht, ihr Instrument geübt haben u.s.w. Jetzt wechseln sie den Wohnort permanent, werden nirgendwo mehr abgeholt, werden an den Nachmittagen von anderen Personen (den Eltern ihrer Freunde etc.) betreut, weil die Eltern keine Zeit für sie haben. Sie erleben den Verlust der Bindung zur Mutter, an die sie gewohnt waren.
    Väter, die so viel verdienen, dass sie den Einkommensnachteil der Mutter im Wechselmodell ausgleichen und gleichzeitig zwei große Wohnungen für den wechselnden Aufenthalt mehrerer Kinder vorhalten können, gibt es nur äußerst selten. Dies so hinzustellen, als wäre das alles kein Problem und mit einem bisschen guten Willen absolut machbar, ist schlicht eine Lüge.
    Bei uns zahlen die Kinder drauf: Sie haben einen stressigen Alltag, Bindungsverluste, permanente Fremdbetreuung und Einkommensknappheit zu verkraften.
    Ein Wechelmodell kann dann gut funktionieren, wenn beide Eltern vor der Trennung verkürzt gearbeitet und sich in gleichen Teilen um die Kinder gekümmert haben und beide eine wirtschaftlich sichere Existenz haben. Dann ist dies für die Kinder in etwa der Zustand, an den sie gewohnt waren, und sie werden alles dafür tun, um diesen Zustand beibehalten zu können.
    Ein Umkrempeln sämtlicher Lebensentscheidungen nach dem Motto „ich bin das Opfer, weil ich schon immer so viel für die Familie zahlen musste, jetzt soll die Mutter mal zusehen, wo sie bleibt“ schadet den Kindern.

     
    • Fatherleft

      2015/09/11 at 15:51

      Moment, ich versuche gerade mal Ihre Argumente für Männer verständlich um zu formulieren:

      Die Gleichberechtigungsbewegung der Frauen hat jahrzehntelang gekämpft, damit Frauen den gleich Zugriff auf Bildung haben, dass Frauen frei einer Arbeit nachgehen können und die volle Kontrolle über die Familienplanung haben, damit sie eben nicht von Männern abhängig sind, und jetzt ist Ihr Argument gegen das Wechselmodell und die damit auch im Familienrecht Einzug haltende Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, dass das ja nicht ginge, weil einige Frauen nicht in der Lage waren, mit diesen Rechten und Freiheiten verantwortungsvoll umzugehen?

      Und was hätten diese Frauen gemacht, wenn sie keine Kinder bekommen hätten? Oder noch interessanter: Was sollen die Frauen machen wenn die Kinder aus dem Haus sind? Auf deren Kosten leben? Oder soll der entsorgte Ex-Partner dann weiter für ihren Lebensunterhalt aufkommen?

      Was heißt denn das überhaupt, dass der Vater darauf bestanden hat „seiner Karriere nachzugehen“. Haben Sie sich den Mann ausgesucht? Wurden sie mit Waffengewalt gezwungen die Füße still zu halten, nichts für ihre eigene berufliche Entwicklung zu machen? Klar gibt es sicherlich traurige Einzelschicksale, wo der eine ganz und gar unschuldig ist und der andere der Böse ist, der auf allem die Knute hielt. Aber in der Regel gehören meist zwei dazu, eine Beziehung zu gestalten, ebenso wie eine Beziehung gegen die Wand zu fahren. Warum soll die Frau hier diejenige sein, die sich die Rosinen rauspicken darf, und der Mann muss weiter die Familie finanzieren, deren Teil er aber nicht mehr sein soll?

      Tut mir leid, aber Ihr Szenario, ist leider das beste Argument für das Wechselmodell, weil es solchen Müttern die Möglichkeit schafft, sich um eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz zu kümmern, damit Sie irgendwann mal auf eigenen Füßen stehen können und nicht von Altersarmut bedroht sind.

      Auch das Argument, dass es ja keine Arbeitgeber in der Umgebung gäbe, mit denen das Wechselmodell praktizierbarer wäre … Was soll denn die Alternative sein? Das Wechselmodell ist die beste Grundlage für eine vollzeitnahe Beschäftigung. Eine Woche arbeitet man ggf. 30 Stunden, die zweite 40. Und in der 40-Stunden-Woche, wenn das Kind beim Vater ist, kommt keine Krankheit des Kindes dazwischen (wenn doch, ist es Aufgabe des Vaters, eine Lösung zu finden). Für Arbeitgeber ist das Wechselmodell die absolut vorteilhafteste Lösung, wenn sie Mütter mit jungen Kindern beschäftigen. Ich habe das selber Jahrelang im Wechselmodell so betrieben, bis meine Kinder irgendwann komplett zu mir gezogen sind. Geht wunderbar und ich musste auch 15-20 Km zum Job fahren.

