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David Cronenberg (V): Scanners – Ihre Gedanken können töten: Der erste gute Superheldenfilm?

28 Okt

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Scanners

Gastrezension von Matthias Holm

SF-Horror // 237 Scanner sollen auf der Erde leben – Menschen mit besonderen psychischen Fähigkeiten. Der Konzern ConSec hatte versucht, die Scanner als Waffen einzusetzen, doch sie waren nicht zu kontrollieren. Einer von ihnen, Darryl Revok (Michael Ironside), hat eine Untergrundbewegung gegründet, die mit terroristischen Anschlägen von sich reden macht. Um Revok Einhalt zu gebieten, sucht der ConSec-Forscher Dr. Paul Ruth (Patrick McGoohan) Cameron Vale (Steven Lack) auf. Vale ist ein Scanner – weiß davon aber noch nichts. Auf seiner Suche nach dem Terroristen trifft er eine friedfertige Gruppe von Scannern um die hübsche Kim Obrist (Jennifer O’Neill).

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Darryl Revok will …

Der Einstieg ist ruhig gehalten. Es dauert, bis der Protagonist überhaupt den Mund öffnet, um etwas zu sagen. Diese ruhige Inszenierung zieht sich durch den kompletten Film – was ihm gut zu Gesicht steht.

Auch X-Man Professor Xavier ist ein Scanner

Die Scanner erinnern mich als Comic-Fan frappierend an Professor Charles Xavier aus den „X-Men“-Comics und -Filmen. Während Xavier in seiner Welt einer der wenigen Mutanten war, die eine solch mächtige, gedankenmanipulierende Kraft besitzen, scheint Kanada in dem Film nur so von Scannern überflutet zu sein – was im Kontext der Auflösung sogar Sinn ergibt.

Regisseur und Drehbuchautor David Cronenberg hat eine ausgefeilte Geschichte auf die Leinwand gebracht. Während Cameron Vales Reise dringen er und der Zuschauer immer tiefer zum Kern des Geheimnisses um die Scanner vor. Wenn in der letzten Viertelstunde des Films alles aufgelöst wird, kommt es zu einigen durchaus überraschenden Wendungen.

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… die Welt in Flammen sehen

Den typischen Bodyhorror Cronenbergscher Machart setzt der Regisseur anfangs nur punktuell ein, dabei aber sensationell: Der platzende Kopf ist eine der großen, geradezu ikonenhaften Szenen des Kanadiers. Im finalen Duell zweier Scanner hat Cronenberg dann einige wirklich unangenehme Einstellungen gedreht. Dabei sieht man mal wieder: Plastische Tricks sind CGI vorzuziehen – vor allem billigem CGI.

Im Gegensatz zu früher keine sexuellen Motive

Auffällig ist allerdings das Fehlen eines weiblichen Elements als zentraler Bestandteil. Der weibliche Aspekt war in Cronenbergs früheren Filmen „Die Brut“ („The Brood“, 1979), „Rabid – Der brüllende Tod“ („Rabid“, 1978) und „Parasiten-Mörder“ (Shivers“, 1975) noch deutlich zu Tage getreten, zum Teil gar mit sexuellen Motiven verbunden. Davon ist in „Scanners – Ihre Gedanken können töten“ nichts zu bemerken.

Bis 2006 auf dem Index

Nach vielen Jahren auf dem Index wurde der Film 2006 neu geprüft und ab 16 Jahren freigegeben. Inzwischen gibt es „Scanners – Ihre Gedanken können töten“ samt seinen beiden Nachfolgern als Trilogie zu kaufen – allerdings sind sowohl der zweite als auch der dritte Teil wohl entbehrlich, wie eine kurze Internet-Recherche ergab – die Sichtung spare ich mir.

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Wenn Scanner gegen Scanner kämpfen, kommt so etwas raus

Auch wenn er das vermutlich nicht beabsichtigt hat: Mit „Scanners“ hat Cronenberg wohl den ersten vernünftigen Superheldenfilm gemacht. Mit dem bedächtigen Spannungsaufbau kann heute wohl nicht jeder etwas anfangen. Dennoch bleibt „Scanners“ auch nach 34 Jahren ein intensiver Science-Fiction-Film, der den Namen David Cronenberg seinerzeit ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit brachte.

David Cronenberg bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Parasiten-Mörder (1975, geplant)
Die Brut (1979)
Scanners – Ihre Gedanken können töten (1981)
Dead Zone (1983)
Die Fliege (1986)
Naked Lunch (1991, geplant)
Crash (1996)
eXistenZ (1999, geplant)
Spider (2002)
A History of Violence (2005, geplant)
Maps to the Stars (2014)

Veröffentlichung: 28. Februar 2014 als Blu-ray in der „Scanners Trilogy“, 20. Dezember 2012 als Blu-ray, 10. Juni 2011 als Blu-ray und DVD (Koch Media)

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Scanners
KAN 1981
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Besetzung: Jennifer O’Neill, Steven Lack, Patrick McGoohan, Michael Ironside, Lawrrence Dane
Zusatzmaterial:
Vertrieb: Media Target Distribution GmbH

Copyright 2015 by Matthias Holm

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Fotos & Packshots: © 2015 Media Target Distribution GmbH

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