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John Carpenter (X): Die Klapperschlange – „Call Me Snake!“

22 Dez

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Escape from New York

SF-Action // Drei Millionen Schwerverbrecher hausen 1997 in Manhattan. Die Staatsmacht hat eine Mauer um die Insel gezogen, die Türen verschlossen und die Schlüssel weggeworfen – Reaktion auf den gewaltigen Anstieg der Kriminalität in den USA in den 80er-Jahren. Wer in diesen gigantischen Knast reinkommt, kommt nicht mehr raus.

Absturz über dem Knast Manhattan

Nach einem Terrorakt ist die „Air Force One“ über Manhattan abgestürzt. Der US-Präsident (Donald Pleasence) hat in einer Rettungskapsel überlebt und ist verschollen, Geisel der Insassen. Snake Plissken (Kurt Russell) soll ihn rausbringen. Der Ex-Elitekämpfer wurde nach einem Einbruch ins Nuklear-Waffendepot zu lebenslangem Aufenthalt in Manhattan verurteilt.

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Snake (l.) nimmt sich Brain zur Brust

Bob Hauk (Lee Van Cleef) von den Sicherheitskräften bietet Plissken einen Deal an: vollständiger Straferlass, wenn er den Präsidenten befreit und samt einer wichtigen Tonaufnahme aus dem Knast schafft. Dazu bleiben ihm weniger als 24 Stunden Zeit. Als sei das nicht Himmelfahrtskommando genug, bekommt Plissken zwei Kapseln in die Arterien geschossen, die nach Ablauf der Zeit detonieren, wenn sie nicht deaktiviert werden.

Action als politischer Kommentar

Was für eine Vision! Längst ein Klassiker dystopischer Science-Fiction-Action, ist „Die Klapperschlange“ auch heute noch jede Sekunde hoch spannend und fulminant. Die USA als Polizeistaat in einer Welt, die offenbar einen globalen Konflikt hinter sich hat, mit der Sowjetunion und der Volksrepublik China als weitere Kontrahenten – damit hat Regisseur John Carpenter den Zeitgeist der frühen 80er-Jahre gut eingefangen. Was vordergründig ein fesselnder Actionfilm ist, ist eben auch ein politischer Kommentar. Barbarisch geht es auf beiden Seiten des Gesetzes zu.

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„The name’s Plissken.“

Snake Plissken ist nicht umsonst Kurt Russells Lieblingsfigur seiner Karriere. Sein Einzelkämpfer ist eine coole Sau. Mit düster-schmutzigen Bildern, Horrorelementen, knappen Dialogen und seinen eigenen nuancierten Synthesizerklängen ist John Carpenter ein faszinierender Genremix gelungen, der natürlich auch als Großstadtwestern gesehen werden kann. In Nebenrollen zu sehen: Carpenters damalige Ehefrau Adrienne Barbeau („The Fog – Nebel des Grauens“), Harry Dean Stanton („Paris, Texas“) sowie Soul-Legende Isaac Hayes („Theme from Shaft“) als Herrscher im Manhattan-Knast. Und Ernest Borgnine („Das dreckige Dutzend“) sehen wir sowieso immer gern. Seine Figur des Taxifahrers bringt kurze Momente des Comic Reliefs, die angesichts der finsteren Schluchten Manhattans aber schnell in der Düsternis verglühen.

Kommt das Remake?

Der Vollständigkeit halber sei auch die an den Kinokassen gefloppte 1996er-Fortsetzung „Flucht aus L.A.“ erwähnt, ebenfalls von Carpenter inszeniert und mit Kurt Russell als Snake Plissken. Sie ist unterhaltsam und hat ihre Momente, zählt aber zu den eher schwachen Spätwerken Carpenters. Die Vision von „Escape from New York“ konnte das Sequel ohnehin nicht erreichen. Seit Jahren ist zudem ein Remake im Gespräch. Ob wir das brauchen?

Welcher Depp hat eigentlich seinerzeit für den deutschen Verleih den Titel „Die Klapperschlange“ ersonnen? Handelt es sich doch bei der Tätowierung auf Snakes Bauch keineswegs um eine solche, sondern um eine Kobra. Und weshalb gibt’s dieses Karriere-Highlight von Carpenter und Russell bei uns noch nicht auf Blu-ray? Das wird aber Zeit!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ernest Borgnine und/oder Kurt Russell in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 8. April 2010 als DVD

Länge: 95 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Escape from New York
GB/USA 1981
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle
Besetzung: Kurt Russell, Lee Van Cleef, Donald Pleasence, Ernest Borgnine, Adrienne Barbeau, Harry Dean Stanton, Isaac Hayes, Tom Atkins, Season Hubley, Charles Cyphers
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Highlight

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Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2010 Highlight

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Eine Antwort zu “John Carpenter (X): Die Klapperschlange – „Call Me Snake!“

  1. Kay Sokolowsky

    2015/12/22 at 18:35

    Schöne Kritik eines großartigen Films! – Und um eine Frage des Textes zu beantworten: Nein, ein Remake dieses Meisterwerks brauchen wir definitiv nicht. Wer soll bzw. kann denn z. B. Lee van Cleef ersetzen?

     

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