      Als ich mein Leben für mich und meinen Sohn mit einer 30-Stunden-Stelle finanziert habe, gab es einfach einen klar getakteten Tagesablauf: 7:30 im Kindergarten abgeben. 8:00 bis 14:00 Arbeiten und Kind um 14:30 aus dem Kindergarten abholen. Da ist in den ersten Schuljahren durchaus die Möglichkeit, mit in die Hausarbeiten zu schauen. Und mein Sohn spielt mittlerweile 4 Instrumente. Und wenn die Kinder vorher gewohnt waren, gleich um 12 Uhr mit Freunden nach Hause zu kommen …

      Schade, aber eine Trennung bedeutet leider Abstriche. Ebenso, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt, wenn man plötzlich zwei Wohnungen mit Kinderzimmer finanzieren muss. Kinder gewöhnen sich durchaus daran. Meine Kinder hatten einen großen Freundeskreis im Kindergarten (den sie teilweise heute noch pflegen). Ab und zu sind sie nach dem Kindergarten mit zu den Freunden gegangen, mal habe ich die Freunde mit zu uns genommen.

      Meine Mutter sagte mal sehr schön: Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Ausreden. Sie scheinen mir eher letzterer Typ zu sein.

      Auch die Tatsache, dass heutzutage die Ehe leider keine ewige Sicherheit mehr bietet, die Kinder in der Familie großzuziehen, ist leider ein Problem, unter dem Väter nicht weniger leiden. Leider werden sie vom Gesetz aufgrund der gesteigerten Erwerbsobliegenheit genötigt, weiterhin eher die Familie zu finanzieren als Arbeit zu reduzieren und als Bezugsperson für die Kinder erhalten zu bleiben. Aber da 70 Prozent der Trennungen von Frauen ausgehen und 50 Prozent der alleinerziehenden Frauen schon zur Geburt nicht mehr mit dem Vater zusammen waren, fehlt mir da etwas das Mitleid, wenn sich hier Probleme für diese Frauen auftun. Wäre das Wechselmodell Standard und das Residenzmodell nicht mehr die bequeme Ausrede zur Untätigkeit, würden sich solche Frauen vielleicht vorweg mal überlegen, im Eigeninteresse und im Interesse der Kinder Verantwortungsbewusst mit den erkämpften Rechten umzugehen.

       
      • Sybille Möller

        2015/09/11 at 21:07

        Ich glaube, in der Frage nach dem Wechselmodell gibt es keine Patentlösung, sondern für jede Familienkonstellation nur eine ganz individuelle Lösungsmöglichkeit.
        Zu der Entscheidung, eine Alleinverdienerehe zu führen, gehören in der Tat zwei, und daher sollten auch beide die Konsequenzen dafür tragen und in der Lage dazu sein, Abstriche zu machen. Wir hatten die Entscheidung zur Einverdienerehe nicht, wie Sie behaupten, deshalb getroffen, weil „die Mutter nicht dazu in der Lage war, mit ihrer neuen Freiheit verantwortungsvoll umzugehen“, sondern aus sehr guten Gründen: Beide Partner sind in der DDR aufgewachsen, beide haben unter dem Stress der Vollzeittätigkeit ihrer Eltern und der dauerhaften Fremdbetreuung entsetzlich gelitten, beide habe ihre Kindheit als absolut stressig erlebt.
        Die Folge dieser Entscheidung war, dass die Mutter zu Hause blieb, aus eigenem Wunsch heraus, und auf Wunsch des Vaters. Die Mutter genießt es jetzt durchaus, langsam in die wirtschaftliche Unabhängigkeit zu kommen. Der Weg ist allerdings äußerst schwer und kompliziert, denn nach der Geburt von mehreren Kindern ist es nun mal nicht möglich, jeden x-beliebigen Traumjob zu bekommen und in gleichem Maße für die Kinder da sein zu können, wie sie es früher gewohnt waren. Die Kinder äußern sich übrigens dahingehend, dass sie die Arbeitsbelastung der Mutter als Bindungsverlust empfinden.

        Das paritätische Wechselmodell ist in diesem Falle kein Kompromiss – die Folgen einer gemeinsamen Entscheidung tragen dann nämlich nur die Mutter und die Kinder, der Vater nicht.

