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Die Todeskarten des Dr. Schreck – Episoden-Horror aus dem Hause Amicus

29 Dez

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Dr. Terror’s House of Horror

Von Volker Schönenberger

Episoden-Horror // Amicus Productions stand immer ein wenig im Schatten der größeren englischen Horror-Produktionsfirma Hammer Films. Das mag an der ähnlichen Ausrichtung des Programms, vergleichbarer visueller Anmutung und bisweilen auch der Besetzung liegen – die Hammer-Stars Christopher Lee und Peter Cushing bekommt man auch in dem einen oder anderen Amicus-Film zu Gesicht. Das inoffizielle Amicus-Debüt „Stadt der Toten“ von 1960 steht da beispielhaft für. Inoffiziell deshalb, weil die Produzenten Milton Subotsky und Max Rosenberg erst unmittelbar im Anschluss mit Amicus Productions auf den Plan traten. Produktionsfirma für „Stadt der Toten“ war das kurzlebige Unternehmen Vulcan Productions.

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Der letzte Passagier besteigt das Zugabteil

Eigenständigkeit bewies Amicus mit seiner Spezialisierung auf Episodenfilme. „Der Foltergarten des Dr. Diabolo“ (1967) und „Totentanz der Vampire“ (1970) zeugen davon. Nun hat das Ende 2014 gegründete Label Wicked-Vision Media mit seiner ersten Veröffentlichung einen Beitrag geleistet, Amicus Productions vor der Vergessenheit zu bewahren.

Erfolgreichste Amicus-Produktion

Bei „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ (1964) handelt es sich um den ersten Amicus-Episodenfilm. Mit „Geschichten aus der Gruft“ („Tales from the Crypt“, 1972) gilt der Film als erfolgreichste Amicus-Produktion. Eine eigens für diese Veröffentlichung produzierte, charmante fünfminütige Einleitung von Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen stimmt angenehm auf das kommende wohlige Gruseln ein.

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Dr. Schreck hat seine Tarot-Karten dabei

Die Rahmenhandlung beginnt mit fünf Herren (darunter Christopher Lee und ein junger Donald Sutherland), die sich für einen mehrstündigen Trip von London in die Provinz ein Eisenbahnabteil teilen. Kurz vor der Abfahrt des Zuges gesellt sich ein sechster Herr hinzu: Dr. Schreck (Peter Cushing), Doktor der Metaphysik. Mit seinen Tarot-Karten sagt er seinen fünf Begleitern ihre Zukunft voraus – eine Zukunft, die für sie alle tödlich enden wird …

Von Werwölfen zu Vampiren

Als erster Passagier lässt sich der Architekt Jim Dawson (Neil McCallum) sein Schicksal voraussagen. Ein Werwolf spielt darin eine tragende Rolle, daher trägt die Episode den Titel „Werewolf“. Es folgt die Geschichte „Creeping Vine“, in der es Bill Rogers (Alan Freeman) mit einem schnell wachsenden Rebstock in seinem Garten zu tun bekommt, der sich einfach nicht stutzen lassen will. „Voodoo“ kommt etwas humoriger daher als die übrigen Episoden: Der Jazzmusiker Biff Bailey (Roy Castle) muss auf leidvolle Weise erfahren, dass man auf den Westindischen Inseln gehörte rituelle Musik nicht einfach zu Unterhaltungszwecken nachspielen sollte. „Disembodied Hand“ offenbart das Schicksal des Kunstkritikers Franklyn Marsh (Christopher Lee), desjenigen Passagiers, der die Tarot-Fähigkeiten von Dr. Schreck recht barsch als Humbug abgetan hatte. Gemäß Weissagung der Karten wird er sich mit einem Maler anlegen, der Marshs scharfes Urteil persönlich nimmt und den Kritiker in einen Kleinkrieg verwickelt, der schnell eskaliert. In „Vampire“ schließlich muss sich Dr. Bob Carroll (Donald Sutherland) mit den blutsaugenden Geschöpfen der Nacht herumplagen.

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„Creeping Vine“: Der Rebstock ist tödlich

Rahmenhandlung und Episoden bieten gleichermaßen ansehnliches Grauen, wobei das Niveau etwas variiert – nicht untypisch für Episodenfilme. „Werewolf“ krankt etwas an der Kürze – kaum ist man in Stimmung gekommen, ist die Geschichte vorüber. „Disembodied Hand“ wird ganz von der Präsenz von Christopher Lee getragen. Viel mehr will ich über die Bewertung der einzelnen Sequenzen gar nicht schreiben. Andere Filmgucker mögen andere Favoriten haben. Insgesamt punktet „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ mit zwei ganz wunderbaren Pointen – ich verrate allerdings nicht, wo sie vorkommen. Findet es selbst heraus! Es lohnt sich, diesen kleinen, feinen Episodenschocker zu entdecken.

