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Knock Knock – Eli Roths tumbes Statement zum Fremdgehen

09 Dez

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Knock Knock

Kinostart: 10. Dezember 2012

Gastrezension von Simon Kyprianou

Horrorthriller // Evan Webber (Keanu Reeves) führt offenbar ein geregeltes Leben – mit Frau, zwei Kindern, einem schönen Haus, guten Freunden, einem guten Beruf. Als seine Familie übers Wochenende verreist und Evan allein daheim bleibt, um ungestört etwas Arbeit zu erledigen, klingeln abends zwei hübsche junge Frauen an seiner Tür. Bel (Ana de Armas) und Genesis (Lorenza Izzo) behaupten, zu einer Party gehen zu wollen, aber wohl die falsche Adresse notiert zu haben. Sie bitten um Asyl, bis ein Taxi an Ort und Stelle ist. Schnell wird klar, dass die beiden Mädchen Evan verführen wollen. Der hält anfangs stand, geht dann aber doch auf die Avancen der jungen Damen ein. Damit läutet er das schlimmste Wochenende seines Lebens ein.

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Unter einem Vorwand gelangen die Mädchen …

Der Mann geht fremd, lässt sich verführen und wird dafür aufs Schärfste bestraft – das ist mehr oder weniger die Moral, die Eli Roth uns eintrichtern will. Die beiden Frauen verführen ihn und machen ihn dann fertig. Nach und nach dreht Roth die Schraube ihrer Bestrafungen weiter an, ein sadistisches Konzept. Zugegeben, Eli Roth bezieht als Regisseur für keine der beiden Parteien eindeutig Stellung, aber er hinterfragt seine Geschichte als Regisseur auch nie, er versucht keinen Diskurs über Geschlechterrollen oder Ähnliches zu initiieren.

Sexuelles Verlangen muss bestraft werden

Und gerade wegen der fehlenden Reflexion durch den Regisseur ist „Knock Knock“ ein geradezu unmoralischer und sadistischer Film, weil er die Gräuel, die Bestrafung nur zeigt, sie aber nicht hinterfragt, und sich nicht positioniert. Es ist aber auch eine von Grund auf dümmliche Idee. „Knock Knock“ ist auch kein feministischer Film, eher das Gegenteil. Nein, der Mann wird bestraft, weil er seiner Sexualität nachgibt, es ist ein lustfeindlicher, verkappt konservativer Film, der sich in der Folge seinen Geschmacklosigkeiten unreflektiert hingibt. Männer sind Schweine, die über ihren Lümmel keine Kontrolle haben, und Frauen nur Abbilder männlicher Lust.

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… ins Haus von Evan …

Roths Filme waren immer von einer Menschenfeindlichkeit geprägt, ob in den beiden „Hostel“-Filmen oder jüngst in „The Green Inferno“. Der Regisseur hat ignorante Amerikaner mit dem Fremden konfrontiert und sie daran kaputtgehen lassen. Das war oftmals bissig, aggressiv und gewitzt und ließ immer Roths bedingungslose Liebe zum Horrorkino durchscheinen. Leider ist an „Knock Knock“ nichts Bissiges und nichts Gewitztes. Den Film kann man getrost auslassen. Freuen wir uns stattdessen eher auf die Veröffentlichung von „The Green Inferno“ – auch wenn im März 2016 nur die Kinofassung bei uns erscheint, immerhin ungeschnitten. Ob und wann der für Januar in den USA angekündigte Director’s Cut bei uns ebenfalls veröffentlicht wird, ist offen.

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… der bald ganz schön in der Tinte sitzt

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Keanu Reeves sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Knock Knock
USA/CHL 2015
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Nicolás López, Guillermo Amoedo
Besetzung: Keanu Reeves, Lorenza Izzo, Ana de Armas, Aaron Burns, Ignacia Allamand, Colleen Camp
Verleih: SquareOne/Universum

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Filmplakat & Fotos: © 2015 SquareOne/Universum

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2 Kommentare

Verfasst von - 2015/12/09 in Film, Kino, Rezensionen

 

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2 Antworten zu “Knock Knock – Eli Roths tumbes Statement zum Fremdgehen

  1. Simon Kyprianou

    2015/12/09 at 11:33

    Ich finde „Eine verhängnisvolle Affäre“ eigentlich nicht spießig (aber ich verstehe was du meinst, ist oft ein schmaler Grat zwischen spießig oder nicht-spießig bei diesem Thema). Aber „Knock Knock“ ist jedenfalls derart spießig und verklemmt, dass es wehtut.

     
  2. Fatherleft

    2015/12/09 at 09:32

    Wenn „Eine verhängnisvolle Affäre“ die Spießer-Variante von Clint Eastwoods „Play Misty for me“ ist, so scheint „Knock Knock“ die Spießer-Variante von „eine verhängnisvolle Affäre“ zu sein.

     

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