RSS

Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung: Viel besser als ihr Ruf

10 Dez

Star_Wars-Episode-I-Cover-SB

Star Wars: Episode I – The Phantom Menace

Von Simon Kyprianou

SF-Abenteuer // Es muss 1999 für viele Jedi-Jünger ein Schock gewesen sein, als „Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung“ in die Kinos kam, der wohl meisterwartete Film des Jahres oder gar des Jahrzehnts. Das hatte mit der Ur-Trilogie nicht mehr viel gemein. Nein, es war ein ganz neuer, so eigenständiger wie eigensinniger künstlerischer Ansatz.

Star_Wars-Episode-I-05

Die Jedi werden von der Handelsföderation nicht gerade warm empfangen

Die gierige Handelsföderation hat einen Pakt mit Darth Sidious geschlossen, dem schattenhaften Lord der Sith, und eine Handelsblockade um den Planeten Naboo errichtet. Die beiden Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) und Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) sollen die Bosse der Handelsföderation dazu bringen, die Blockade aufzulösen, doch der Sith-Lord befiehlt der Handelsföderation, die Jedi zu töten und Naboo zu besetzen.

Flucht von Naboo

In den Wirren der Invasion gelingt den Jedi gemeinsam mit Königin Amidala (Natalie Portman) die Flucht. Ihr Ziel: der aus einer gigantischen Stadt bestehende Planet Coruscant, Sitz des galaktischen Senats und des Jedi-Tempels. Dort hofft Amidala, das Parlament zu einem Beschluss gegen die Handelsföderation bewegen zu können. Ein Schaden am Raumschiff zwingt die kleine Schar zur Notlandung auf Tatooine. Auf dem Wüstenplaneten treffen die Flüchtlinge auf den jungen Anakin Skywalker (Jake Lloyd), bei dem Qui-Gon bemerkt, dass die Macht stark in ihm wirkt. Ihnen auf den Fersen ist jedoch bereits Darth Maul (Ray Park), Schüler von Darth Sidious.

Gebt dem Fan, was der Fan will? Von wegen

Schaut man sich aber „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ an, mit dem 1977 alles begann, bemerkt man, dass auch der ein eigensinniger, schroffer Film ist – allein schon die schrullige Exposition – näher am New Hollywood als am Blockbuster-Kino. „Krieg der Sterne“, so der ursprüngliche deutsche Verleihtitel, war ja nie als Blockbuster konzipiert und auch seine beiden Nachfolger behielten die künstlerische Eigensinnigkeit, scherten sich nicht um Fan-Service, schlugen wilde erzählerische Haken, gaben sich Pathos und Kitsch und herrlicher Kindlichkeit hin.

Star_Wars-Episode-I-04

In Bedrängnis: Amidala, Königin von Naboo

Die Episode I ist ein ganz neues Konzept des Kriegs der Sterne gewesen, aber sicher kein schlechtes. Dem Hass, der „Episode I“ getroffen hat und der bis heute bei vielen Fans der Ur-Trilogie nicht wirklich verflogen ist, kann man eigentlich ohnehin nichts Wirkungsvolles entgegensetzen, außer vielleicht Unverständnis. Wie will man auch einer derart erbitterten Ablehnung begegnen?

Dennoch: „Episode I – Die dunkle Bedrohung“ mag oberflächlich betrachtet eine Abkehr von der alten Trilogie sein, tatsächlich jedoch ist der Film deren aufrichtige und konsequente Weiterführung. Sicher nicht ohne Fehler: Die politische Geschwätzigkeit und die Computerspiel-Ästhetik stören etwas.

Ein Lichtschwertkampf par excellence

Dabei hat „Episode I“ so viel zu bieten: den kleinen Anakin mitten im großen Pod-Rennen, den vielleicht beeindruckendsten Lichtschwertkampf der Reihe, all die wunderbaren Sets in der Wüste, in der Stadt, im Wald und im Wasser. In der neuen Trilogie hat Lucas eine Soap Opera von Familiendrama geschaffen, voll herrlichem Pathos und aufrichtigem Kitsch. Leider konnte er mit diesem Konzept die Fans erst auf den letzten Metern mit der dritten, mühelos auf Augenhöhe mit der Ur-Trilogie stehenden Episode versöhnen. Dabei gab es eigentlich gar keinen Anlass, versöhnt werden zu müssen. Außerdem ist eine derart radikale Abkehr vom Ausgangsmaterial nur konsequent: Die Galaxis muss vor der Übernahme des Imperiums eine andere gewesen sein, als danach.

