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Das letzte Einhorn – Zeichentrick-Fantasy-Kitsch alter Schule

24 Dez

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The Last Unicorn

Von Volker Schönenberger

Zeichentrick-Fantasy // „Man’s Road“, „Now That I’m a Woman“ (von Mia Farrow gesungen) und natürlich der herrlich schmalzige Titelsong „The Last Unicorn“ von America – das 1982er-Abenteuer des letzten Einhorns auf der Suche nach seinen Artgenossen ist nicht zuletzt durch die Hits ein Evergreen des Zeichentrick-Kinos geworden. Umgekehrt verschaffte dies den US-Folkrockern elf Jahre nach ihrem größten Hit „A Horse with No Name“ ein Comeback, das sie vermutlich selbst nicht für möglich gehalten hatten.

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Das letzte Einhorn sucht seine Artgenossen

Ist das titelgebende Fabelwesen wirklich das letzte seiner Art? Das Tier will es selbst nicht glauben und macht sich deshalb eines Tages auf die Suche nach seinen vor geraumer Zeit verschwundenen Artgenossen. Ein Schmetterling hatte berichtet, ein furchtbarer roter Stier habe die anderen Einhörner gejagt. Die meisten Menschen können das Horn nicht sehen und halten das Einhorn deshalb für ein gewöhnliches Pferd. Auf seinem Trip gerät es in die Fänge der Hexe Mommy Fortuna, die es für ihre Wanderschau kurioser Kreaturen im Käfig hält. Der talentlose Zauberer Schmendrick befreit es. Als bald darauf tatsächlich der rote Stier auftaucht und das Einhorn jagt, versucht sich Schmendrick an einem Zauber, der diesmal sogar gelingt: Das Einhorn verwandelt sich in eine junge Menschenfrau – Amalthea.

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Der glücklose Zauberer Schmendrick will das Fabelwesen befreien …

Werden heute noch reine Zeichentrickfilme fürs Kino produziert? In Zeiten der Computertrick-Abenteuer aus den Häusern Pixar und DreamWorks wohl kaum. Die perfekte Tricktechnik moderner Animationsfilme führt leider – auch beim Rezensenten – obendrein dazu, dass Klassiker wie „Das letzte Einhorn“ heute etwas altbacken wirken. Auch Dramaturgie und Action sind nach heutigen Maßstäben etwas angestaubt. Das ist bedauerlich, denn wenn man sich drauf einlässt, entfaltet der Film durchaus seinen Reiz.

Kinderaugen wissen das zu schätzen

Guckt euch „Das letzte Einhorn“ einfach mit euren Kindern an, deren unverdorbene Augen wissen ein schönes Märchen noch zu schätzen. Ich habe den Film mit einer gerade und zwei in Kürze Achtjährigen geschaut, die drei Mädchen waren begeistert. Wenn das nichts ist. Da kann man als Erwachsener schon mal über den etwas biederen Kitsch hinwegsehen. Das Plädoyer für den Sieg der Fantasie zeigt in seiner Moral zudem erstaunlich wenig Schwarz-Weiß-Malerei und bietet Symbolkraft und Poesie.

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… und verwandelt es mehr versehentlich in eine junge Frau

Manche Motive des Films erinnern nicht von ungefähr an japanische Animes: Die Animationen entstanden im Topcraft-Studio, dessen größter Erfolg „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ (1984) zur Gründung des Studios Ghibli führte.

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Auftritt König Haggard (r.) mit seinem Ziehsohn Prinz Lir

Tipp – sofern mitguckende Kinder des Englischen mächtig sind: Original-Sprachfassung schauen! Mia Farrow als Einhorn, Alan Arkin als Schmendrick, Jeff Bridges als heldenhafter Prinz Lir sowie – Trommelwirbel – Christopher Lee als böser König Haggard lassen keine Wünsche offen. Lee spricht den Haggard übrigens auch in der deutschen Synchronisation.

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Konfrontation: Das Einhorn trifft auf den roten Flammenstier

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jeff Bridges und/oder Christopher Lee sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. November 2012 als Blu-ray 3D, 1. Dezember 2011 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Schweizerdeutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Last Unicorn
USA/GB/JAP/BRD 1982
Regie: Jules Bass, Arthur Rankin Jr.
Drehbuch: Peter S. Beagle, nach seinem eigenen Roman
Originalsprecher: Mia Farrow, Alan Arkin, Jeff Bridges, Christopher Lee, Angela Lansbury, Keenan Wyn, Tammy Grimes, Robert Klein
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Autor Peter S. Beagle und Herausgeber Connor Cochran, Mini-Doku „Die Legende des letzten Einhorns“, deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer, anwählbare Musiksequenzen (u. a. zum Titelsong)
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Szenenbilder & Packshot: © 2015 Concorde Home Entertainment

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