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Die Todeskarten des Dr. Schreck

Bei der Ausstattung der Blu-ray hat Wicked-Vision keine Mühen gescheut. Zwei Audiokommentare versprechen satte Informationen. Schön für Fans ist sicher auch, dass sowohl die deutsche Kino- als auch die deutsche TV-Synchronisation enthalten sind, der englische Originalton natürlich ebenfalls. Positiv anzumerken sind zudem die Untertitel: nicht nur deutsche, sondern auch englische (mich lenken englische weniger ab, weshalb ich sie vorziehe, sofern sie sich als nötig erweisen).

4K-Restauration vom Original-Kamera-Negativ

Größtes Plus ist allerdings die neue Restauration vom Original-Kamera-Negativ in 4K-Abtastung. Das Bild ist brillant und ohne Makel! Hier wurde überaus sorgfältig gearbeitet. Obendrein zeichnet es sich durch eine gewisse Weichheit aus, die angesichts überscharfer Konturen bei manchen HD-Transfers wohltuend ist. Selbst Körnigkeit ist bis auf einige Sequenzen entfernt worden – fast schon etwas zu viel des Guten.

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„Voodoo“: Der Priester (l.) beschwört den Jazzer: Dem Voodoo-Gott klaut man keine Musik

Das auf 1.500 Exemplare limitierte Mediabook mit zwei Covervarianten à 750 Exemplare lag mir zur Sichtung leider nicht vor – Cover B (siehe oben rechts) ist übrigens bereits nicht mehr lieferbar. Immerhin hatte ich Gelegenheit, das darin enthaltene Booklet zu lesen, das auf 28 Seiten einen ausführlichen Text von Dr. Rolf Giesen über den Film und die Produktionsfirma enthält. Das ist informativ geschrieben und obendrein sorgfältig schlussredaktionell betreut worden. Wer den Film noch nicht kennt, sollte den Booklet-Text erst nach Sichtung lesen, da er einige Spoiler enthält.

Was kommt 2016 von Wicked-Vision Media?

In der Gesamtbetrachtung lassen das mir vorliegende Rezensionsexemplar im Amaray-Case sowie der Blick ins Booklet darauf schließen, dass Wicked-Vision Media mit sehr viel Sorgfalt vorgeht. Auch die geringe Veröffentlichungsfrequenz deutet an, dass wir es hier nicht mit Schnellschüssen für zügiges Kassemachen zu tun bekommen – „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ ist die einzige Veröffentlichung des Labels im Jahr 2015. Für 2016 hat Wicked-Vision Media unter anderem David Cronenbergs „Die Brut“ („The Brood“, 1979), den absonderlichen „Der Teufelsschrei“ („Evilspeak“, 1981) um ein Mobbingopfer an einer Militärakademie sowie Mario Bavas „Hatchet for the Honeymoon“ („Il rosso segno della follia“, 1970) angekündigt. Alle drei Veröffentlichungen beabsichtigen wir beizeiten bei „Die Nacht der lebenden Texte“ vorzustellen.

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„Disembodied Hand“: Kunstkritiker Franklyn Marsh bekommt es mit einer abgetrennten Hand zu tun

Daniel Perée, Chefredakteur von „Wicked-Vision – Das Magazin für den phantastischen Film“, dem das Label Wicked-Vision Media entsprungen ist, hat die Geschichte von Amicus Productions in Ausgabe 12 von „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ auf vier Seiten ausführlich vorgestellt (ein zweiseitiger Text und eine Rezension von mir finden sich darin ebenfalls). Das Heft mit dem Titelschwerpunkt Horror kann hier bestellt werden.

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„Vampire“: Ein hölzerner Pflock hilft gegen Vampire

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter Cushing und/oder Christopher Lee sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 30. November 2015 als Blu-ray (Amaray-Case, limitiert auf 1.000 Exemplare) und Blu-ray im Mediabook (zwei Covervarianten à 750 Exemplare, inkl. DVD), 28. April 2004 als DVD (Koch Media)

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Dr. Terror’s House of Horror
GB 1965
Regie: Freddie Francis
Drehbuch: Milton Subotsky
Besetzung: Peter Cushing, Christopher Lee, Roy Castle, Michael Gough, Bernard Lee, Jeremy Kemp, Donald Sutherland, Ann Bell, Jennifer Jayne
Zusatzmaterial: 28-seitiges Booklet von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad (nur Mediabook), Einleitung von Dr. Rolf Giesen mit optional englischen und deutschen Untertiteln, englischer Audiokommentar von Freddie Francis (dt. untertitelt), deutscher Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, deutsche Titelsequenz, deutsche Endsequenz, italienische Titelsequenz, italienische Endsequenz, niederländischer VHS-Vorspann, deutscher, italienischer und englischer Kinotrailer, neuer Trailer von 2015, Bildergalerien mit mehr als 200 Motiven (Artworks, Aushangfotos, Pressefotos etc.), „House of Cards“: Brandneue Dokumentation von Regisseur Jake West (mit optionalen deutschen Untertiteln, 58 Min.), seltene Werberatschläge, Programm- und Pressehefte, Filmografie der Produktionsfirma Amicus, Trailershow, hidden Features
Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © 2015 Wicked-Vision Media

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