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Everest – Die geballte Gewalt der Natur

16 Sep

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Everest

Kinostart: 17. September 2015

Von Andreas Eckenfels

Drama // Luis Trenker, Leni Riefenstahl oder Arnold Fanck – sie alle begründeten ihren Ruhm in einem Genre, welches sich in den 1920er-Jahren enormer Beliebtheit erfreute: der Bergfilm. Heute trauen sich die Filmemacher nur noch selten in die eisigen Höhen. Im Gedächtnis blieben in den vergangenen Jahren besonders der actionreiche „Cliffhanger“ (1993) mit Sylvester Stallone, der starke „Nordwand“ (2008) und die Huber-Brüder-Doku „Am Limit“ (2007).

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Am Basislager telefoniert Rob Hall mit seiner Frau

Nun wagte sich Regisseur Baltasar Kormákur („2 Guns“) an den 8.848 Meter hohen „Everest“ und schildert ein Ereignis, das die gesamte Bergwelt erschütterte: Am 10. und 11. Mai 1996 wurden mehr als 30 Bergsteiger beim Abstieg von einem Wetterumschwung überrascht, der einige von ihnen das Leben kostete. Die bis dahin schwerste Katastrophe im Himalaya ist unter anderem im Tatsachenbericht „In eisige Höhen” von Jon Krakauer nachzulesen. Der US-Journalist gehört selbst zu den Überlebenden der Tragödie. Seine Aufzeichnungen standen für diese Verfilmung ebenso Pate wie für den bereits 1997 entstandenen TV-Film „In eisige Höhen – Sterben am Mount Everest“.

Bergsteigen als Massenevent

Neben der bis dahin höchsten Opferzahl war bei dem Unglück ebenfalls von Besonderheit, dass die zwei Expeditionen zum Gipfel mit Rob Hall (Jason Clarke) und Scott Fischer (Jake Gyllenhaal) von zwei extrem erfahrenen Bergsteigern geleitet wurden. Sie führten unter anderem den Texaner Beck Weathers (Josh Brolin), den Postboten Doug Hansen (John Hawkes) und die Japanerin Yasuko Nambo (Naoko Mori) zum höchsten Berg der Welt. Sie alle stehen symbolisch für den Massentourismus, der sich in den 1990er-Jahren etablierte: Jeder Achttausender konnte bestiegen werden, wenn nur ausreichend Dollars auf den Tisch gelegt wurden. Die Berge wurden von Amateurbergsteigern regelrecht überschwemmt. Dies zeigt Kormákur ebenso gut, ebenso den achtlosen Umgang der Gipfel-Touristen mit der Umwelt.

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Scott Fischer (l.) will seine Gruppe zum Gipfel führen

Klar, die schneebedeckten Gipfel sehen besonders in 3D atemberaubend aus. Das war zu erwarten. Kormákur ließ seine Stars unter anderem am Mount Everest, auf Island und in den Alpen herumkraxeln. Doch bei den imposanten Bildern bleibt die Dramaturgie etwas auf der Strecke. Vielleicht aufgrund der Größe der beiden Gruppen von insgesamt 34 Bergsteigern verliert man ein wenig die Orientierung. Wo befinden sich die Gipfelstürmer gerade? Wer steckt nochmal im blauen Parka? Zwar will sich der Regisseur auf einige wenige Figuren konzentrieren, dennoch gehen ihre Einzelschicksale im Schneegestöber etwas unter.

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Der Gipfel ist fast erreicht

Auch die ständige Gratwanderung am Abgrund wirkt zunächst nicht sonderlich bedrohlich. Das Höhen-Tiefen-Verhältnis sorgt hier nicht für Akrophobie unter den Zuschauern. Der Aufstieg verläuft relativ problemlos. Der Atem gerät nicht sonderlich ins Stocken. Noch nicht …

Wie eine Bombe

Seine wahre Kraft entwickelt „Everest“ erst, wenn das Unglück seinen Lauf nimmt. Die geballte Gewalt der Natur schlägt ein wie eine Bombe. Man bibbert mit Jason Clarke, Josh Brolin und John Hawkes in der Eiseskälte am Gipfel. Auch weiter unten spielen sich starke Szenen ab. Die Stunden zwischen Hoffen und Bangen, das Warten auf ein Lebenszeichen unter den Zurückgebliebenen wird zur Geduldsprobe und geht unter die Haut. Hier liefern besonders die Frauenfiguren, verkörpert von Emily Watson, Keira Knightley und Robin Wright, eine Glanzleistung ab.

So ist „Everest“ trotz einiger dramaturgischen Schwächen ein packendes Survival-Abenteuer nach einer wahren Begebenheit, das man auf jeden Fall auf der großen Leinwand erleben sollte.

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Der Schneesturm wird dichter

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Baltasar Kormákur sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jake Gyllenhaal in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Everest
USA/GB/ISL 2015
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: William Nicholson, Simon Beaufoy
Besetzung: Jason Clarke, Keira Knightley, Jake Gyllenhaal, Josh Brolin, John Hawkes, Emily Watson, Sam Worthington, Robin Wright
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Trailer & Fotos: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2015/09/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Everest – Die geballte Gewalt der Natur

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