        Ihre Vorschläge gehen in die Richtung, Familien dazu zwingen zu wollen, von Anfang an in gleichem Maße berufstätig zu sein.
        Wir leben aber in keinem totalitären Staat, in dem man den Menschen Lebensentwürfe vorschreibt.
        Mein Vorschlag geht daher in eine andere Richtung:
        Sollten sich zwei Menschen zu Beginn einer Beziehung darauf einigen, dass sie die Kinder zu gleichen Teilen betreuen, dann ist, sofern die Kinder dies wünschen, das Wechselmodell eine gute Variante.
        Sollten sich Eltern zu Beginn der Beziehung auf eine Einverdienerehe einigen oder darauf, dass einer der Partner die Kinder betreut und dafür auf berufliche Sicherheit verzichtet, während der andere Karriere macht, dann ist nach der Trennung das Residenzmodell vorzuziehen, um den Kindern die Bindungen zu erhalten, an die sie gewöhnt sind.
        Es wird, um mit Ihren Worten zu argumentieren, ja auch kein Mann dazu gezwungen, in einer Einverdienerehe zu leben. Auch ein Vater ist erwachsen und hat sich diese Beziehungsform freiwillig gewählt und davon durchaus beruflich profitiert und Vorteile aus seinem beruflichen Ansehen gezogen. Daher sollte er auch mit den Konsequenzen leben können.
        Um Ihre Argumentation fortzuführen: Wenn es gesetzlich so festgelegt wäre, dass die Betreuungsform vor der Trennung auch nach der Trennung aufgrund der Bindungen der Kinder möglichst beibehalten wird, könnten sich ja Väter vorher überlegen, ob sie überhaupt Karriere machen oder nicht lieber halbtags arbeiten und die Kinder mitbetreuen, damit sie im Falle der Trennung mit ihren Kindern im Wechselmodell leben können. Das wäre zumindest konsequent gedacht.

        Ihre Vorschläge hinsichtlich der Arbeitszeitverteilung muten äußerst realitätsfern an. Wahrscheinlich konnten Sie während der Beziehung zur Mutter Ihrer Kinder Ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene bringen. Sie haben einen Job, bei dem Sie sich Ihre Zeit frei einteilen können. Das ist aber bei den wenigsten Jobs so. Ihnen fehlen die Erfahrungen, die Mütter machen, die in strukturschwachen Gebieten wohnen und aus Einverdienerehen kommen. Da mangelt es nicht am Willen, sondern schlicht und einfach an den Möglichkeiten (ich spreche aus Erfahrung).

        Viele Mütter aus Einverdienerehen bringen anfangs kaum Erfahrungen im Beruf mit und sind in einem Alter, in dem es schwierig wird, überhaupt noch einen Job als Berufseinsteigerin zu bekommen. Dann noch den Arbeitgeber dazu zu bewegen, auf den Wunsch nach wechselnden Arbeitszeiten einzugehen, ist eine Utopie. Zudem gibt es unzählige Berufe, in denen man gar nicht die Möglichkeit hat, sich seine Zeit individuell einzuteilen (denken Sie an all die Lehrerinnen und Erzieherinnen – ein Stundenplan wechselt nicht wöchentlich). Ist aufgrund der beruflichen Situation eine freie Zeiteinteilung nicht möglich, leiden nämlich die Kinder – die Mutter kann die Zeiten nicht „vorarbeiten“ und ist in der Zeit, in welcher die Kinder bei ihr sind, genauso vollbeschäftigt, wie in der Zeit, in der die Kinder beim Vater sind.

        Väter aus Einverdienerehen haben meistens die Möglichkeit, sich ihren Beruf frei wählen zu können – Mütter aus Einverdienerehen müssen das nehmen, was übrig bleibt. Dies sind schon äußerst ungünstige Voraussetzungen für „Parität“ und „Gerechtigkeit“, finden Sie nicht?

