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The Leopard Man – Letzter Streich der grandiosen Lewton-Tourneur-Dreifaltigkeit

05 Dez

The Leopard Man

Von Volker Schönenberger

Horror // Das Subgenre des Serienkillerfilms nahm erst in den 60er- und 70er-Jahren langsam Fahrt auf, um in den 80ern dann richtig durchzustarten. Zwar hatte der deutsche Film mit Robert Wienes „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920) und Fritz Langs „M – Eine Stadt jagt einen Mörder“ (1931) früh vorgelegt und auch Alfred Hitchcock lange vor „Psycho“ (1960) mit „Der Mieter“ (1927) und „Im Schatten des Zweifels“ (1943) Duftmarken gesetzt; dennoch mordeten die Unholde im klassischen Kino nur vereinzelt in Serie.

Tierhorror oder Monsterfilm? Von wegen

Jacques Tourneurs „The Leopard Man“ von 1943 wurde seitens der Kritik selten dem Serienkillergenre zugerechnet. Auch ich dachte vor meiner ersten Sichtung des Films eher an einen Monster-Horrorfilm, zumal das produzierende RKO-Studio mit dem Titel zweifellos auf den Zug des 1941er-Universal-Erfolgs von „The Wolf Man“ aufspringen wollte. In der ersten Hälfte führt der bei uns nie veröffentlichte „The Leopard Man“ die Zuschauer gar auf die Tierhorror-Fährte. Das liegt am im Film vorkommenden schwarzen Leopard, übrigens derselbe, der ein Jahr zuvor auch in Tourneurs „Katzenmenschen“ mitgewirkt hatte.

Das Tier wird von Nachtclub-Besitzer Jerry Manning (Dennis O’Keefe) angeschafft, damit seine Sängerin Kiki (Jean Brooks) ihre Auftritte spektakulärer gestalten kann. Dank deren sich zurückgesetzt fühlender Konkurrentin Clo-Clo (Margo) entkommt das verschreckte Tier in den Abend von New Mexico. Bald wird eine übel zugerichtete Frauenleiche gefunden.

Aus wenig Geld viel gemacht

Die dritte und letzte Zusammenarbeit von Regisseur Jacques Tourneur und Produzent Val Lewton nach „Katzenmenschen“ und „Ich folgte einem Zombie“ lebt wie die beiden Vorgänger von der Kameraarbeit und der formidablen Nutzung von Licht und Schatten. Das geringe Budget von 150.000 US-Dollar sieht man ihm nicht unbedingt an.

Eine Frau gerät in Panik, als sie spätabends allein auf dem Friedhof etwas herannahen hört – auf einem Baum rascheln die Blätter eines großen Astes zu sehr, als dass es vom Wind kommen kann. Eine Frau pocht aus Angst vor der Bestie panisch an die Tür, hinter der ihre kaltherzige Mutter zu beschäftigt ist, um zu öffnen. Wie man Spannung erzeugen und Furcht abbilden kann, ohne die Bedrohung tatsächlich zu zeigen, gelingt Tourneur in einigen Szenen auf beeindruckende Weise.

The Val Lewton Horror Collection

Das erreicht insgesamt nicht ganz die Intensität der beiden anderen Tourneur-Lewton-Kollaborationen, dennoch wird es höchste Zeit, dass sich in Deutschland ein Publisher dieses feinen Gruslers annimmt, um ihn hierzulande zugänglich zu machen. Da offen ist, ob es je dazu kommen wird, sei auf die tolle 5-DVD-Box „The Val Lewton Horror Collection“ hingewiesen, die 2005 in den USA erschienen ist und neun Filme aus dem nur 14 Filme umfassenden Produzenten-Œuvre Lewtons enthält, darunter die drei erwähnten Tourneurs. Leider ist die Box vergriffen, im Gebrauchthandel aber zu finden, wenn auch bisweilen etwas teuer. Beachtet, dass die DVDs keine deutsche Tonspur enthalten und nur in Playern laufen, die den nordamerikanischen Regionalcode akzeptieren!

Mehr über die Produzentenlegende

Eine sehenswerte Doku über Val Lewton ist 2007 unter dem Titel „Val Lewton: The Man in the Shadows“ entstanden. Kein Geringerer als Martin Scorsese berichtet darin fachkundig über den Produzenten mit der kleinen Filmografie und dem großen Einfluss aufs Spannungskino. In der mittlerweile leider vergriffenen Ausgabe #12 von „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ mit dem Titelschwerpunkt Horror findet sich ein von mir verfasster Beitrag über ihn. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jacques Tourneur sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung (USA): 4. Oktober 2005 als Bestandteil der 5-DVD-Box „The Val Lewton Collection“ mit neun Spielfilmen und einer Doku

Länge: 66 Min.
Altersfreigabe: ungeprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Englisch, Spanisch, Französisch
Originaltitel: The Leopard Man
USA 1943
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Ardel Wray, nach Cornell Woolrichs Roman „Black Alibi“
Besetzung: Dennis O’Keefe, Margo, Jean Brooks, Isabel Jewell, James Bell, Margaret Landry, Abner Biberman, Tuulikki Paananen, Ben Bard
Zusatzmaterial: Audiokommentar von William Friedkin (Regisseur von „Der Exorzist“), Kinotrailer
Vertrieb: Turner Home Entertainment

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

 

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