Star_Wars-Episode-I-03

Beim Pod-Rennen geht’s heiß her

„Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ ist das Werk eines ewig verkannten Auteurs, der seine schillernd bunte und dem Ausgangsmaterial gegenüber trotz aller oberflächlichen Unterschiede zutiefst aufrichtige Vision fernab von schnödem Fanservice mit dem nötigen Größenwahn und der nötigen Hingabe auf die Leinwand gezaubert hat. Ob J. J. Abrams ebenfalls so mutig gewesen ist, bleibt festzustellen.

Der Krieg der Sterne bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Episode I – Die dunkle Bedrohung (The Phantom Menace, 1999)
Episode II – Angriff der Klonkrieger (Attack of the Clones, 2002)
Episode III – Die Rache der Sith (Revenge of the Sith, 2005)
Episode IV – Eine neue Hoffnung (A New Hope, 1977)
Episode V – Das Imperium schlägt zurück (The Empire Strikes Back, 1980)
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter (Return of the Jedi, 1983)
Episode VII – Das Erwachen der Macht (The Force Awakens, 2015)
Rogue One – A Star Wars Story (Rogue One – A Star Wars Story, 2016)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Natalie Portman sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Samuel L. Jackson, Ewan McGregor und/oder Liam Neeson in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichungen Blu-ray: 9. November 2015 im Steelbook, 12. Oktober 2015 als Teil der „Star Wars: Trilogie – Der Anfang Episode I-III“, 12. Oktober 2015 und 12. September 2011 als Teil der „Star Wars: The Complete Saga“
Veröffentlichungen DVD: 11. Oktober 2013 als Teil der „Star Wars: Trilogie – Der Anfang Episode I-III“, 23. Mai 2005 als DVD, 17. September 2004 als Doppel-DVD

Länge: 136 Min. (Blu-ray), 127 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Star Wars: Episode I – The Phantom Menace
USA 1999
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas
Besetzung: Liam Neeson, Ewan McGregor, Natalie Portman, Jake Lloyd, Ian McDiarmid, Pernilla August, Samuel L. Jackson, Terence Stamp
Zusatzmaterial Steelbook: Audiokommentar von George Lucas, Rick McCallum, Rob Coleman und weiteren Mitgliedern der Filmcrew, Audiokommentar aus Interviews mit Darstellern und Filmcrew
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Star_Wars-The_Complete_Saga-Packshot-Neu Star_Wars-Episode-I-II-III-Packshot-BR

Packshots: © Twentieth Century Fox Home Entertainment
Fotos: © Lucasfilm Ltd. & TM. All rights reserved. Used with permission.

Advertisements
 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

9 Antworten zu “Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung: Viel besser als ihr Ruf

  1. Matthias

    2015/12/10 at 23:05

    Also mit 10 fand ich den Film damals große Klasse – ohne die Original-Trilogie zu kennen 😉 Nun ist die letzte Sichtung etwas her und der „Internet-Mob / Pöbel“ brüllt ja immer lauter als sonst jemand anderes – aber der Film hat schon enorme Schwächen, wie z.B. die Gungans und Jar-Jar Binks. Aber seien wir ehrlich – welcher Film hat das nicht? 🙂

     
  2. olivesunshine91

    2015/12/10 at 17:45

    Endlich mal jemand, der das ähnlich sieht wie ich. Mir werden immer böse Blicke zugeworfen, wenn ich sage, dass ich die neuen Episoden eigentlich ganz cool finde 😀 Danke für den Artikel!

     
  3. Fatherleft

    2015/12/10 at 14:11

    Volle Zustimmung.
    Ich vermute, die Anhänger der alten Trilogie halten wehmütige Erinnerungen an die eigene Kindheit, für ein Kriterium zur Filmbewertung.
    Die neue Trilogie ist anders aber keineswegs schlechter. Im Gegenteil, Sie ist komplexer und die Entwicklung zur Diktatur hatte im Schatten von 9/11 sogar einen Realitätsbezug, den die alte Trilogie nie hatte.
    Aber zugegeben die Alte Trilogie hatte mit Han Solo, Leia Organa und Luke Skywalker die besseren Identifikationsfiguren für idealistische Jugendliche. Das Gefühl von sich für den anderen aufopfernder Freundschaft fehlt der neuen Trilogie, die überhaupt sehr viel Düsterer ausfällt, so dass man sich ob der Freigabe ab 12 bei Episode manchmal schon wundern kann. Der verkohlte Anakin Skywalker wäre in den 80ern nicht frei ab 12 gewesen.