        Zu ihrer Frage „Wie dann?“ Natürlich sollte sich keiner „die Rosinen rauspicken“, weder der Vater, noch die Mutter (dabei stellt sich nur die Frage: Was sind für Sie „die Rosinen“? Warum ist der Vater nicht schon früher auf die Idee gekommen, sich an der Kindererziehung zu beteiligen? Warum erst nach der Trennung?) Natürlich sollte sich eine Mutter neben den Kindern ein eigenes Leben aufbauen und sich beruflich entwickeln können. Dies geht aber nur, wenn der Vater der Kinder seine Verantwortung für die Gesamtsituation auch sehen kann und auch nach der Trennung kompromissfähig bleibt, die Bindungen der Kinder zur Mutter anerkennt und finanziell für das aufkommt, was die Mutter aufgrund des ehebedingten Nachteils nicht in der Lage ist zu leisten, bis sie sich beruflich etabliert hat.
        Leider sehen das viele Wechselmodellbefürworter jedoch ganz anders, wie man in den unzähligen Väterforen des Internets lesen kann.

         
      • Fatherleft

        2015/09/14 at 09:06

        Ich fordere natürlich mitnichten Eltern zu dem einen Modell oder dem anderen zu zwingen.

        Allerdings ist es für Väter die logische Konquequenz, von vornherein zu fordern, dass sich beide gleichmäßig kümmern und Geld verdienen, wenn im Fall des Scheiterns der Beziehung ein Gewohnheitsrecht der Mutter generiert werden soll. Nach dem Motto: Er hat doch vorher das Geld verdient, dann soll er das auch nachher tun. Wenn er es vorher tut, tut er das unter einer speziellen Prämisse: Er ist Teil der Familie, für die er er sich den Rücken krumm macht. durch die Trennung fällt die Prämisse (zumindestens im Wunschdenken einiger Mütter) weg.

        Wenn man Familien die Freiheit lassen will, in dem Vertrauen, dass die Beziehung vielleicht ewig hält und man die Kinder gemeinsam groß zieht (denn noch einmal: Innerhalb der Familie ist auch der familienfinanzierende Vater wichtige Bezugsperson für das Kind), sich auf eine Rollerverteilung einzulässt, dann muss es aber, wenn die Prämisse, die zu der Entscheidung geführt hat, wegfällt, möglich sein, das Modell zu ändern. Immerhin werden 70 Prozent der Trennungen von den Frauen eingeleitet, und das nicht nur, weil der Partner fremdgegangen ist.

        Damit erübrigt sich auch die Frage warum sich der Vater sich nicht früher eingebracht hat. Die haben sie mit ihrem Fall doch wunderbar beantwortet. Zur Gestaltung einer Beziehung gehören genauso zwei wie zu ihrem Scheitern.

        Natürlich kann ich ihre Unterstellung gut nachvollziehen, ich hätte vermutlich bei mir einfach die Schäfchen vor der Trennungs schnell ins Trockene gebracht. Das ist vielleicht auch einfacher, als sich einzugestehen, dass man selber unfähig oder unwillig ist, aber ich kann sie beruhigen: Das habe ich nicht, denn ich bin von der Trennung überrascht worden, wie 70 Prozent der Trennungsmänner.

        Ich habe dann nur einiges in Bewegung gesetzt um dieses Modell umzusetzen und es hat mich einiges an Geld gekostet – wie die meisten Väter in vergleichbaren Situation, die teilweise fünfstellige Beträge in Rechtstreitigkeiten stecken müssen, während die Mutter sich das via PKH von der Allgemeinheit finanzieren lässt. Ich hätte das Geld auch lieber in die Erziehung meiner Kinder oder einen netten Urlaub mit ihnen gesteckt.

        Bei mir ist noch nicht einmal viel Geld in Gerichtskosten gewandert, aber da ich 2001 noch gegen ein sehr Vater- und Wechselmodell-feindliches Familienrecht agieren musste, ist das Geld in die Schaffung der Umstände geflossen, damit ich mir gar nicht erst du inquisitorischen Fragen von Jugendamt und Familiengericht anhören musste, als ich meinen Sohn zu mir zurückgeholt habe. Von da an war die Mutter plötzlich sehr offen für ein Wechselmodell.

        Wie gesagt: Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet ausreden.

        Nebenbei bemerkt finde ich es immer faszinierend, wenn Mütter bei Diskussionen zum Wechselmodell immer feststellen, dass es keine Patentlösungen im Sorgerecht gebe, sondern es immer eine Einzelfallbetrachtung braucht. Komischerweise finden sie die Patentlösung, dass das Kind bei der Mutter bleibt, meist sehr konsensfähig.

        Es geht im Sorgerecht nie um Patentlösungen. sondern um Standardlösungen, von welchen im begründeten Einzelfall abgewichen werden kann. Nicht jeder Vater will seine Kinder im Wechselmodell bei sich haben und nicht jede Mutter bekommt eine Panikattacke, wenn das Kind die halbe Zeit beim Vater lebt, aber mit der Standardlösung Wechselmodell, werden sich auch von denen, die das nicht tun, enige mit dieser Lösung anfreunden. Und jene, bei denen vermutet werden muss, dass es dem Kind schadet, bei denen soll gern das Gericht entscheiden.

