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Die Teuflischen von Mykonos – Sex und Mord in der Ägäis

05 Dez

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Ta paidia tou Diavolou

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Mykonos – griechische Perle in der südlichen Ägäis. Die Kykladeninsel ist das Ziel von Christopher und Celia (Robert Behling, Jane Lyle). Das Pärchen lässt sich erst einmal eine Bleibe vermitteln, um es dann schamlos in einer Telefonzelle zu treiben – während eines Telefonats mit Christophers Mutter, die im fernen London das unsittliche Gebaren ihres Nachwuchses mit anhören muss. Böser Junge! Als Celia am nächsten Morgen nicht gleich wieder willig ist, nimmt sich der Bursche ein Zicklein vor. Anschließend murkst er es ab. Ob er Angst vor dessen Zeugenaussage hatte? Tote Tiere reichen ihm schnell nicht mehr aus. Er hat es auf „Perverse“ abgesehen – oder wen er dafür hält. Celia geht ihm gern zur Hand.

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Der Maler bekommt einen Satz heiße Ohren

Ein mehr als obskurer Film ist das, den OFDb Filmworks da ausgegraben und in prachtvoller 2K-Restaurierung auf Blu-ray und DVD gepresst hat – unter tätiger Mitwirkung von Regisseur Nico Mastorakis, der die Scheiben auch mit einem charmanten Grußwort einleitet („OFDb – whom I call the good people for nasty movies“). Selten sind Sex und Mord eine derart sleazige Verbindung eingegangen. Hm – vielleicht doch nicht so selten, das europäische Exploitation-Kino der 70er-Jahre hat ja etliche sonderbare Produktionen hervorgebracht. Aber Ihr versteht, was ich meine, nicht wahr?

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Auch dem Dorfschwulen geht es an den Kragen

Künstlerischen Ehrgeiz hatte Mastorakis nicht gerade: Die Sichtung von „The Texas Chainsaw Massacre“ und dessen Erfolg motivierte ihn, zum Geldverdienen ebenfalls einen gewalthaltigen Film zu inszenieren, wie er selbst zugegeben hat. Auf die ausgiebige Zurschaustellung von Gewalt erstrecken sich die Gemeinsamkeiten allerdings schon, also unterlassen wir die Vergleiche. Das texanische Hinterland und die griechische Urlaubsinsel könnten unterschiedlicher kaum sein (hoppla – doch noch einen Vergleich gezogen).

Warnung: zwei Absätze Spoiler

An originellen Ideen hat es dem griechischen Regisseur jedenfalls nicht gemangelt. Da wird schon mal ein Maler erst verführt, dann am Boden festgenagelt und bekommt im Anschluss die Farbe zu saufen, mit der er an sich eine Kapelle streichen wollte. An der Wand verspritzte Hirnmasse ist klar als Metapher für eine Ejakulation inszeniert – ein Blowjob mit einem Revolverlauf ging dem unappetitlichen Schwall voraus.

Später knüpft das Pärchen einen die beiden verfolgenden englischen Polizisten (Gerard Gonalons) in der Luft am Kleinflugzeug auf und befördert ihn alsbald in die Tiefe – eine herrlich ausgewalzte Szene („Hoffentlich ist seine Uhr auch wasserdicht“). Diese aufrichtige Freude von Christopher und Celia, als ihr Jäger den Halt verliert – lieblich. Danach sucht das Duo eine reiche blonde Matrone auf, die den Burschen nachdrücklich auffordert, ihr zu Willen zu sein. Dass er ihr aus heiterem Himmel eine „Golden Shower“ angedeihen lässt, entsetzt sie anfangs, doch dann findet sie Gefallen daran. Ihre Freude währt allerdings nur kurz – bis Christopher härtere Bandagen anlegt. Die Schaufel eines Bulldozers weiß er am Hals der Dame versiert einzusetzen. Am Ende findet aber auch er seinen Meister.

Inselidyll und Gewaltexzess

Ihr merkt schon: Es geht ans Eingemachte. „Island of Death“, so ein internationaler Vertriebstitel, zeigt viel nackte Haut und dazu passende zwischenmenschliche Aktivität nebst recht gnadenlos daherkommender, bisweilen lakonischer Gewalt. Mitleid haben Christopher und Celia jedenfalls keines, das unschuldige Gesicht der jungen Blondine täuscht doch sehr. Die idyllischen Bilder von Mykonos – gedreht wurde am Originalschauplatz – und der locker-flockige 70er-Score bilden zudem einen starken Kontrast zur heftigen Exploitation-Handlung.

Als Skandalfilm kann man das heute natürlich nicht mehr bezeichnen. Einige weniger hartgesottene Filmgucker würden aber womöglich doch empört sein. Aber für die ist „Die Teuflischen von Mykonos“ auch nicht gemacht. Ob der Film bei Exploitation-Fans schon lange gesucht ist oder als vergessene Perle (na ja) der Entdeckung harrt, kann ich nicht sagen. Eine spannende Veröffentlichung ist’s allemal, die ihre Zielgruppe finden sollte.

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Ob er sich noch lange halten kann?

Die Ausstattung kann sich sehen lassen: Nicht nur, dass das üppige Bonusmaterial (siehe unten) dazu einlädt, umfassende Blickwinkel auf den Film einzunehmen, das in zwei Covervarianten à 750 Exemplare daherkommende Mediabook ist auch noch äußerst ansprechend aufgemacht. Im Booklet findet sich ein lesenswerter Essay über das griechische Ex- und Sexploitation-Kino jener Zeit – samt einer feinen Jagdliste mit einigen Titeln, die es zu entdecken lohnt. Ich weiß zwar nicht, ob ich mich wirklich auf die Jagd begeben werde, aber dieser Service ist vorbildlich.

Sage niemand, ich hätte euch nicht gewarnt

Die große Hartbox mit Blu-ray und DVD dürfte dank Miniauflage von 175 Exemplaren zügig vom Markt verschwinden. Wer nicht aufpasst, geht am Ende auch bei den Mediabooks leer aus. Aber da nicht jeder Filmfan 30 Euro und mehr in einen billigen 70er-Jahre-Gewaltexzess investieren will, ist „Die Teuflischen von Mykonos“ auch in herkömmlichen Blu-ray- und DVD-Editionen erschienen. Jedenfalls kann ich vom Kauf abraten und den Erwerb gleichzeitig empfehlen: Wer sich von meinen Zeilen abgestoßen fühlt, möge den Film meiden wie der Teufel das Weihwasser. Für alle die neugierig geworden sind: Zuschlagen, Leute! Speziell die Mediabook-Edition sucht ihresgleichen und sticht sogar die englische Veröffentlichung vom tollen Label Arrow Video aus.

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Im Heu geht’s rund!

Veröffentlichung: 27. November 2015 als Blu-ray und DVD sowie große Hartbox (inkl. Blu-ray und DVD, limitert auf 175 Exemplare), 20. November 2015 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & 2 DVDs, zwei Covervarianten, limitiert auf jeweils 750 Exemplare)

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
SPIO/JK: keine schwere Jugendgefährdung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Ta paidia tou Diavolou
Alternativtitel: Island of Death
Frühere deutsche Vertriebstitel: Devil’s Island – Die Insel des Schreckens / Die Teuflischen der Insel
GR 1976
Regie: Nico Mastorakis
Drehbuch: Nico Mastorakis
Besetzung: Robert Behling (als Bob Belling), Jane Lyle (als Jane Ryall), Jessica Dublin, Gerard Gonalons, Jannice McConnell, Ray Richardson, Marios Tartas, Efi Bani, Clay Half, Nikos Tsachiridis
Zusatzmaterial: „Exploring Island of Death“ – Filmhistoriker Stephen Thrower über die Entstehung eines Kult-Klassikers, „Return to Island of Death“ – Nico Mastorakis kehrt an die Originalschauplätze auf Mykonos zurück, alternative Eröffnungssequenzen, Island Sounds – fünf Tracks aus dem Soundtrack von Island of Death, Original Kinotrailer, Deutscher Trailer, Einführung von Nico Mastorakis zur deutschen Blu-ray-Premiere, Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger, Aushangfotos und Plakat der deutschen Kino-Erstaufführung, nur Mediabook: Interview mit Nico Mastorakis, „The Films of Nico Mastorakis“ – 4-teilige Dokumentation über das filmische Schaffen von Nico Mastorakis, Nico Mastorakis Trailerschau, Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch
Vertrieb: OFDb Filmworks

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Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 OFDb Filmworks

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