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Oase der Zombies – Da tun sich Abgründe auf

30 Okt

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La tumba de los muertos vivientes

Horror // Hand aufs Herz, liebe Jess-Franco-Fans: Hat der spanische Vielfilmer auch nur einen einzigen richtig guten Film gedreht? In der IMDb-Filmografie des im April 2013 mit 82 Jahren verstorbenen Trash-Gurus sind immerhin 203 Regiearbeiten aufgelistet – zu viele, als dass ich sie alle hätte sehen können. Für „Die Nacht der lebenden Texte“ waren es immerhin einige Filme, die Ascot Elite Home Entertainment in seiner „Jess Franco Golden Goya Collection“ veröffentlicht hat, darunter „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ mit Klaus Kinski in der Titelrolle und die Sexploitation-Film-noir-Farce „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“, um die beiden immerhin annähernd akzeptablen Produktionen zu nennen. Sie sind aber weit davon entfernt, Ansprüchen zu genügen, die über Trash hinausgehen.

Statt Sexploitation eben ein Zombiefilm von Jess Franco

Miese Machwerke hin oder her – als Fan der Untoten habe ich es mir nicht nehmen lassen, mir Francos „Oase der Zombies“ einzuverleiben. Ich bin ja einiges gewohnt. Zur Abwechslung bekommen wir es wieder einmal mit Nazi-Zombies zu tun. Die während des Zweiten Weltkriegs zu Rommels Afrika-Korps gehörenden Wehrmacht-Soldaten waren seinerzeit an einer Oase von englischen Truppen niedergemacht worden. Ihre Gebeine liegen seitdem im Wüstensand vergraben, die Überreste ihrer Gegner allerdings auch. Lediglich Captain Blabert (Javier Maiza) überlebte – der Kommandant der Engländer wurde von einem Scheich gefunden und aufgepäppelt, was er dem barmherzigen Samariter dankte, indem er dessen Tochter vernaschte. Aus der Beziehung ging sogar ein Sohn hervor.

Einen Goldschatz hatten die Deutschen dabei, der lockt nun allerhand gieriges Gesindel an. Unter ihnen: Robert Blabert (Manuel Gélin), besagter Sohn. Pech für die Schatzsucher: Die toten Soldaten sind zu Zombies geworden, die es eher unwirsch aufnehmen, wenn man ihre Kostbarkeiten stibitzen will. Dann kommen sie des nachts aus ihren sandigen Gräbern und machen sich über die Lebenden her.

Früherer Verleihtitel: „Der Abgrund der lebenden Toten“

So weit, so schlecht. Es gibt weitere Protagonisten, keiner ist der Rede wert. Etwas nackige Haut ist auch zu betrachten, die hat meinen Hund aber auch nicht hinter dem Ofen hervorgelockt, was nur zum Teil damit zu tun haben mag, dass ich gar keinen Hund habe. Ein früherer deutscher Verleihtitel lautet übrigens „Der Abgrund der lebenden Toten“. Die Steilvorlage habe ich aber bereits in der Überschrift dieses Textes verbraucht. Tut es Not, „Oase der Zombies“ noch differenzierter zu bewerten? Handlung, Schauspieler, Dialoge, Logik, Atmosphäre, Maske, Spannung, Grusel – der Film hat das gewisse Nichts und ist in jeder Hinsicht ein stinklangweiliger Totalausfall.

Immerhin hat „Oase der Zombies“ einige hübsche Covermotive hervorgebracht, die unter dem Schnittbericht der Kollegen von – genau – Schnittberichte zu bewundern sind. Das ist doch was. Apropos Schnittberichte: Es ist schleierhaft, weshalb der Film vor Jahren für eine FSK-16-Freigabe gekürzt werden musste. Auch nach 80er-Jahre-Maßstäben ist das recht harmlos, was Franco uns da an Gewaltspitzen serviert hat. Eine Neuprüfung ergab 2014 jedenfalls die FSK-16-Freigabe in ungekürzter – ähem – Pracht, wenn auch mit etwas langweiligerem Covermotiv. Aber man kann nicht alles haben. Ob’s Franco- oder Zombiefans gibt, die „Oase der Zombies“ aufgrund der Vielfalt an Covern in allen verfügbaren Fassungen stehen haben? Die Hirnwindungen von Horror- und Trashfans sind ja bisweilen unergründlich.

Jess-Franco-Empfehlungen erbeten

Sofern beinharte Jess-Franco-Fans hier mitlesen und sich ob meiner kritischen Zeilen nicht allzu sehr echauffieren: Ich bitte um ernst gemeinte Empfehlungen aus dem Ouevre des Meisters mittels Kommentarfunktion, gern mit ein paar erläuternden Sätzen. Zum Verehrer werde ich sicher nicht mutieren, bin aber doch neugierig, welche seiner Filme gemeinhin als Karrierehöhepunkte angesehen werden.

Jesús Franco bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Lucky M. füllt alle Särge (1967)
Der Hexentöter von Blackmoor (1970)
Nachts, wenn Dracula erwacht (1970, geplant)
Dr. M schlägt zu (1974)
Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt (1975)
Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London (1976)
Das Frauenhaus (1977)
Ilsa the Mad Butcher (1977)
Die Sklavinnen (1977)
Die teuflischen Schwestern (1977)
Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin (1977)
Frauen für Zellenblock 9 (1978)
Wicked Women – Das Haus der mannstollen Frauen (1978)
Oase der Zombies (1982)

Veröffentlichung: 27. März 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Alternativtitel: Der Abgrund der lebenden Toten
Originaltitel: La tumba de los muertos vivientes
Internationale Titel: Oasis of the Living Dead / Oasis of the Zombies / Bloodsucking Nazi Zombies / Grave of the Living Dead / The Treasure of the Living Dead
F/SP 1982
Regie: Jesús Franco
Drehbuch: Jesús Franco
Besetzung: Manuel Gélin, Eduardo Fajardo, France Lomay, Jeff Montgomery, Myriam Landson, Lina Romay, Antonio Mayans
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: VZ-Handelsgesellschaft mbH

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Packshots: © 2015 VZ-Handelsgesellschaft mbH

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Eine Antwort zu “Oase der Zombies – Da tun sich Abgründe auf

  1. Marco

    2015/11/02 at 20:04

    Oh, Jess Franco. Gut, da hast du jetzt einen Film erwischt, der wahrlich nicht zu seinen Highlights zählt. Wobei – wenn du erst die 100er Grenze mit Franco-Filmen überquert hast, wirst Du wahrscheinlich auch den mögen. Wobei ich allerdings bezweifel, dass Du so lange durchhältst, wenn Dich schon „Jack the Ripper“ und „Downtown“ nicht wirklich vom Hocker hauen konnten. In meinem Blog habe ich zwei längere Texte zu Franco veröffentlicht. Einmal eine Einführung, die ich zu einer 35mm-Fassung von „Lolita am Scheideweg“ (http://www.filmforum-bremen.de/2014/10/einfuehrung-zu-lolita-am-scheideweg-auf-dem-5-deliria-italiano-forentreffen-in-nuernberg/) halten durfte und einmal der Nachruf auf ihn (http://www.filmforum-bremen.de/2013/04/nachruf-jess-franco-1930-2013/). Vielleicht inspiriert Dich das ja, und ich kann Dir so ein wenig die Faszination und Liebe für das Gesamtkunstwerk Jess Franco vermitteln.

     

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