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James Bond 007 – Spectre: Der Held wird zum Mythos

04 Nov

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Spectre

Kinostart: 5. November 2015

Von Florian Schneider

Agenten-Abenteuer // Da ist er nun also, der voraussichtlich letzte Bond-Film mit Daniel Craig. Warum es meiner Meinung nach sogar mit Sicherheit sein letzter sein wird, sollte am Ende dieses Textes klar geworden sein.

Retrospektiv betrachtet ist mit „Spectre“ der große Masterplan hinter den vier Filmen klar zu erkennen, und es ist tatsächlich erstaunlich, wie klug diese Quadrologie, vor allem aus einer filmtheoretischen Perspektive, konzipiert ist und wie stimmig die einzelnen Teile aufeinander aufbauen.

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Wie immer unaufhaltbar: James Bond

Zum näheren Verständnis des Masterplans ein kurzgehaltener Exkurs in die Theorie der Genregeschichte:

Phase 1: Klassischer Genrefilm

Das Grundgerüst eines Filmgenres wird definiert, genrespezifische Handlungsmuster und Charaktere werden ausgearbeitet, eine genre-immanente Filmsprache etabliert sich.

Phase 2: Fortschreibung des klassischen Genrefilms

In dieser Phase finden die in Phase 1 gelernten Muster ihre Anwendung und erfahren erste Steigerungen und Radikalisierungen, etwa bezüglich einer Stereotypisierung der Charaktere oder einer Fokussierung auf bestimmte Handlungselemente.

Phase 3: Moderner Genrefilm

Zahlreiche Elemente des klassischen Genrefilms sind stark radikalisiert, Narration und Bildsprache unterliegen einer starken Selbstreflexion – der moderne Genrefilm ist in hohem Maße selbstreferenziell. Zahlreiche etablierte Handlungsmuster werden in übersteigerter Form dargeboten oder an ein historisches Ende gebracht, so zum Beispiel im Western beim Abgesang an den Wilden Westen und seinem klassischen Verständnis von Gut und Böse.

Phase 4: Postmoderner Genrefilm

Mit dem modernen Genrefilm ist die Fortschreibung der Genregeschichte an ein historisches Ende gekommen. Was in der postmodernen Phase geschieht, ist posthistorisch und damit mythisch, rein selbstreferenziell und oftmals stark ironisiert.

Wunderbarerweise arbeiten sich die Macher der letzten vier Bondfilme, also der Filme mit Daniel Craig als 007, beinahe sklavisch an diesem Schema ab.

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Ein Bond-Girl wie aus dem Bilderbuch: Madeleine Swann

„Casino Royale“ ist der Prototyp eines klassischen Agentenfilms. Als hätte es keinen Bond-Film vorher gegeben, wird unser Held als 007-Agent erst inthronisiert und von seiner Genre-Umgebung in seiner Handlungsweisen und charakterlich geprägt.
In „Ein Quantum Trost“ kennen wir diesen speziellen James Bond bereits, auch er selbst scheint zu wissen, was ihn im Lauf der Handlung erwartet. In Bezug auf die gesamte Serie ist „Ein Quantum Trost“ damit stereotyp und von den Filmen der Quadrologie damit vielleicht folgerichtig der einzige langweilige Stinker (vergleichbar mit den Dalton- und teilweise auch mit den Brosnan-Filmen in der Gesamtserie).

Mit „Skyfall“ an sich am Ende angelangt

„Skyfall“ hingegen führt die mit „Casino Royale“ begonnene Geschichte eigentlich schon an ihr Ende und setzt damit voraus, dass die lediglich mit „Ein Quantum Trost“ praktizierte Fortschreibung der klassischen Geschichten tatsächlich viel umfangreicher ist – was sie ja mit den Bond-Filmen vor der Ära „Craig“ im Bewusstsein der Zuschauer auch wirklich ist. Über diesen Umweg funktioniert das Bild eines in die Jahre gekommenen und müden Helden, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird und daran beinahe zugrunde geht.

Mit „Spectre“ in die Postmoderne

„Spectre“ wiederum hat diesen Abgesang bereits hinter sich: Bond ist jetzt postmoderner Mythos, die „Bond-Frau“ ist (Léa Seydoux) lediglich eine Art Zitat zahlreicher bisheriger Gespielinnen unseres Helden, Bösewicht Oberhauser (Christoph Waltz) ist natürlich eine Inkarnation des bekanntesten Superschurken, der wahren Nemesis Bonds: Ernst Stavro Blofeld. Auch wird in „Spectre“ die Geschichte James Bonds nicht einfach durch eine weitere Handlungsvariante fortgeschrieben (oder wiederholt), vielmehr ist die gesamte Handlung gespickt mit Zitaten etlicher Vorgängerfilme und damit eigentlich eine Collage aus bereits Geschehenem und Gesehenem.

Oberhauser = Blofeld

Das ist auf einer Metaebene durchaus amüsant, aber natürlich für einen eigenständigen Film nicht ausreichend. Deshalb gibt es auch in „Spectre“ eine Art eigener Geschichte, in der Blofeld alias Oberhauser mit seinem Verbrechersyndikat (S.P.E.C.T.R.E) nicht nur versucht, sich an James Bond zu rächen und ihn dabei auf perfide Weise zu töten, sondern eine Art Weltherrschaft anstrebt, indem er die Kontrolle über ein gemeinsames Computernetzwerk aller bedeutenden Geheimdienste zu erlangen versucht. Auch das Ende ist übrigens ein Zitat aus einem früheren Bond-Film – aus welchem genau, wird hier selbstverständlich nicht verraten.

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Superschurke: Blofeld alias Oberhauser

„Spectre“ ist hinsichtlich seiner Bedeutung für die Quadrologie und damit für die Bond-Reihe insgesamt ein äußerst intelligenter Vertreter seiner Zunft, der außerdem mit hohen Schauwerten und überdurchschnittlichen Darstellern zu überzeugen weiß.

Und wie geht es jetzt weiter? Mein nicht allzu gewagter Tipp: Die Konsequenzen, die sich durch die Ära Daniel Craig ergeben haben, nämlich, dass die Geschichte unseres Helden mit „Skyfall“ zu Ende erzählt und mit „Spectre“ final resümiert wurde, diese Konsequenzen werden geflissentlich ignoriert werden und es wird wieder heißen: „Mein Name ist Bond, James Bond.“

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christoph Waltz sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 148 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Spectre
GB/USA 2015
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: John Logan, Neal Purvis, Robert Wade, Jez Butterworth
Besetzung: Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Ralph Fiennes, Monica Bellucci, Naomie Harris, Ben Whishaw, Andrew Scott, Rory Kinnear, Jesper Christensen
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2015 by Florian Schneider

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

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