     
    • Quadrataugenrunde

      2015/12/10 at 15:28

      Die neue Trilogie hat heute auch jede Menge Fans, die damit aufgewachsen sind und heute nostalgische Gefühle dafür haben.

      Abgesehen davon ist die George Lucas (Regie und Drehbuch) Trilogie natürlich schlechter als die Originaltrilogie. Das Imperium schlägt zurück taucht nicht aus Nostalgie in so gut wie allen Bestenlisten der Filmgeschichte auf, sondern weil es auch aus heutiger Sicht noch ein hervorragender Film ist.

       
      • Fatherleft

        2015/12/11 at 10:12

        Also ich habe ja das Imperium schlägt zurück bei seiner Erstaufführung 16 mal in ersten drei Wochen gesehen. Ich war da 12 und kann und kann insofern die Begeisterung für den Film durchaus nachvollziehen. Aber nüchtern betrachtet als Erwachsener ist beste was ich über „Das Imperium schlägt zurück“ sagen kann, dass er nettes Popcorn-Kino für Kinder ist. Klar er ist rasant und man hat kaum Zeit zum Atemholen, Han Solos „Ich weiss“ ist einer der besten Oneliner der Filmgeschichte und immerhin hat der Film George Lucas zur Entwicklung des THX Soundsystems motiviert (weil er den Film in einem typischen 80er Jahre Kino gesehen hat und festgstellen musste, dass bei der damals erbärmlichen Kinotechnik, die ganzen schönen Geräusche für die der Film ja den Oscar bekommen hat, kaum ein Zuschauer zu hören bekam).
        Rein von der Story her ist er ein typischer Trilogie-Zwischenteil, der nur den Zweck hat Episode IV und VI zu verbinden und Lukes Konflikt aufzubauen.
        Klar hat mich die Schlacht auf Hoth damals begeistert. aber nüchtern getrachtet ist sie eigentlich ziemlich absurd. Und sie ist bei weitem nicht so beeindruckend inszeniert wie die Schlacht auf Geonosis.
        Nachdem ich die neue Trilogie gesehen hatte glaube ich zu mindestens nachvollziehen zu können, warum Lucas sich nach Episode IV geweigert hat noch einmal Regie zu führen, solange die Technik nicht weit genug für seine Ideen ist. In Episode IV hatte er sich ja wenigstens nochmal Mühe gegeben, auf Tatooine so etwas eine Welt mit einem „normalen Leben“ jenseits von Imperium und Rebellion aufzubauen und dass hat er mit den neuen Filmen wieder getan.

         
      • Quadrataugenrunde

        2015/12/11 at 23:41

        George Lucas hat aus mehreren Gründen nicht selbst Regie geführt bei The Empire Strikes Back. Aber nicht weil, er mit der Technik unzufrieden war, dafür war ja seine eigene Firme Industrial Light & Magic verantwortlich. Das er Irvin Kershner und Lawrence Kasdan engagiert hat, war sicherlich eine seiner besten Entscheidungen.

        Und wenn man schon den besten Star Wars Film basht, sollte man es nicht übertreiben und gleichzeitig billige CGI-Kamerafahrten auf Geonosis loben, die heute auch technisch veraltet sind. 😉

         
  4. Quadrataugenrunde

    2015/12/10 at 14:08

    Warum nicht die schöne Blu-ray Box und das Originalfilmposter als Bilder?
    http://vignette2.wikia.nocookie.net/starwars/images/7/75/EPI_TPM_poster.png/revision/latest?cb=20130822171446

    Jar-Jar Binks ist auf jeden Fall nicht das Schlimmste bei diesem Film, auch wenn die Gungans natürlich rassistisch und nervig sind.
    Als Beispiel dafür, was George Lucas im Alleingang schaffen kann, ist die neue Trilogie natürlich ideal.

     
    • V. Beautifulmountain

      2015/12/10 at 14:40

      Welche schöne Blu-ray-Box meinst du denn? Die erste mit der kompletten Saga? Die hab ich nicht abgebildet, weil sie nicht mehr im Handel ist. Und das Poster hab ich nicht abgebildet, weil mir die Veröffentlichungsrechte daran fehlen. Beim abgebildeten Cover- und Szenenfoto-Material hab ich die.

       
      • Quadrataugenrunde

        2015/12/10 at 15:18

        Jap, The Complete Saga mit Anakin und Luke auf Tatooine auf dem Cover.
        Ich hatte mich nur gefragt, ob das gewollte Werbung ist, wenn man die Neuveröffentlichungen zeigt.

         

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: