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Gingerbread Man – Gefährliche Träume: Altman mal nur routiniert

23 Okt

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The Gingerbread Man

Von Simon Kyprianou

Thriller // Durch Zufall lernt der erfolgreiche, geschiedene Strafverteidiger Rick Magruder (Kenneth Branagh) auf einer Party die Kellnerin Mallory Doss (Embeth Davidtz) kennen. Schnell wird klar, dass die junge Frau terrorisiert wird: Sie behauptet, der Täter sei ihr Vater Dixon Doss (Robert Duvall). Rick nimmt sich der Sache an, es gelingt ihm, den alten Mann in die Psychiatrie einweisen lassen. Doch das ist erst der Anfang, denn Doss kommt frei und Rick und Mallory werden von unbekannten bedroht, Ricks Kinder sogar entführt. Mithilfe des Reporters Clyde Pell (Robert Downey Jr.) versucht sich Rick aus dem Verwirrspiel zu befreien, in das er geraten ist.

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Rick (l.) und Clyde stellen Untersuchungen an

Altman verfilmte hier eine Story von John Grisham und dort liegt bereits das Problem – viele Kritiken bemängeln es und es ist tatsächlich kaum zu übersehen: Robert Altman und John Grisham sind ganz und gar keine gute Kombination. Man bemerkt, dass sich Altman mit dieser Roman-Adaption nicht wohlfühlt. Seine Filme sind in den besten Fällen anarchisch, unerschrocken zynisch und schier unerträglich abgründig, mit unberechenbaren, von Wahnsinn ergriffenen oder von jedweder Moral verlassenen Figuren kann Altman am besten umgehen, doch in diesem Fall konnte er sich nicht genügend Freiheiten erkämpfen.

Thriller-Kost nach bewährtem Muster

Daher fühlt sich „The Gingerbread Man“ unangenehm nach Stangenware, nach 08/15-Hollywood-Thriller-Ware an, in den Händen eines unberechenbaren Meisters wie Altman völlig fehl am Platz. Für seinen Wahnsinn, sein Genie ist schlicht kein Platz. Natürlich ist das gut gespielt – der Cast ist ja auch wirklich hervorragend – und handwerklich vom routinierten Altman passabel inszeniert, aber eben leider nicht mehr. Der fade Geschmack bleibt.

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Dixon (r.) bringt das Leben aller Beteiligten durcheinander

Ein adäquater Vergleich bietet sich vielleicht mit David Cronenbergs „Tödliche Versprechen“ von 2007 an, ein routiniert und kompetent inszenierter Thriller, der schlicht und ergreifend deswegen ernüchternd ist, weil man von einem Regisseur wie Cronenberg mehr erwartet als bloß routiniertes Handwerk, weil sich ein Film wie „Tödliche Versprechen“ im Werk von Cronenberg schlicht uninteressant anfühlt. Das gilt auch für „Gingerbread Man – Gefährliche Träume“ im Werk von Robert Altman.

Ist das zu streng?

Aber vielleicht ist das auch eine allzu strenge Sicht auf die Dinge, sehenswertes Genrekino, gute, spannende Unterhaltung – trotz einiger eher zähflüssiger Passagen – bietet der Film allemal. Für Altman-Komplettisten ist er ohnehin Pflicht. Kein Platz ist aber leider für die typische Altman-Abgründigkeit wie in „Der Tod kennt keine Wiederkehr“, auch nicht für Altmans große Erzählkunst wie in „Short Cuts“ und „Nashville“.

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Mallory ist nicht so unschuldig, wie sie tut

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Altman haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Embeth Davidtz und Daryl Hannah unter Schauspielerinnen, Filme mit Tom Berenger, Kenneth Branagh, Robert Downey Jr. und Robert Duvall in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 22. Oktober 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Gingerbread Man
USA 1998
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Clyde Hayes
Besetzung: Robert Downey Jr., Kenneth Branagh, Robert Duvall, Embeth Davidtz, Tom Berenger, Daryl Hannah, Famke Janssen, Mae Whitman
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Robert Altman, Interviews mit Cast & Crew, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und Fotos vom Set, Trailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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