        Ähnlich wie Mütter inzwischen eingesehen haben, dass der Wunsch nach beliebiger Umzugsfreiheit von Gerichten nicht unbedingt als legitimer Grund zum alleinigen Sorgerecht gesehen wird, würde sich vermutlich bei Müttern schnell die Bindungsintoleranz im Zaum halten, wenn der Standard im Familienrecht erstmal Gleichberechtigung der Eltern wäre.

         
  2. cristophs

    2015/09/07 at 21:54

    Wir wollen nicht vergessen, daß die gleichen Mütter, sehr wohl für ein Wechselmodell wären, wenn der Vater nach einer Trennung automatisch die Kinder bekäme.
    Plötzlich würden die unsäglichen „zwei Zuhause“ gar kein Problem mehr darstellen.
    Bei dem ganzen Hin-und Her würde die Wiedersehensfreude überwiegen und die Welt wäre rosarot. Aber es liegt nicht im Wesen dieser speziellen Mütter eine andere Sichtweise zuzulassen.

    Und warum es für die Mütter ein Problem darstellt, daß die Kosten im „gemeinsamen Betreungsmodell“ höher sind als im „Mütterbetreuungsmodell“ erschliesst sich wohl nur dieser Art Mütter selbst.
    Die Kosten sind ja nur auf Seiten des Vaters höher, da er wirklich ALLE Kinderutensilien zusätzlich anschaffen muss.Die meisten Dinge sind jedoch auch bei einem Aufenthalt von 6 Tagen im Monat, bereits in beiden Haushalten vorhanden

    Die Kosten des Kindes im Haushalt der Mutter steigen bei gemeinsamer Beteruung nicht, da bei der Mutter kein Mehrverbrauch entsteht. Im Gegenteil sie müsste theoretisch nur noch an der Hälfte der Tage im Monat für das Kind Kochen,Waschen, Putzen oder das Kind in die KiTa/Schule fahren.
    Niemals müssen die Mütter also MEHR Geld ausgeben, wenn auch der Vater die Kinder häufig betreuen möchte.
    Richtig ist, daß sie nun mehr Zeit für sich und für ihren Job und die Karriere haben.

    Wie selbstverständlich erhebt die „Mütterlobby“ Anspruch auf Zahlungen des Vaters für Kindesunterhalt in voller Höhe!
    Wer Kinder in die Welt setzt, muss diese auch über eine sehr lange Zeit selbst versorgen können.
    Beide Eltern kümmern sich in einem gemeinsamen Haushalt um alle Belange.
    Wird der gemeinsame Haushalt aufgelöst, ist jeder für seinen eigenen Haushalt zuständig.
    Die wenigsten Mütter wohnen nach einer Trennung bis zum 27 Lebensjahr der Kinder allein.
    Sie nutzen und teilen mit jedem neuen Partner(Mann/Vater) die Ressourcen gemeinsam.

    Die meisten Beziehungen mit Kindern sind spätestens nach etwa 7-15 Jahren beendet.
    So kommt es bei der derzeitigen Gesetzeslage in Deutschland zu der absurden Situation, dass Männer so gut wie immer, die Kinder fremder Väter der neuen Partnerin großziehen und finanziell unterstützen (ein Haushalt). Ihre eigenen Kinder aber, kaum sehen und für diese auch noch vollen Unterhalt bezahlen müssen (Geld in fremden Haushalt). Ein fremder Mann/Vater zieht dann wiederum seine Kinder groß und pumpt auch noch einmal Geld in diesen Haushalt.
    Selbstverständlich gelten die Mütter beider Haushalte als Alleinerziehende.
    Das ist doch schizophren.

    Den Vätern sollte schon die Möglichkeit gegen werden, die Betreuungsleistung natural zu erbringen. Und genau hier liegt der Fehler im System. Den Vätern wird an keiner Stelle durch das Gesetz die Möglichkeit eingeräumt, Naturalunterhalt zu leisten. Führen wir doch hier zuerst eine Väterquote ein. Die Politik muss zuerst davon ausgehen daß Väter zu 50 Prozent die Betreuung der Kinder übernehmen wollen. Erst wenn Väter dies ablehnen, kann der Unterhalt nach tatsächlicher Betreuungsleistung berechnet werden.
    Für ALG1, Hartz4, Krankengeld, Arbeitslohn, Unterhalt, Versicherungsleistungen, Zinsen und die Betreuungstage für Kinder in der Kindertagesstätte werden überall exakt die Anzahl der Leistungstage herangezogen und die enstprechenden Summen ermittelt.

