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Es ist schwer, ein Gott zu sein – Welch schweres Geschütz von einem Film!

20 Dez

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Trudno byt bogom

Von Simon Kyprianou

Science-Fiction // 30 Wissenschaftler reisen zu einem mit der Erde beinahe identischen Planeten, der im finsteren Mittelalter feststeckt. Intellektuelle werden dort gejagt und getötet, die Renaissance wird somit verhindert, das Mittelalter findet kein Ende. Einer der Wissenschaftler, Anton (Leonid Yarmolnik), soll die Bevölkerung der Stadt Arkanar infiltrieren. Er nimmt dazu die Identität von Don Rumata an, lebt in einem Schloss mit seiner Frau. Er soll die Gesellschaft nach vorn bringen, darf jedoch nicht wirklich eingreifen. Mehr und mehr muss er feststellen: Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein.

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Arkanar ist eine triste Welt …

Diese Handlung kann man im Film kaum nachvollziehen. Figurenkonstellationen, Motivationen und Dialoge bleiben vage oder auch völlig unverständlich, aber das konnte man ja in der Filmkritik schon vielerorts lesen, bei „Die Nacht der lebenden Texte“ auch schon in der Rezension von Kay Sokolowsky. Im informativen Booklet, dass der Veröffentlichung von Bildstörung beiliegt, steht zwar, dass die Handlung nachvollziehbar werde, wenn man sich als Zuschauer Mühe gibt, mir zumindest blieb sie über weite Strecken schleierhaft. Die meisten Handlungsangaben werden wohl der Buchverlage der Strugatzki-Brüder entstammen oder dem Verleihtext, oder aber dem Wikipedia-Artikel, dessen ich mich zwecks Zusammenfassung des Inhalts ebenfalls bedient habe.

Etwas Aufschluss im Interview mit Regisseur Aleksei German

Das Booklet enthält immerhin viele aufschlussreiche Deutungsansätze, im ausführlichen Interview mit Aleksei German findet man dazu einige politische Ansätze, um sich dem Film anzunähern. Dazu erfährt man einiges über die langwierige Entstehungsgeschichte des Films, der erst nach Germans Tod von dessen Witwe fertiggestellt wurde.

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… die im finsteren Mittelalter feststeckt

„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ beeindruckt allein schon deswegen, weil es die radikalste Abkehr von ästhetischen oder narrativen Normen seit langem ist. Das hat nichts mehr mit Kino zu tun, wie man es kennt, nichts mehr mit Kino, in dem man etwas erzählt bekommt. Nein, Germans Film ist eine Einladung, oder vielleicht eher eine Aufforderung, ihn zu erleben, ihn zu durchleben. Aleksei German erwähnt auch immer wieder in dem Interview, dass es ihm wichtig ist, Kino zu machen, wie kein anderer es macht. Er führt das unter anderem darauf zurück, dass er nie eine Filmhochschule besucht hat. Daher sind filmische Einflüsse auf Germans Werk schwer feststellbar, Einflüsse aus der Malerei dafür auf jeden Fall. Hieronymus Bosch dürfte jedenfalls eine wichtige Inspirationsquelle gewesen sein.

Die Schrecknisse eines außerirdischen Mittelalters

„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist eine Tour de Force – dieser Ausdruck wird im Kontext des Films sicher oft gefallen sein. Die Kamera bewegt, kriecht, kämpft sich mal schwerfällig, mal schleudernd, und irgendwie auch subjektiv, ohne dass man ahnen kann, durch die Augen welches Subjekts man gerade blickt, durch die fantastischen Sets, und fängt mit grausamer Beiläufigkeit überall Schrecklichkeiten ein – Folter, Mord und Gewalt, zerfledderte Leichen. Es ist das Erleben einer Welt, die ganz ohne Hoffnung auskommen muss, und das ist eine schmerzliche Erfahrung.

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Leid und Tod findet man dort überall …

„Es ist nicht leicht ein Gott zu sein“ ist ein großer Film, ein einmaliger Film, sicher ein Meisterwerk. Ein Film, wie man ihn nie zuvor gesehen hat, der mit keinem Filmemacher vergleichbar ist, der sich allen Kategorien des Vergleichens entzieht. Und es ist ein Film mit dem man als Zuschauer kämpfen muss, um ihn auszuhalten. Aber eines ist gewiss: Es lohnt sich.

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… ebenso wie Armut und Krankheit

Die Filme der „Drop Out“-Reihe von Bildstörung haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Kay Sokolowsky hat „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ durchaus kritischer bewertet. Zu seiner Rezension anlässlich des Kinostarts geht’s auch hier.

Veröffentlichung: 27. November 2015 als Blu-ray und DVD

Länge:177 Min. (Blu-ray), 170 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Trudno byt bogom
RUS 2013
Regie: Aleksei German
Drehbuch: Leonid Yarmolnik, Aleksei German, Swetlana Karmalita, nach dem Roman von Arkadi und Boris Strugatzki
Besetzung: Gali Abaidulow, Juri Aschikhmin, Remigijus Bilinskas, Waleri Boltischew, Aleksandr Tschutko, Wasili Domratschjow, Lew Elisejew, Jewgeni Gertschakow, Valentin Golubenko, Waleri Gurjanow
Zusatzmaterial: Interview mit Aleksei German Jr. (Sohn des Regisseurs), Interview mit Drehbuchautorin Svetlana Karmalita (Witwe des Regisseurs), „Aleksei German“ – f Ron Holloways Langinterview mit Aleksei German, „Jenseits der Kamera“ – Dokumentarfilm von Aleksandr Pozdnjakov, „Germans Blutdruck ist heute 122/85“ – Dokumentarfilm von Peter Shepotinnik, „Die Geschichte des Arkanar-Massakers“ – eine Würdigung von Daniel Bird, Booklet mit einem Essay von Anton Dolin und Auszügen aus seinem langen Interview mit Aleksei German, Schuber
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos: © 2013 Studio Sever / Russia 1 TV / Packshots: © 2015 Bildstörung

 
 

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2 Antworten zu “Es ist schwer, ein Gott zu sein – Welch schweres Geschütz von einem Film!

  1. Rainer Pampuch

    2018/07/20 at 15:12

    Es gibt zwei weitere Verfilmungen dieses lesenswerten Buches: Erstere von 1989 https://ssl.ofdb.de/film/19440,Es-ist-nicht-leicht-ein-Gott-zu-sein
    Zweitere (Ich empfehle unbedingt die Langfassung auf Blu-Ray) von 2009: https://ssl.ofdb.de/film/173109,Dark-Planet-The-Inhabited-Island
    http://scififilme.de/dark-planet-obitaemyy-ostrov/

     
  2. scathach25

    2015/12/20 at 07:52

    Klingt mal ganz interessant…mal etwas anderes, als dieser übliche Einheitsbrei

     

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