RSS

Alles steht Kopf – Mitreißende Reise durch den Kopf

30 Sep

Alles_steht_Kopf-Plakat

Inside Out

Kinostart: 1. Oktober 2015

Gastrezension von Matthias Holm

Computertrick-Abenteuer // Ein Einspielergebnis von 91,1 Millionen US-Dollar am Startwochenende – damit hatte „Alles steht Kopf“ den besten Start eines originalen Filmstoffs überhaupt (kein Sequel und keine Verfilmung einer Vorlage wie etwa eines Romans). Und das ist berechtigt, denn „Inside Out“, so der Originaltitel, ist der wohl beste Pixar-Film seit „Toy Story 3“ und damit auch der beste Animations-Film seit langer Zeit.

Alles_steht_Kopf-01

So sieht es in Rileys Kopf aus

Jeder Mensch hat sie: Emotionen. Das erste Gefühl, das Riley hat, ist Freude. Doch schon bald teilt sie sich die Kommandozentrale in Rileys Kopf mit anderen Emotionen: Da sind Wut, Ekel, Angst und Kummer. Gerade mit Kummer tut sich Freude etwas schwer – schließlich ist Riley immer traurig, wenn Kummer die Steuerkonsole übernimmt. Als Riley elf Jahre alt wird, steht ihr eine große Veränderung vor – sie zieht mit ihren Eltern (im Original gesprochen von Diane Lane und Kyle MacLachlan) aus dem beschaulichen Minnesota nach San Francisco. Ausgerechnet jetzt gibt es einen Eklat in Rileys Kopf und nach einem Handgemenge werden Freude und Kummer aus der Kommandozentrale abgezogen – die beiden landen im Bereich gespeicherter Erinnerungen. Doch wie soll sich Riley in ihrer neuen Umgebung nur mit Wut, Angst und Ekel zurechtfinden?

Gehen Pixar die Ideen aus? Von wegen!

Der letzte Originalfilm von Pixar, „Merida – Legende der Highlands“ von 2012, war zwar ein schöner Familienfilm, jedoch vermisste man die für Pixar typische Kreativität und überbordende Fantasie. Danach kam dann auch noch das konventionelle Prequel „Die Monster-Uni“ und schon wurden die ersten Stimmen laut, Pixar hätte keine Ideen mehr. Das kann das Computertrick-Studio natürlich nicht auf sich sitzen lassen, deshalb schießt Pixar mit „Alles steht Kopf“ aus allen Rohren.

Alles_steht_Kopf-02

Kummer fliegt davon

Schon die Grundidee ist so simpel wie genial: Die Menschen werden von fünf zentralen Emotionen direkt gesteuert. Und wenn Kummer und Freude ihren Weg zurück in die Kommandozentrale suchen, gibt es für die Vorstellungskraft der Macher kein Halten mehr. Sei es das Vergessen, abstraktes Denken oder Wünsche – alles wird auf unglaubliche Weise visualisiert.

Bing Bong in der Seifenkiste

So ist die Traumfabrik natürlich eine Institution à la Hollywood, eklige oder beängstigende Gedanken werden einfach tief ins Unterbewusstsein gesperrt. Begleitet werden Freude und Kummer auf ihrer Reise von Rileys altem imaginären Freund: Bing Bong (Richard Kind) ist eine rosa Mischung aus Elefant und Delfin, der in einer Seifenkiste mit Raketen zum Mond fliegt.

Alles_steht_Kopf-03

Freude ist nicht mehr allein im Kopf

Dieser Teil der Geschichte ist für Groß und Klein ein absolutes Vergnügen – doch er steht auch im engen Verhältnis zu Rileys Erlebnissen in der neuen Stadt. Sämtliche Handlungen des Mädchens finden ihren Ursprung in den Bildern, die der Zuschauer zu sehen bekommt. Und auch wenn Riley sich sehr klischeehaft verhält, kann der Zuschauer ihre Reaktionen doch durch diese Erzählweise stets nachvollziehen. Hier kommt endlich wieder der Funken Anspruch, der Pixar-Filme auch für Erwachsene interessant werden lässt.

Alles_steht_Kopf-04

Die ganze emotionale Bandbreite

Zum Glück sitzt ein Pete Doctor auf dem Regie-Stuhl. Der Mann, der in „Oben“ innerhalb von zehn Minuten eine absolut herzzerreißende Liebesgeschichte ohne Worte inszeniert hat, hat ein wunderbares Gespür dafür, wann er das Tempo erhöht und wann er ruhige Momente einstreut. So wird der Film niemals hektisch oder gar anstrengend, trotz der Fülle an Ideen. Außerdem weiß Doctor ganz genau, an welchen Reglern er drehen muss, um auch bei den Zuschauern Emotionen auszulösen.

Ein Irrsinnsfinale

Am Ende gibt es eine zwar nicht wirklich kreative, aber doch konsequente Moral. Und danach darf sich Doctor mit seinem Team noch einmal so richtig austoben: Hat man vorher schon geschmunzelt und die eine oder andere Träne verdrückt, sind die letzten Minuten des Films so irrsinnig geworden, dass man einfach weinen muss – und zwar vor Lachen.

Alles_steht_Kopf-05

Wenn Wut das Steuer übernimmt …

„Alles steht Kopf“ ist ein großer Wurf. Witzig, klug, mit dem Herz am rechten Fleck und – „Avengers – Age of Ultron“ und „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ zum Trotz – vielleicht mein Film des Jahres. Natürlich ist auch der Kurzfilm „Lava“ vorher ganz wunderbar – eine Geschichte über einen Vulkan, der sich so gern verlieben möchte, komplett gesungen und mit Ukulele unterlegt. Mit einem Kinoticket kann man also absolut nichts falsch machen.

Alles_steht_Kopf-06

… wird es feurig

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Inside Out
USA 2015
Regie: Pete Docter, Ronnie Del Carmen
Drehbuch: Meg LeFauve, Josh Cooley, Pete Doctor
Originalstimmen: Amy Poehler, Phyllis Smith, Bill Hader, Lewis Black, Mindy Kaling, Kaitlyn Dias, Richard Kind, Diane Lane, Kyle MacLachlan
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2015 by Matthias Holm

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2015 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Advertisements
 
2 Kommentare

Verfasst von - 2015/09/30 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

2 Antworten zu “Alles steht Kopf – Mitreißende Reise durch den Kopf

  1. Barbara

    2015/10/01 at 11:14

    Der Mensch heißt Docter, ansonsten gibt es diesem Text nichts hinzuzufügen 🙂

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: