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Archiv für den Monat Oktober 2015

Oase der Zombies – Da tun sich Abgründe auf

La tumba de los muertos vivientes

Von Volker Schönenberger

Horror // Hand aufs Herz, liebe Jess-Franco-Fans: Hat der spanische Vielfilmer auch nur einen einzigen richtig guten Film gedreht? In der IMDb-Filmografie des im April 2013 mit 82 Jahren verstorbenen Trash-Gurus sind immerhin 203 Regiearbeiten aufgelistet – zu viele, als dass ich sie alle hätte sehen können. Für „Die Nacht der lebenden Texte“ waren es immerhin einige Filme, die Ascot Elite Home Entertainment in seiner „Jess Franco Golden Goya Collection“ veröffentlicht hat, darunter „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ mit Klaus Kinski in der Titelrolle und die Sexploitation-Film-noir-Farce „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“, um die beiden immerhin annähernd akzeptablen Produktionen zu nennen. Sie sind aber weit davon entfernt, Ansprüchen zu genügen, die über Trash hinausgehen.

Statt Sexploitation eben ein Zombiefilm von Jess Franco

Miese Machwerke hin oder her – als Fan der Untoten habe ich es mir nicht nehmen lassen, mir Francos „Oase der Zombies“ einzuverleiben. Ich bin ja einiges gewohnt. Zur Abwechslung bekommen wir es wieder einmal mit Nazi-Zombies zu tun. Die während des Zweiten Weltkriegs zu Rommels Afrika-Korps gehörenden Wehrmacht-Soldaten waren seinerzeit an einer Oase von englischen Truppen niedergemacht worden. Ihre Gebeine liegen seitdem im Wüstensand vergraben, die Überreste ihrer Gegner allerdings auch. Lediglich Captain Blabert (Javier Maiza) überlebte – der Kommandant der Engländer wurde von einem Scheich gefunden und aufgepäppelt, was er dem barmherzigen Samariter dankte, indem er dessen Tochter vernaschte. Aus der Beziehung ging sogar ein Sohn hervor.

Einen Goldschatz hatten die Deutschen dabei, der lockt nun allerhand gieriges Gesindel an. Unter ihnen: Robert Blabert (Manuel Gélin), besagter Sohn. Pech für die Schatzsucher: Die toten Soldaten sind zu Zombies geworden, die es eher unwirsch aufnehmen, wenn man ihre Kostbarkeiten stibitzen will. Dann kommen sie des nachts aus ihren sandigen Gräbern und machen sich über die Lebenden her.

Früherer Verleihtitel: „Der Abgrund der lebenden Toten“

So weit, so schlecht. Es gibt weitere Protagonisten, keiner ist der Rede wert. Etwas nackige Haut ist auch zu betrachten, die hat meinen Hund aber auch nicht hinter dem Ofen hervorgelockt, was nur zum Teil damit zu tun haben mag, dass ich gar keinen Hund habe. Ein früherer deutscher Verleihtitel lautet übrigens „Der Abgrund der lebenden Toten“. Die Steilvorlage habe ich aber bereits in der Überschrift dieses Textes verbraucht. Tut es Not, „Oase der Zombies“ noch differenzierter zu bewerten? Handlung, Schauspieler, Dialoge, Logik, Atmosphäre, Maske, Spannung, Grusel – der Film hat das gewisse Nichts und ist in jeder Hinsicht ein stinklangweiliger Totalausfall.

Immerhin hat „Oase der Zombies“ einige hübsche Covermotive hervorgebracht, die unter dem Schnittbericht der Kollegen von – genau – Schnittberichte zu bewundern sind. Das ist doch was. Apropos Schnittberichte: Es ist schleierhaft, weshalb der Film vor Jahren für eine FSK-16-Freigabe gekürzt werden musste. Auch nach 80er-Jahre-Maßstäben ist das recht harmlos, was Franco uns da an Gewaltspitzen serviert hat. Eine Neuprüfung ergab 2014 jedenfalls die FSK-16-Freigabe in ungekürzter – ähem – Pracht, wenn auch mit etwas langweiligerem Covermotiv. Aber man kann nicht alles haben. Ob’s Franco- oder Zombiefans gibt, die „Oase der Zombies“ aufgrund der Vielfalt an Covern in allen verfügbaren Fassungen stehen haben? Die Hirnwindungen von Horror- und Trashfans sind ja bisweilen unergründlich.

Jess-Franco-Empfehlungen erbeten

Sofern beinharte Jess-Franco-Fans hier mitlesen und sich ob meiner kritischen Zeilen nicht allzu sehr echauffieren: Ich bitte um ernst gemeinte Empfehlungen aus dem Œuvre des Meisters mittels Kommentarfunktion, gern mit ein paar erläuternden Sätzen. Zum Verehrer werde ich sicher nicht mutieren, bin aber doch neugierig, welche seiner Filme gemeinhin als Karrierehöhepunkte angesehen werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jesús Franco haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. März 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Alternativtitel: Der Abgrund der lebenden Toten
Originaltitel: La tumba de los muertos vivientes
Internationale Titel: Oasis of the Living Dead / Oasis of the Zombies / Bloodsucking Nazi Zombies / Grave of the Living Dead / The Treasure of the Living Dead
F/SP 1982
Regie: Jesús Franco
Drehbuch: Jesús Franco
Besetzung: Manuel Gélin, Eduardo Fajardo, France Lomay, Jeff Montgomery, Myriam Landson, Lina Romay, Antonio Mayans
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: VZ-Handelsgesellschaft mbH

Copyright 2015 by Volker Schönenberger


Packshots: © 2015 VZ-Handelsgesellschaft mbH

 
 

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Landhaus der toten Seelen – Horror-Großtat unter unserem Radar

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Burnt Offerings

Von Simon Kyprianou

Horror // Die Familie Rolf, der Vater Ben (ganz fantastisch: Oliver Reed), die Mutter Marion (Karen Black), der kleine Sohn David (Lee Montgomery) und die Tante Elizabeth (herrlich: Bette Davis), wollen einfach nur einen geruhsamen Sommerurlaub verbringen. Dabei sind sie auf eine Villa gestoßen, von der Marion vom ersten Anblick an entzückt ist und die es zu einem geradezu lächerlichen Preis zu mieten gibt. Der einzige Haken ist die Mutter der Eigentümer. Sie lebt abgeschieden unter dem Dach, Familie Rolf soll sich während ihres Aufenthalts um die Greisin kümmern. Marion erklärt sich gern bereit, diese Arbeit zu übernehmen. Dass die Besitzer, ein älteres Geschwisterpaar, einen etwas wunderlichen Eindruck machen, ist schnell vergessen und der Sommerurlaub in der Villa beschlossene Sache.

Doch bereits nach kurzer Zeit bröckelt das Idyll: Die Familie lebt sich auseinander, Ben leidet an schrecklichen Albträumen, die eigentlich vitale und jugendliche Tante Elizabeth wird von heute auf morgen kränklich. Vor allem Marion verändert sich stark, fühlt sich von dem Haus und der unter dem Dach lebenden alten Dame sonderbar angezogen.

Albtraumhafter Rausch der Bilder

Das langsame Zerbrechen der Familie, die am Anfang noch trügerisch harmonisch erscheint, wird von Dan Curtis präzise beobachtet. Das Leben in der Villa lässt die bereits vorhandenen Risse anfangs erst sichtbar werden und sie dann aufklaffen. Immer mehr entgleitet den Figuren die Kontrolle, immer mehr fallen sie in einen traumartigen Schockzustand, genau wie der Film selbst immer albtraumhaftere Bilder für den Schrecken findet. Regisseur Dan Curtis inszeniert wilde, wüste Farbräusche, ganz wie bei Dario Argentos „Suspiria“, der fast zeitgleich erschien. Selbst profane Dinge werden bei Curtis zu mysteriösen Brutstätten des Übels: So verwandelt sich ein Swimming-Pool plötzlich in eine grünlich-trübe Welt des Schreckens. Traumszenen sind bei Curtis völlig losgelöst von der eigentlichen Handlung, die Traumszenen setzten sich in zu einer ganz eigenständigen kleinen Horror-Geschichte zusammen.

Curtis spielt mit dem Horrorgenre, umgeht seine Regeln und bricht mit Erwartungen, treibt ein Spiel mit vagen, oft trügerischen Andeutungen, die nicht selten ins Leere laufen. Überhaupt ist beinahe alles an dem Film vage, der Schrecken lässt sich nur erahnen, schwelt bedrohlich unter der Oberfläche. Erst am Ende darf er sich in einem kurzen, aber eindringlichen Finale entladen, und doch bleiben eigentlich alle Fragen offen.

Einfluss aufs Horrorgenre

„Burnt Offerings“, so der Originaltitel von „Landhaus der Toten Seelen“, ist wie ein dunkler Riss. Einen klaren Blick auf den Schrecken gibt er nicht frei, er lässt ihn nur erahnen, aber das was man sehen kann ist bereits mehr als genug. Die Bedeutung von „Landhaus der toten Seelen“ für das Horrorgenre ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Für den großartigen Ti West („The House of the Devil“, „The Innkeepers – Hotel des Schreckens“) beispielsweise war er ein wichtiger Einfluss. Umso schlimmer, dass er in einschlägigen Listen der besten Horrorfilme so gut wie nie auftaucht und gerade hier in Deutschland so sträflich unbekannt ist.

Veröffentlichung: 27. September 2013 als DVD-Hartbox

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Burnt Offerings
USA 1976
Regie: Dan Curtis
Drehbuch: William F. Nolan, Dan Curtis, nach einem Roman von Robert Marasco
Besetzung: Karen Black, Oliver Reed, Burgess Meredith, Eileen Heckart, Lee Montgomery, Dub Taylor, Bette Davis, Joseph Riley, Todd Turquand, Anthony James
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur und Darstellern, Trailer, Filmografien
Vertrieb: NSM Records

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshots: © 2013 NSM Records

 
 

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Charlie’s Farm – Beim Bauern wird wieder geschlachtet

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Charlie’s Farm

Von Simon Kyprianou

Horror // Ein paar Freunde (u. a. Tara Reid, Allira Jaques, Sam Coward) planen einen Wochenendtrip ins Hinterland. Dort wollen sie einem alten Mythos von einer Familie auf einer einsamen Farm nachspüren. Die Familie soll Jahrzehnte zuvor junge Mädchen verschleppt und getötet haben, und so wurde sie eines Nachts von den Dorfbewohnern gelyncht. Nur der junge Sohn Charlie habe überlebt. Der vermeintliche Mythos entpuppt sich schnell in als ziemlich wirklich, und so wird die Gruppe rasant dezimiert.

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Charlie hat schlechte Laune

Der australische Genrebeitrag „Charlie’s Farm“ spielt mit düsteren ruralen Mythen und lässt die unbedarfte Jugend mit den inzestuösen, pervertierten Hinterländlern kollidieren. Man merkt deutlich in diesem Film – wie in beinahe jedem ähnlich gelagerten Backwoods-Horrorfilm –, dass der Einfluss von „Blutgericht in Texas“ („The Texas Chain Saw Massacre“, 1974) auf das Horrorgenre gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Und das, obwohl kaum ein Film, der in dessen Fahrwasser entstand, jemals dessen ästhetischen, politischen oder inhaltlichen Terror erreicht hat, mit dem Tobe Hooper in den 70ern eines der wichtigsten Werke einer jungen Generation wütender Horrorfilmer schuf.

Netter Anfang, Splatter-Ende

„Charlie’s Farm“ beginnt schön, und erzählt in sonnengebleichten Bildern ohne Schnörkel, ganz geradeheraus seine klassische Genre-Geschichte. Erfreulich: Regisseur Chris Sun versucht sich daran, das Genre ganz aufrichtig zu bedienen, er bricht es nicht etwa mit postmoderner Ironie, wie das in letzter Zeit so oft zu bemerken ist. Sun nimmt das Genre zum Glück ganz ernst. Wenn das Monster dann aber in der zweiten Filmhälfte seine Auftritte hat, und sich „Charlie’s Farm“ in tumbem Gore verliert, verspielt der Film seine immerhin ganz nette erste Hälfte und wird zum dämlichen Rumgemetzel, der dann leider doch nur für anspruchslose Splatter-Fans taugt – wenn überhaupt. Immerhin hat ihn die FSK ungekürzt passieren lassen. Horror verspürt man aber leider keinen, wenn das bescheuert aussehende Monster Blutfontänen sprühen lässt.

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Das bekommen Natasha und ihre Freunde zu spüren

Die Besetzung ist auf einem B-Level durchaus prominent: Als titelgebender Farmer ist der australische Ex-Wrestler Nathan Jones zu sehen. In Gastrollen geben sich Bill Moseley („Haus der 1000 Leichen“, „TDR – The Devil’s Rejects“) und Kane Hodder aka Jason Voorhees aka Victor Crowley die Ehre. Wenn das nichts ist.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tara Reid haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Bill Moseley unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 30. Oktober 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Charlie’s Farm
AUS 2014
Regie: Chris Sun
Drehbuch: Chris Sun
Besetzung: Tara Reid, Nathan Jones, Kane Hodder, Bill Moseley, Madeleine Kennedy, Dean Kirkright, Cameron Caulfield, Allira Jaques, Genna Chanelle Hayes
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Die Filme von Chris Sun, Interview mit Chris Sun
Introducing Allira Jaques, Kane Hodder: Welcome to Australia, TV-Teaser, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Concept Art – Slideshow, Wendecover mit alternativem Motiv
Vertrieb: Al!ve AG

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Charlie macht mit ihnen kurzen Prozess

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2015 Al!ve AG / Meteor Film

 

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