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Dario Argento (I): Opera – Terror in der Oper

27 Nov

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Opera

Mit dieser Rezension beginnt bei „Die Nacht der lebenden Texte“ eine Reihe mit Filmen des italienischen Regisseurs Dario Argento. Wir werden in unregelmäßiger Abfolge einige Arbeiten des Horror-Großmeisters vorstellen.

Von Simon Kyprianou

Horrorthriller // Nach dem Unfall einer berühmten Filmdiva muss die Zweitbesetzung, die junge Betty (Christina Marsillach) ihre Rolle in Verdis Oper „Macbeth“ übernehmen. Der Oper wird nachgesagt, auf ihr liege ein Fluch, der die Künstler mit Unheil straft. Der vom Horrorfilm stammende Regisseur Marco (Ian Charleson) will die Oper unbedingt mit lebenden Raben inszenieren. Bald schon stürzt die Produktion tatsächlich ins Unheil: Ein Killer treibt sein Unwesen in der Oper, erste Leichen werden gefunden. Betty scheint dabei im Mittelpunkt seines Interesses zu stehen. Gefesselt und mit an die Augenlider geklebten Nadeln zwingt er sie, seine Morde zu beobachten. Er dringt sogar bis in Bettys Privatwohnung vor. Die Polizei rund um Inspektor Santini (Urbano Barberini) tappt im Dunkeln. Zusammen mit Marco will Betty den Killer finden.

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Der Killer zwingt Betty zum Hinsehen …

Dario Argento hat reichlich schöne Filme gemacht: „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“, „Suspiria“, „Rosso – Die Farbe des Todes“, „Phenomena“, „Das Stendhal Syndrom“ – um nur einige zu nennen. „Terror in der Oper“, so ein alter deutscher Verleihtitel, ist unter ihnen der schönste. Noch betörender, rauschender und selbstbewusster inszeniert als „Suspiria“. Eine Reflexion über das Horrorkino, das seine Zuschauer zum Hinsehen und Ertragen zwingt, vielleicht auch eine Reflexion über die Zuschauer, die sich selbst zum Hinsehen zwingen.

Nadeln zwingen zum Hinschauen

Dieses Hinsehenmüssen im Horrorkino übersetzt Argento in das bekannte Bild mit den Nadeln vor den Augen. Kaum einem Motiv in der Geschichte des Horrorfilms wohnt ein derart unmittelbarer Schrecken inne. In letzter Konsequenz ist „Terror in der Oper“ auch eine Bestätigung der Notwendigkeit und Schönheit eines solchen Kinos.

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… während er seine brutalen Morde verübt

Inszenatorischer Höhepunkt: die Szene, in der Argento im Opernhaus Vögel freilässt und mit der Kamera ihre Perspektive annimmt. Die Kamera gleitet dann elegisch durch den Raum, vorbei an schreckensverzerrten Fratzen, der Zuschauer verschmilzt endgültig mit dem Film. Wie stets bei Argento hat die unheilvolle Atmosphäre etwas Allgegenwärtiges, etwas unangenehm Lauerndes. Die banalsten Dinge, Telefonzellen oder Türschlösser, verwandelt Argento von einer Sekunde zur nächsten in schreckliche Brutstätten des Übels.

Reflexion über das Final Girl

Auch ist „Terror in der Oper“ eine der interessantesten Reflexionen über die im Horrorfilm zentrale Beziehung zwischen Killer und Final Girl, die ja oftmals (meist fälschlicherweise) als misogyn, bzw. konservativ gedeutet wird. Das Ende ist dann purer Wahnsinn, fast komplett losgelöst vom Rest des Films liefert Argento einen letzten großen Schock. „Terror in der Oper“ ist das Meisterwerk eines Meisters; nicht nur eines Meisters des Horrors, sondern eines Meisters des Kinos.
Koch Media brachte den Film, der jahrzehntelang auf dem Index stand, nun endlich in einer adäquaten Ausgabe im schönen Mediabook heraus. Als Extras sind ein Audiokommentar von Dr. Marcus Stiglegger und Kai Naumann, Interviews mit einigen am Film Beteiligten sowie ein 16-seitiges Booklet vorhanden. Einige Monate zuvor hat Koch Media auch schon Argentos ersten Film „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ ebenfalls im schmucken Mediabook veröffentlicht. Meiner Sichtung lag die DVD zugrunde, die ein wunderbares Bild liefert.

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Dabei geht er nicht gerade zimperlich vor

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Dario Argento sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 24. November 2015 als 3-Disc-Mediabook (1 Blu-ray, 2 DVDs)

Länge: 107 Min. (Blu-ray), 103 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Opera
Alternativtitel: Terror in der Oper / Im Zeichen des Raben
IT 1987
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Besetzung: Cristina Marsillach, Ian Charleson, Urbano Barberini, Daria Nicolodi, Coralina Cataldi-Tassoni, William McNamara, Barbara Cupisti, Antonella Vitale
Zusatzmaterial: Originaltrailer (deutsch, englisch, italienisch), Exportfassung in HD, neue exklusiv produzierte Interviews mit Regisseur Dario Argento, Komponist Claudio Simonetti, Autor Franco Ferrini und Special Effect Supervisor Sergio Stivaletti, Q&A mit Argento, Ferrini und Lamberto Bava, Audiokommentar mit Markus Stiglegger und Kai Naumann, Musikvideos, 16-seitiges Booklet von Oliver Nöding
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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