    Nur für den unterhaltszahlenden Vater in Deutschland gilt diese Berechnunsggrundlage nicht (in anderen Ländern hingegen schon).

     
    • Sybille Möller

      2015/09/15 at 09:40

      Sehr geehrter Herr Fatherleft,
      da die Antwortfunktion auf Ihren Beitrag nicht funktioniert, hier noch ein paar Kommentare zu Ihrem letzten Beitrag vom 14.9.:

      Mein Vorschlag läuft letztendlich auf dasselbe heraus, wie Ihrer: wenn Vätern von vornherein bewusst wäre, dass sie kein Wechselmodell bekommen, wenn sie sich vor der Trennung nicht für die Kinder engagiert haben, dann würden sie sich mehr für ihre Kinder anstrengen und am Ende doch ein Wechselmodell bekommen. Das müsste doch in Ihrem Sinne sein, oder?

      Eine Mutter, die sich über Jahre hinweg um mehrere Kinder gekümmert hat, während der Vater nicht anwesend war, hat auch den Rücken für die Familie krumm gemacht – würden Sie mir darin zuzustimmen?
      Diese Mutter hat im Falle der Trennung aber geringere berufliche Möglichkeiten und Verdienstmöglichkeiten, als der Vater, der Karriere gemacht hat. Würden Sie mir darin auch zustimmen?

      Ein Vater, der nicht im Wechselmodell lebt, kann für seine Kinder genauso enge Bezugsperson sein, wie in der Ehe. „Ein Residenzmodell führt zu Bindungsabbruch und PAS“ ist eine Pauschalbehauptung vieler Wechselmodellbefürworter, die nicht stimmt. Ein Residenzmodell muss nicht zwangsläufig in die Katastrophe führen, so wie Sie das in Ihrer Kindheit erlebt haben. In meiner Herkunftsfamilie habe ich die schöne Erfahrung gemacht, dass ein Residenzmodell zu einer überaus engen Bindung zwischen Kind und nicht hauptsächlich betreuendem Elternteil führen kann – wenn alle Beteiligten verantwortungsvoll damit umgehen und der Vater sich nicht als Opfer der Trennung empfindet und versucht, seine Verletzungen und das Ablehnen eigener Verantwortung am Scheitern der Beziehung mit einem Wechselmodell auszugleichen. Für ein Residenzmodell gilt daher der so häufig von Ihnen verwendete Satz genauso: „Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Ausreden“. Es sollte möglich sein, diesen Satz als gültig sowohl für das Residenz- als auch für das Wechselmodell anzuerkennen.

      Mir ist aufgefallen, dass Sie immer wieder mit Zahlen argumentieren, die belegen sollen, dass die meisten Trennungen von Frauen ausgehen, und dass Männer die armen Opfer sind, die sich den Rücken für die Familie krumm machen. Fühlen Sie selbst sich so?
      Auch Ihre Statistik könnte man in Frage stellen: Woher haben Sie die?
      Trennungen sind Ergebnis eines Konfliktes, an dem fast immer beide Partner beteiligt sind. Daher wurde das Schuldprinzip ja abgeschafft. Es gibt viele Frauen, die unter ihren Männern derartig leiden, dass ihnen keine andere Möglichkeit bleibt, als sich zu trennen. Umgekehrt gilt das genauso.

      Kinder sollten nicht dafür herhalten müssen, dass die von beiden Seiten vermisste Gleichberechtigung hergestellt wird oder für die Bearbeitung eigener (Kindheits)traumata herhalten müssen. Bei der Entscheidung für oder gegen ein Modell sollten immer die Kinder und deren gewohnte Bindungen im Vordergrund stehen, nicht die Verletzungen der Eltern.
      Damit will ich keinesfalls sagen, dass ein Modell zementiert werden muss. Kinder werden älter und entwickeln ganz unabhängig von ihren Eltern Bedürfnisse. Diese sollten sie auch äußern dürfen, und von den Eltern sollte man erwarten, dass sie in der Lage sind, darauf einzugehen und gegebenenfalls das Betreuungsmodell zu ändern.
      Eine Pauschalverurteilung von Kindern zu einem Wechselmodell unabhängig von ihren Bindungen und Gewohnheiten halte ich jedoch für gänzlich falsch.
      Es gibt übrigens Untersuchungen in Amerika, die genau das besagen: Werden Kinder zu einem Modell gezwungen, wenden sie sich in der Regel später von dem ab, der das Modell erzwungen hat.

