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Black Mass – Pakt mit dem Teufel

15 Okt

black-mass-plakat

Black Mass

Kinostart: 15. Oktober 2015

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Gangsterdrama // Als James „Whitey“ Bulger am 22. Juni 2011 in einem Parkhaus in Santa Monica, Kalifornien, vom FBI geschnappt wurde, stand der 81-Jährige bereits zwölf Jahre auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher der Welt. Zwei Millionen US-Dollar Belohnung waren für Hinweise auf seine Ergreifung ausgelobt worden. Nur ein Bösewicht stand vor ihm auf der Liste: Osama bin Laden.

Jimmy „Whitey“ Bulger (r.) geht einen Deal mit FBI-Agent John Connolly ein

Wie der irischstämmige Whitey Bulger sein Verbrecher-Syndikat Anfang der 70er-Jahre in Boston aufbauen konnte, erzählten zwei Journalisten des Boston Globes, Dick Lehr und Gerard O’Neill, in ihrem Bestseller „Black Mass: Der verhängnisvolle Pakt zwischen dem FBI und Whitey Bulger, einem der gefährlichsten Gangster der Welt“. Diese fast unglaubliche Geschichte verfilmte nun „Crazy Heart“-Regisseur Scott Cooper mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

Das FBI macht den Weg frei

Whitey Bulger (Johnny Depp) verdankte im Grunde dem FBI seinen Aufstieg zu einem der berüchtigsten Verbrecher. Der FBI-Agent John Connolly (Joel Edgerton), der Bulger schon seit Kindheitstagen kannte, verpflichtete ihn als Informanten. Mit Bulgers Hilfe wollte er die Mafia in Boston aus dem Verkehr ziehen – was ihm auch gelang. Gleichzeitig war dadurch aber auch der Weg für die kriminellen Energien von Whitey Bulger frei. Das FBI erledigte sozusagen seine Arbeit.

Mit Freundin Lindsey bekommt Whitey einen Sohn

Ohne nennenswerte Konkurrenz katapultierte sich der skrupellose Gangster mit Drogenhandel, Morden und Geldwäsche an die Spitze der Bostoner Unterwelt. Connolly nahm ihn zudem jahrelang in Schutz und bewahrte ihn vor möglichen Verurteilungen. Auch Whiteys Brud Bruder Billy er Billy (Benedict Cumberbatch) schlug eine erfolgreiche, aber komplett andere Karriere als Whitey ein: Er wurde zum Senator von Massachusetts gewählt.

Comeback für Johnny Depp

Nach seinen Rollen in „Blow“ und „Public Enemies“ verkörpert Johnny Depp bereits zum dritten Mal einen realen Verbrecher. Mit blonden, zurückgegelten Haaren, Geheimratsecken, glasigen Augen und einer ordentlichen Wampe ist der gefallene Superstar kaum wiederzuerkennen. Natürlich liebt Johnny Depp schon immer die Verkleidung, doch im Gegensatz zu seinen letzten Flops „Lone Ranger“, „Transcendence“, „Tusk“ und „Mortedecai“ schaltet er bei seiner Performance mal nicht den Autopilot ein, er neigt auch nicht zur spielerischen Übertreibung, die nach einiger Zeit nur noch nervt.

Whiteys Bruder Billy wird zum Senator gewählt

Als eiskalter Gangster, der sich auch nicht davor scheut, die Hände schmutzig zu machen, versprüht er gerade durch seine Zurückhaltung eine diabolische Präsenz, bei der es auch den Zuschauer ab und an fröstelt. In einem Interview sagte Depp zuletzt, es sei seine beste Rolle bisher. Wahrscheinlich war es lediglich PR-Gefasel – aber es ist auf jeden Fall seine beste Darbietung in den vergangenen Jahren, mit der Depp ein gelungenes Comeback zu seiner alten Form gelingt.

Whitey hasst Verräter

Doch während auch Joel Edgerton eine ordentliche Leistung abliefert, bleibt „Black Mass“ doch über weite Strecken belanglos. Zwar wurde an Originalschauplätzen in Boston gedreht, dennoch erwacht die Szenerie nur selten zum Leben. Regisseur Cooper inszeniert spannungsarm, trist und ohne Rafinesse. Die Episoden ähneln einander: Eine Drogenübergabe hier, ein wenig Geplänkel im FBI-Gebäude, ein Geldtausch da – zwischendrin greift Whitey oder einer seiner Handlanger zur Waffe und ein Verräter wird umgelegt. Denn, das begreift man schnell: Whitey hasst nichts mehr als Verräter.

Dummerweise werden diese meist von namhaften Schauspielern verkörpert: Peter Sarsgard oder Juno Temple etwa. Deswegen spielen sie auch nur kurzzeitig mit. Doch anders ergeht es auch nicht Dakota Johnson, Kevin Bacon und Benedict Cumberbatch. Ihre Figuren sind gerade eingeführt, dann sind sie schon wieder verschwunden. Nicht viel anders ergeht es dem Zuschauer nach Filmende: Gerade „Black Mass“ gesehen, schon wieder vergessen.

Whitey ist sich nicht zu schade, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Benedict Cumberbatch und/oder Johnny Depp sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Black Mass
USA 2015
Regie: Scott Cooper
Drehbuch: Mark Mallouk, Jez Butterworth basierend auf dem Buch von Dick Lehr und Gerard O‘Neill
Besetzung: Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Kevin Bacon, Jesse Plemons, Peter Sarsgard, Rory Cochran, Juno Temple
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Warner Bros. Ent.

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2 Kommentare

Verfasst von - 2015/10/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

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2 Antworten zu “Black Mass – Pakt mit dem Teufel

  1. otto

    2015/10/17 at 19:28

    was für eine Story! Was für Schauspieler! Was für eine miese Regie… Gar nicht auszudenken, was das für ein geiler Film geworden wäre, hätte Scorsese oder Eastwood den gemacht.

     
  2. schauwerte

    2015/10/16 at 10:37

    Diese Kritik kann ich in vollem Maße unterschreiben. Der Film ist zu lang und zu belanglos. Da hat man einen sehr starken Cast einfach mal verheizt. Schade.

     

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