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The Last House on the Left – Das letzte Haus links: Wes Cravens Schlag in die Magengrube

29 Okt

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The Last House on the Left

Gastrezension von Simon Kyprianou

Horror // Zwei Mädchen (Sandra Cassel, Lucy Grantham) aus der Provinz wollen in New York City vor einem Konzert etwas Gras kaufen und geraten dabei an die Falschen: an Krug Stillo (bemerkenswert: David Hess) und seine Gang, die gerade aus dem Gefängnis entflohen ist. Krug und seine Kumpane verschleppen die Mädchen aufs Land, ironischerweise genau in ihr Dorf, wo sie die beiden vergewaltigen und umbringen.

Für die Nacht suchen Stillo und seine Leute Asyl bei der Familie Collingwood, zufälligerweise die Eltern eines der Mädchen, die wegen der Abwesenheit ihrer Tochter krank vor Sorge sind. Als ihnen klar wird, dass die Logiergäste ihre Tochter auf dem Gewissen haben, verüben sie Rache.

Die Hölle der Großstadt

Aus dem beschaulichen Idyll einer dörflichen New Yorker Vorstadt, so klein und ländlich, dass es von der großen Stadt in der Nähe kaum etwas ahnen lässt, kommen Cravens Protagonistinnen her. Am Anfang können die Mädchen im Wald noch träumerisch vom Erwachsenwerden fantasieren. Erfüllt von adoleszenten Träumen und mit den Vorstellungen von ’68 im Kopf fahren sie in die Stadt zu einem Konzert. New York City erscheint anfangs ganz trügerisch als krasse Antithese zum Vorstadtidyll, doch beinahe unmittelbar konfrontiert Wes Craven die Mädchen mit ihren Vergewaltigern in spe, einer Gruppe degenerierter Psychopathen, die der Regisseur beinahe schon als Karikatur darstellt. Auf den ersten Blick wirken sie in ihrem Wahnsinn und ihrer Gewaltbereitschaft wie eine Antithese, nämlich zu den vermeintlich sittsamen Eltern.

Staatsorgane sind bei Craven nicht mehr als eine bloße Randnotiz, für die er hauptsächlich Spott und Hohn übrig hat, am richtigen Ort sind sie erst wenn alles sowieso schon zu spät ist. Am Ende da verwischt er endgültig die Grenzen zwischen Gut und Böse, die zu Beginn noch so trügerisch klar im Raum standen, wenn die Elterngeneration ihre eigenen Werte über Bord wirft und gegen Rache eintauscht, die ebenso blutig und abscheulich ist, wie das Verbrechen selbst. Die dörfliche Idylle, die sich am Anfang vom urbanen Chaos klar abgrenzen konnte, ist endgültig dahin, auch im vermeintlichen Idyll hat die Gewalt schon längst unter der Oberfläche gebrodelt. Auswege, oder Räume in denen sich Jugendliche überhaupt sorgenfrei entfalten könnten gibt es anscheinend keine. Ein unfassbar intelligenter Film.

Frei nach Ingmar Bergmans „Die Jungfrauenquelle“

„Das letzte Haus links“ ist von Craven als loses Remake von Ingmar Bergmans „Die Jungfrauenquelle“ („Jungfrukällan“, 1960) angelegt, welcher wiederum auf einer mittelalterlichen schwedischen Erzählung basiert. Craven legte hiermit einen der Grundsteine für das sogenannte Rape-and-Revenge-Subgenre des Horrorfilms, dem allerdings kaum nennenswerte Filme entsprungen sind. Gelungene Beiträge wie Abel Ferraras „Die Frau mit der 45er Magnum“ („Ms .45“, 1981) sind da eher die Ausnahme. In Deutschland ist „Das letzte Haus links“ lediglich in gekürzter Fassung frei verkäuflich, bei einigen europäischen Nachbarn ist „The Last House on the Left“ aber ungeschnitten erhältlich.

Veröffentlichung: 3. Mai 2004 als DVD (sogenannte „neue Fassung“ – im Klartext: um mehr als eine Viertelstunde gekürzt)

Länge: 64 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Last House on the Left
USA 1972
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Wes Craven
Besetzung: Sandra Peabody, Lucy Grantham, David Hess, Fred J. Lincoln, Jeramie Rain, Marc Sheffler, Richard Towers, Cynthia Carr, Gaylord St. James
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2015 KSM GmbH

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