       
      • Fatherleft

        2015/10/05 at 08:27

        „Mein Vorschlag läuft letztendlich auf dasselbe heraus, wie Ihrer: wenn Vätern von vornherein bewusst wäre, dass sie kein Wechselmodell bekommen, wenn sie sich vor der Trennung nicht für die Kinder engagiert haben, dann würden sie sich mehr für ihre Kinder anstrengen und am Ende doch ein Wechselmodell bekommen. Das müsste doch in Ihrem Sinne sein, oder“

        Tut es leider nicht, denn 90% der Paare bei denen die Mutter zuhause bleibt geben als Grund an, dass die Mutter es so wollte (https://fatherleft.wordpress.com/2015/07/30/warum-muetter-weniger-vollzeit-arbeiten-als-frau-schwesig-moechte/). Für 70 Prozent hat das großen einfluss, für weitere 22 Prozent hat es auch noch Einfluss. De zweithäufigste Grund für diese Familienaufteilung ist der Wunsch der Mutter das Kind zu betreuen. Als dritthäufigster Grund die Frage wer wie viel Geld verdient (die meisten Familien können es sich gar nicht leisten, dass die Väter länger ausfallen. (https://fatherleft.wordpress.com/2014/07/02/wenn-rechenkonige-elterngeld-berechnen/)

        Was glauben sie, wie begeistert diese Mütter wären, wenn Väter aus der Paranoia, dass sie nach der Trennung ihre Kinder als Umgangsonkel nur noch jedes zweite Wochenende sehen, gegen diese hauptsächlich von den Müttern gewünschte Familienaufteilung wehren würden?

        Nur 11 Prozent der Väter geben als Grund, nicht zu Hause zu bleiben, an, dass sie sich den Umgang mit dem Kind allein in den ersten Jahren nicht zutrauen. (https://fatherleft.wordpress.com/2015/07/13/6-gruende-warum-sich-vaeter-weniger-fuer-ihre-kinder-engagieren-als-sie-wollen/)

        Mit Ihrer Besitzstandswahrerregelung würden sie vor allem diesen Müttern wie Ihnen ins Knie schießen. Ausserdem wäre es plötzlich auch für Väter ein größeres Thema, nur mit einer Partnerin Kinder zu zeugen, die gleich viel Geld verdient, damit es nicht an der finanziellen Notwendigkeit scheitert, dass sie bei ihren Kindern bleiben (was für Männer gegenwärtig der Hauptgrund ist, wenig oder gar keine Elternzteit zu nehmen), damit wären sie offensichtlich schon bei ihrem ersten Kind gescheitert.

        Tut mir leid, aber sich nur die Rosinen aus dem Kuchen zu picken, wird das Problem nicht lösen.

        Und wie meine Tochter schon so treffend feststellte (http://www.huffingtonpost.de/lutz-bierend/brief-eines-scheidungskinds-an-alle-muetter-die-ihre-kinder-ohne-vater-erziehen-wollen_b_7240934.html):

        „Denn auch mit dem Argument, „Mütter sind nun mal auch in der Vergangenheit in den ersten Lebensjahren immer elementar wichtig“, kann man einfach heute nicht mehr kommen. Alle Feministinnen auf dieser Welt beschweren sich, dass Frauen noch immer in die Hausfrau-Mutter-Rolle gedrängt werden. Ganz genau das tun Sie alle hier gerade selber.

        Als selbstbewusste Frau des 21. Jahrhunderts, wenn Sie so wahrgenommen werden wollen, können Sie dieses Argument einfach nicht bringen. Da es nun mal so ist, dass Männer sich mehr kümmern und das auch in den ersten Jahren tun wollen. Sie versuchen es zumindest, viele Frauen lassen Sie dann auch einfach nicht, weil Sie sich in der Hausfrau-Mutter-Rolle anscheinend doch ziemlich wohl fühlen und sich dann gern am Abend beklagen „Er hat wieder die ganze Wand mit seinem guten, gesunden Spinat vollgeschmiert und ICH musste natürlich wieder alles wegmachen“.

        Wenn Sie sich mal klar artikulieren und damit dann ausdrücken, was Sie eigentlich wirklich wollen, würde all dies hier viel runder ablaufen. „

         
      • Fatherleft

        2015/10/05 at 09:00

        Und was die Zahlen und Statistiken angeht: Was soll ich sagen? So ist die Welt, ob es ihnen in ihr Weltbild passt oder nicht. Natürlich können sie gern Zahlen liefern, die meine Argumente falsifizieren, dann können wir schauen welche stichhaltiger sind, aber die eigene jammervolle Erfahrung als Grundlage für Verallgemeinerungen oder gar Forderung nach gesetzlichen Regelungen zu nehmen, halte ich für keinen sinnvollen Weg, Dann würde nämlich keine Mutter dieser Welt das Sergerecht bekommen, solange sie nicht bewiesen hätte, dass sie damit verantwortungsvoll umgeht.

        Ich kenne diverse Männer, die sich den Rücken krumm gemacht haben, damit die Familie ein gutes Auskommen hat. Ob ich dazuhöre, braucht sie nicht zu interwessieren. Ich habe mich nie als Opfer der Trennung gesehen, obwohl ich in dieses wunderbare Klischee passen würde. Alleinverdiener, nicht fremdgegangen, trotzdem hielt meine Frau es für eine gute Idee, sich zu trennen und mit den Kindern 300 Kilometer wegzuziehen. Was soll’s. Ich vermute, sie hat nicht damit gerachnet, dass meine Kinder ihre Idee so doof fanden, und den klischeebeladenen Mutterspruch „wenn es der Mutter gut geht, geht es auch den Kindern gut“ überhaupt nicht unterschreiben wollten, sodass mein Sohn ein Jahr später zu mir zurückgezogen ist.

        Im Residenzmodell muss man keine Wege suchen, das wird einem meist vor die Füße geworfen, aber warum sollte man für ein schlechteres Modell auf Krampf Wege suchen? Wenn sie sich (um mal wieder mit den Statistiken zu kommen), den höheren Anteil von Straftätern, Schulabbrechern, drogenabhängigen, Selbstmördern und ADHS-Patienten aus Residenzmodellhaushalten ansehen, gibt es eigentlich keinen Grund, sich viel Mühe zu geben, hierfür einen Weg zu suchen. Warum also? Damit Frau Mutter, die nach ihrer eigenen Argumentation auch immer mit am Scheitern Schuld ist, sich auch nach der Trennung noch auf ihrer Unselbstständigkeit ausruhen kann? Ach ja sie muss ja erziehen! Gut, das tun im Wechselmodell beide. Die Ausrede hat sie da nicht, um zu begründen wärum sie es nicht so gut schaffen ihr eigenes Geld zu verdienen.

        Meine Kinder haben jahrelang das Wechselmodell gelebt und sie haben ihre finale Entscheidung, bei wem sie leben wollen, wenigstens auf Basis ihrer jahrelangen eigenen Erfahrungen fällen können (und ich vermute mal, das ist das, wovor Mütter wie sie am meisten Angst haben, dass diese dann so ausfällt wie bei mir).

        Und wenn Sie schon versuchen, mir mit Westentaschenpsychologie zu kommen, überlegen Sie sich doch einfach mal, was Sie dazu gebracht hat, sich in Ihre Situation zu manövrieren. Im gegensatz zum Scheitern einer Beziehung reicht für das Scheitern des eigenen Lebens meist einer. Nämlich man selbst.

        Also: Wie konnte es passieren, dass sie von ihrem Mann offensichtlich finanziell so äbhängig waren und er es besser schafft, sich nach der Trennung an die neue Situation anzupassen, um Geld zu verdienen und für die Kinder da zu sein? Mangelnde Gleichberechtigung bei Schul- oder Berufsausbildung wird es kaum gewesen sein. Seit meiner Generation hatte jede Frau die Chance, sich eine Schulbildung zu verschaffen, mit der sie später auf eigenen Füßen stehen kann. Wenn sie aus dem Osten kommen, ist ihr das nach meiner Erfahrung sogar in die Wiege gelegt worden. Also hören sie doch bitte auf zu klagen, nur weil Ihr Mann nach der Trennung nicht mehr die Regeln von „vor der Trennung“ weiterführen will. Vermutlich war er auch vor der Trennung mehr als ein Umgangsonkel. Und aus Ihren schlechten Entscheidungen für Ihr Leben ein mütterliches Pauschalrecht auf Unselbstständigkeit abzuleiten, ist leider nicht sehr zeitgemäß.

         

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