RSS

James Bond 007 – Simon über seine Favoriten (II)

03 Nov

James_Bond-In_toedlicher_Mission-Cover James_Bond-Ein_Quantum_Trost-Cover

Der Agent mit der Lizenz zum Töten

Von Simon Kyprianou

Agenten-Abenteuer // Heute geht es weiter mit meiner ganz subjektiven Würdigung meiner liebsten James-Bond-Filme.

„In tödlicher Mission“ („For Your Eyes Only“, 1981) allerdings ist zweifellos der beste Bond-Film mit Roger Moore, ein wahnwitziges, ultrabrachiales Action-Erlebnis. Ein Film der sich von Actionszene zu Actionszene, von Happening zu Happening hetzt, der zu Lande, zu Wasser, unter Wasser, auf Skiern in Eis und Schnee, an steilen Klippen immer nach der großen, ausladenden Geste strebt – alles muss größer, besser, gefährlicher und aufregender sein. Selten war ein James-Bond-Film mehr unvergessliche Attraktion, mehr schwindelerregendes Erlebnis.

James_Bond-In_toedlicher_Mission-1

In tödlicher Mission: Roger Moore als Bond

Für John Glen war es die erste von fünf Regiearbeiten. Er inszeniert „In tödlicher Mission“ nach dem vorhergehenden quatschigen Weltraum-Irrsinn von „Moonraker – Streng geheim“ („Moonraker“, 1979) wieder wesentlich seriöser und vor allem in den hochkinetischen Action-Szenen, die von Alan Humes dynamischer Kamera wunderbar kompetent abgefilmt werden, sehr souverän. Roger Moore fühlt sich hier in der Rolle merklich wohler als je zuvor, erst in diesem Film wird er wirklich zu James Bond.

James_Bond-Lizenz_zum_Toeten-Cover

In „Lizenz zum Töten“ („Licence to Kill“, 1989) zeigt sich deutlich, dass die Bond-Filme mit Timothy Dalton bereits das versucht haben, was die mit Daniel Craig Jahrzehnte später vollenden: die Motivation zu den Ereignissen auf das Innenleben der Figur zu richten, mit der Illusion vom exotischen und glamourösen Agentenleben zu brechen und die Reihe zu erden. „Lizenz zum Töten“ zeigt einen Amok laufenden, vor Wut berstenden James Bond, dessen Handeln längst nicht mehr durch den Staat institutionell überwacht werden kann. Das Monster wird von der Kette gelassen und John Glen lässt es toben und wüten in diesem Gewaltfilm.

James_Bond-Lizenz_zum_Toeten-1

Lizenz zum Töten: Timothy Dalton – als Bond zu Unrecht nicht immer wohlgelitten

Es ist ein wüster, schmutziger Albtraum voller Folter, unverhohlenem Sadismus, Blut und Gore, der sich in der zweiten Hälfte zum tosenden Kampf zweier animalischer, in ihrem Ego ertrinkenden Männer ausweitet (Bond und sein von Robert Davi verkörperter Gegenspieler), während die gnadenlose südamerikanische Sonne Glens Bilder in gleißendes Licht taucht. Zum Ende mündet „Lizenz zum Töten“ in eine grandios geschnittene, beachtlich inszenierte Verfolgungsjagd, die den Film endgültig zum brachialsten und vielleicht auch ehrlichsten aller Bond-Filme veredelt.

Daniel Craig – als Bond ein Unsympath?

„Casino Royale“ (2006) ist ein wunderbarer Actionthriller und war für die Reihe bitter nötig, nach dem eher enttäuschenden Abschluss der Brosnan-Ära mit „Stirb an einem anderen Tag“ („Die Another Day“, 2002). Brosnan konnte der Bond Figur nie wirklich Ecken und Kanten verleihen, nie wirklich Tiefe geben, bei ihm war Bond nicht mehr als eine aalglatte Killermaschine. Daniel Craigs Interpretation der Figur ist von Anfang an die eines Unsympathen, der an seinem Ego und seinem Ehrgeiz zerbricht, also schon mal wesentlich interessanter.

James_Bond-Casino-Royale-Cover

In „Casino Royale“ finden die Bond-Verkörperungen von George Lazenby und Timothy Dalton zusammen – sie werden dort zu einer Einheit. Der Film besitzt ausgemacht schöne, handwerklich beeindruckende, größtenteils handgemachte, hochkinetische Actionszenen, etwa die Sequenzen auf der Baustelle und dem Flugfeld. Im Casino, wo der Mittelteil des Films stattfindet, inszeniert Martin Campbell einen herrlich eleganten Paranoia-Thriller, in dem die Action in einer großartigen Kampfszene fast unangenehm körperlich wird. Das letzte Drittel will dann beinahe nicht richtig zum Film passen: ein sommerlicher, flirrender Fiebertraum in Venedig, sonderbar losgelöst vom Rest des Films, wo die Paranoia in den dunklen Gassen, ihren Höhepunkt findet. Am Ende fallen Häuser und Seelen in sich zusammen und zum ersten Mal seit „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ („On Her Majesty’s Secret Service“, 1969) muss Bond wieder in seinen persönlichen Abgrund schauen.

