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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – Der perfekte Nerd-Film

21 Nov

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Scott Pilgrim vs. the World

Schönes Jubiläum: Dies ist die 200. Gastrezension von Matthias Holm bei „Die Nacht der lebenden Texte“. Er hat sich aus diesem Anlass einen seiner Lieblingsfilme ausgesucht.

Fantasy-Action // Normalerweise versuche ich diesen Satz zu vermeiden – aber bei „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ stimmt er einfach: Entweder man liebt diesen Film oder man hasst ihn. Wer sich nach den ersten fünf Minuten fragt, was das alles soll, sollte sich schnellstmöglich einen anderen Film suchen. Wer aber bei dem 8-bit-Intro des Universal-Logos und dem Bandnamen Sex Bob-omb sein breites Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt, sei willkommen zu einer verrückten Coming-of-Age-Reise.

Messer oder Blumen?

Scott Pilgrim (Michael Cera) lebt in den Tag hinein. Er ist gerade „zwischen zwei Jobs“, wie er es selbst nennt, und will sein Liebesleben einfach halten. Also beginnt er, mit dem chinesischen Schulmädchen Knives Chau (Ellen Wong) auszugehen. Doch bald schon trifft Scott auf Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead). Die aparte Frau schafft es allmählich, Scott aus seinem Trott herauszuholen. Doch um Ramona wirklich für sich zu gewinnen, muss Scott vorher ihre sieben teuflischen Ex-Freunde besiegen.

Und das ist wörtlich zu nehmen. „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist nämlich eine Art filmgewordenes Videospiel. Überall gibt es Anspielungen auf berühmte Reihen wie „Legend of Zelda“ und „Final Fantasy“ oder Einblendungen, die direkt aus einem Videospiel kommen könnten. Da gibt es eine Combo-Einblendung, eine „Pee-Bar“ und fast alle Sounds werden wie in einem Comic visualisiert. Das grenzt in manchen Einstellungen gern mal an Reizüberflutung, allerdings fällt dem geneigten Zuschauer auf diese Weise bei jeder Wiederholungs-Sichtung immer etwas Neues auf.

Soundtrack vom Loser

Da ich gerade bei der Tonspur bin: Es gibt keinen Soundtrack, den ich wohl häufiger gehört habe. Jede Einstellung ist mit genau dem richtigen Lied unterlegt, seien es die Kampfszenen gegen die bösen Ex-Freunde, die Liebesszenen oder auch die Konzerte. Für die Songs von Scotts Band, deren Name eine Hommage an die Super-Mario-Spiele ist, zeichnet „Loser“ Beck verantwortlich. Und was würde ich nicht dafür geben, die Band mal wirklich live spielen zu sehen – mein Favorit: „Threshold“.

Während Scott versucht, das Mädchen seiner Träume rumzukriegen, muss er sich mit seinen eigenen Verflossenen auseinandersetzen. Das ist kein neues Motiv, doch in diesem Fall aber erfrischend originell umgesetzt. Und könnte jemand all diesen popkulturellen Wahnsinn besser auf die Leinwand bringen als der Schöpfer der Cornetto-Trilogie Edgar Wright? Vermutlich nicht. Das Drehbuch strotzt vor Zitate-würdigen Sprüchen und unvorhersehbaren Wendungen, dass es immer wieder aufs Neue eine Freude ist, den Film zu schauen. Und wenn ich unvorhersehbar sage, dann meine ich das auch hundertprozentig.

Munteres Stelldichein der Stars

Dazu dann noch dieses perfekte Casting. Michael Cera passt hervorragend in die Rolle des schludrigen Jungen, der aus keinem bekannten Grund einfach verdammt gut kämpfen kann. Mary Elizabeth Winstead sieht als Ramona nicht nur gut aus, sondern macht eine ähnliche Heldenreise durch wie Scott Pilgrim. Wer sich dann noch die Nebenrollen ansieht, kommt vermutlich aus den Staunen nicht heraus. Anna Kendrick, Aubrey Plaza, Brie Larson – durchaus angesehene Schauspieler. Auch bei den Ex-Liebhabern sind einige bekannte Gesichter dabei, wie zum Beispiel Chris Evans als schauspielender Skater, Brandon Routh als veganer Bassist und Jason Schwartzman als Musikproduzent.

Doch niemand, nicht einmal die Hauptfiguren, schafft es, gegen Kieran Culkin anzukommen. Der Bruder von Macaulay Culkin stiehlt als Scotts schwuler Mitbewohner Wallace Wells jede Szene, in der er auftritt. Nicht nur, dass er die witzigsten Sprüche in den Mund gelegt bekommt, obendrein ist er auch ein wichtiger Bestandteil von Scotts Reise.

Fast noch besser: Der Comic

Was den Film noch verrückter macht: Er kratzt nur an der Spitze des Eisbergs, den das Ursprungsmaterial darstellt. Tatsächlich ist „Scott Pilgrim vs. the World“ eine sechs Bände umfassende Comicreihe von Bryan Lee O’Malley. In der Vorlage geht der Autor naturgemäß viel stärker auf einzelne Figuren ein und die Kämpfe gegen die Geliebten von Ramona laufen ein wenig anders ab. Doch Wright weiß, dass er nicht alle Aspekte übernehmen kann, kürzt dort, wo es richtig ist, und zollt dem Original Respekt – die Comic-Männchen, die man im Film sieht, sind dem Original nachempfunden.

Nun sind bereits acht Absätze geschrieben, und trotzdem könnte ich noch weiter über „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ fabulieren. Er trägt bei mir das Etikett „Lieblingsfilm“. So vieles ist an diesem Film richtig, dass man ihm auch kleinere Nachlässigkeiten allzu gern verzeiht. Wer nach dieser Tirade denkt, der Film könne etwas für ihn oder sie sein – kauft ihn euch und den Comic gleich dazu! Wer sich allerdings schon nach dem ersten Absatz gefragt hat, was das für ein merkwürdiger Murks ist, sollte lieber die Finger davon lassen. Love it or leave it!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brie Larson sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. November 2012 als Blu-ray im Steelbook, 19. Januar 2012 als Blu-ray, 24. Februar 2011 als DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kantonesisch, Koreanisch, Mandarin, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch
Originaltitel: Scott Pilgrim vs. the World
USA/GB/KAN/JAP 2010
Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Edgar Wright, Michael Bacall, nach einem Comic von Bryan Lee O’Malley
Besetzung: Michael Cera, Mary Elizabeth Winstead, Ellen Wong, Alison Pill, Mark Webber, Johnny Simmons, Kieran Culkin, Anna Kendrick, Chris Evans, Mae Whitman, Brie Larson, Brandon Routh, Jason Schwartzman
Zusatzmaterial: Unveröffentlichte Szenen inklusive alternativem Ende, Scott Pilgrim vs. Die verpatzten Szenen, Filmkommentar mit Cast & Crew, Alternatives Material, Making-of, Galerien, Wendecover
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Matthias Holm

Packshots & Trailer: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

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Eine Antwort zu “Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – Der perfekte Nerd-Film

  1. xsehu

    2015/11/26 at 11:58

    grandioser Film 😀

     

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