James_Bond-Casino-Royale-1

Casino Royale: Mit Daniel Craig (l.) zu einem neuen Bond-Hoch

Die Emanzipation des Bond-Girls, von der in der Filmkritik zum Start teilweise die Rede war, ist zwar nicht ganz falsch, aber natürlich nicht so konsequent, wie man sich das vielleicht wünschen würde. So kann Eva Green, die ganz wunderbar spielt, Bond die meiste Zeit über Paroli bieten, in den entscheidenden Momenten zwingt das Drehbuch sie dann aber doch zum Einknicken, macht sie zum trostbedürftigen, schwächelnden Charakter. Aber am Ende kann sie die Oberhand über den Film zurückerobern und Bond in einen Abgrund aus blinder Wut und quälender Ungewissheit stürzen – zwei Gefühle, die den folgenden „Ein Quantum Trost“ („Quantum of Solace“, 2008) prägen.

Gebt „Ein Quantum Trost” die Chance zum Wachsen!

„Ein Quantum Trost“ wurde von der Filmkritik und dem Publikum eher verhalten aufgenommen und gilt unter den bisher drei Bond-Filmen mit Daniel Craig als der am wenigsten gelungene. Dabei ist Marc Fosters („World War Z“) Ansatz nur konsequent. Nach dem Ende von „Casino Royale“ – der Bond als gebrochenen, vor allem aber zornigen Mann zurücklässt – schleudert uns Foster ohne Exposition ins Geschehen und liefert konsequente Bilder: schnelle Schnitte, eine ruhelos wackelnde Kamera, die Form kehrt Bonds Innerstes nach außen. Seine Ruhelosigkeit und sein Zorn schlagen sich in den fragilen, zerrissenen, vor Kinetik berstenden Bildern nieder. Ein Monster, das sich vor schäumender Wut überschlägt und die Welt um ihn herum dabei in Stücke reißt. Vielleicht war Fosters Ansatz zu eigenwillig für eine derart im Mainstream verankerte Filmreihe, hoffentlich wird man den Film in einigen Jahren aber doch noch zu schätzen lernen.

Bleibt ein Bond-Film, der meiner Ansicht nach als unterschätzter Beitrag der Reihe eine etwas umfangreichere Betrachtung verdient hat. Welcher mag das sein? Wer nicht schon drauf gekommen ist, erfährt es bei vnicornis, wo ich ihn ausführlich vorstelle.

Zum ersten Teil meiner Gedanken über meine Bond-Favoriten geht’s hier.

James_Bond-Ein_Quantum_Trost-1

Ein Quantum Trost: Gnadenlos und dennoch Mensch – Daniel Craig als Bond (r.)

Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2015 The James Bond Blu-ray Collection © 2015 Danjaq, LLC and Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. TM Danjaq, LLC. All Rights Reserved.

 
 

Schlagwörter: , , , , , , ,

4 Antworten zu “James Bond 007 – Simon über seine Favoriten (II)

  1. belmonte

    2015/11/03 at 19:54

    Grandiose Best-Bond-Zusammenstellung, sehr gerne gelesen.

    Auswahl bleibt ja immer subjektiv. Ich tausche „Quantum of Solace“ mit „From Russia with Love“ aus, und schon lande ich bei meinen eigenen Favoriten.

    Da ich sehr früh alle Romane gelesen habe, zum Teil noch vor den Filmen, die in Deutschland, soweit ich mich erinnere, irgendwann in den Achzigern ins Fernsehen kamen, war für mich immer die Nähe zum Roman sehr wichtig. Daher finde ich „From Russia with Love“ oder „On Her Majesty’s Secret Service“ so klasse, Moonraker dagegen vergleichsweise schwach, der ja kolossal vom Roman abweicht, welcher allen Stoff für einen tollen Bondfilm abgegeben hätte. (Müsste eigentlich erneut verfilmt werden.)

    Ausnahme „The Spy Who Loved Me“: Als Film noch weiter vom Roman entfernt, dessen Story aber wirklich komplett aus der Reihe fällt. Film ist dennoch ganz fabelhaft.

     
    • Simon Kyprianou

      2015/11/07 at 11:23

      Ist mir auch schwer gefallen „Liebesgrüße aus Moskau“ rauszulassen, mag den auch sehr gerne. Wollte aber nicht zu viele Filme in der Zusammenstellung nennen, da ja eine Auflistung der Favoriten immer mit Beschränkungen einhergeht.

       

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

 
%d Bloggern gefällt das: