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Die 5. Welle – Wo sind die Aliens geblieben?

14 Jan

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The 5th Wave

Kinostart: 14. Januar 2016

Von Andreas Eckenfels

Science-Fiction // Nach dem weltweiten Erfolg der „Die Tribute von Panem“-Saga suchen die Filmstudios händeringend nach neuen Stoffen für die Young-Adults-Zielgruppe. Im Idealfall sollte es sich dabei um eine schon bekannte Bestsellerreihe handeln, die man in mehreren Teilen in die Kinos bringen kann. Wenn das erste Abenteuer ein Hit wird, bekommt man so jedes Jahr zuverlässig Geld in die Kassen gespült. Bei „Die Bestimmung – Divergent“ und „The Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ klappte das ganz gut. Für die Verfilmung von „Die 5. Welle“ nach dem Roman von Rick Yancey bin ich da weniger optimistisch.

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Teenagerin Cassie ist heimlich in Ben verliebt. Doch dann kommt alles anders …

Als plötzlich ein riesiges Raumschiff über der Erde schwebt, ändert sich nicht nur für die 16-jährige Cassie (Chloë Grace Moretz) alles. Zunächst bleibt es einige Tage ruhig, keiner weiß, was die Außerirdischen – genannt die Anderen – eigentlich wollen. Doch schnell wird klar, dass sie der Erde nicht in friedlicher Absicht einen Besuch abstatten. In vier gnadenlosen Angriffswellen töten die Anderen nicht nur viele Millionen Menschen, sondern sie versetzen die Welt auch technologisch zurück in die Steinzeit. Während sich der klägliche Rest der Menschheit auf die fünfte und finale Welle vorbereitet, sucht Cassie verzweifelt nach ihrem kleinen Bruder Sam (Zackary Arthur), der sich zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen in einer Militärbasis aufhalten soll.

Ein planschender Adonis

Der Planet Erde steht also mal wieder vor dem Untergang. Eine jugendliche Heldin kämpft in einer dystopischen Welt nicht nur ums Überleben, sondern muss auch die Menschheit retten. Und natürlich wird sie auch durch einen mysteriösen Einzelgänger (Axel Roe) und später durch ihren Schulschwarm Ben (Nick Robinson) in unbekannte Gefühlswelten gelockt. Die Formel ist inzwischen wohlbekannt, daran darf man sich also nicht stören, wenn man sich auf „Die 5. Welle“ einlässt. Doch leider wirkt nicht nur die Romanze völlig aufgesetzt. Schon beim ersten Kuss zwischen Cassie und Evan – dem Einzelgänger – ist man eher peinlich berührt als entzückt. Habe ich schon erwähnt, dass Evan vorher oberkörperfrei in einem See badet und Cassie ihn heimlich beobachtet?

Haarsträubende Zufälle

Von Feingefühl ist bei der holprigen Inszenierung von Regisseur J Blakeson sowieso nichts zu spüren. Alles wirkt platt und kalt, viel zu ernst geht er an die Geschichte heran. Dabei dient bei „Die 5. Welle“ fast ausschließlich ein recht kahler Wald als Kulisse, in dem Cassie ums Überleben kämpft. Erstaunlich wie das Teenagermädchen und später auch andere Jugendliche ihre Waffen bedienen können, ohne irgendeine richtige Ausbildung genossen zu haben. Sie müssen wohl Naturtalente sein. Es sind nicht die einzigen haarsträubenden Zufälle, die die Drehbuchautoren Susannah Grant (Oscar-nominiert für „Erin Brokovich“) und Akiva Goldsman (Oscar für „A Beautiful Mind“) in die Geschichte eingebaut haben.

Todbringende Wellen

Was aber noch viel schlimmer ist: „Die 5. Welle“ verschießt sein Pulver schon in der ersten Filmhälfte. Die vier Wellen werden viel zu schnell abgehakt – und nein, hier handelt es nicht um eine wilde Schlacht von Aliens gegen Soldaten oder wie man sich das vorstellen könnte. Die Anderen sind der Menschheit dermaßen überlegen, dass sie wahrscheinlich nur einen Knopf drücken müssen, um die todbringenden Wellen auszulösen.

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Die zweite Welle rollt an: Cassie und Sam laufen um ihr Leben

Inszenatorisch wird dies auch recht einfach gelöst: Bumms, Flugzeuge fliegen nicht mehr, Autos fahren nicht mehr. Strom aus. Ein paar Explosionen. Fertig. Dann lassen die Anderen Tsunamis über die Erde krachen – ein paar schwache CGI-Fluten, vor denen Cassie und Sam entkommen müssen. Fertig. Dann kommt eine Vogelgrippe-Epidemie, die die Menschen dahinrafft. Ein paar Menschen in Schutzanzügen in Quarantäne-Camps. Fertig. Und so weiter. Da bleibt keine Zeit für Spannungsaufbau.

Die Körperfresser kommen

Apropos Spannung: Wenn Cassie im Wald umherirrt, wird niemals eine wirkliche Bedrohung spürbar. Immerhin: Ab und zu wird das Mädchen beschossen und muss wieder die Füße in die Hand nehmen. Ohne zu viel zu verraten: Sie wird bald erfahren, dass die Aliens menschliche Gestalt annehmen können. Jeder könnte also ein böser Anderer sein. Doch dieser Umstand wird in keinster Weise ausgenutzt. Misstrauen vor einem Fremden? Keine Sorge. Wir sind ja nicht bei „Die Körperfresser kommen“.

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Cassie, Sam und ihr Vater finden in einem Flüchtlingscamp Unterschlupf

Zu allem Übel wird auch das Alleinstellungsmerkmal zu den anderen Young-Adult-Filmen nicht ausgenutzt: Ihr könnt noch so sehr hoffen, aber Ihr werdet in „Die 5. Welle“ keine außerirdische Lebensform zu Gesicht bekommen.

Zweiter Film mehr als fraglich

Mit „The Descent 2 – Die Jagd geht weiter“ und „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“ hat Regisseur J Blakeson zwei überzeugende Arbeiten in seiner Drehbuch-Filmografie, der letztgenannte Thriller markiert sein Kino-Regiedebüt. Was bei „Die 5. Welle“ schief gelaufen ist, bleibt Mutmaßung. Immerhin kann man sich wie immer auf die Leistung von Chloë Grace Moretz verlassen, und auch „It Follows“-Star Maika Monroe überzeugt als taffe Scharfschützin Ringer. Sie bekommt es demnächst in „Independence Day 2 – Wiederkehr“ erneut mit Aliens zu tun – die sind dann vermutlich auch zu sehen.

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Evan hat Cassie fest im Griff

Am Ende wird es sich an den Kinokassen entscheiden, ob auch „Das unendliche Meer“, der zweite Roman der Reihe von Rick Yancey, verfilmt wird. Ich habe da nach der für mich ersten großen Enttäuschung des jungen Kinojahres aber so meine Zweifel.

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Zufälle gibt’s: Im Kampf gegen die Aliens trifft Cassie wieder auf Ben

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Chloë Grace Moretz sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The 5th Wave
USA 2016
Regie: J Blakeson
Drehbuch: Susannah Grant, Akiva Goldsman und Jeff Pinkner, nach dem Roman von Rick Yancey
Besetzung: Chloë Grace Moretz, Maggie Siff, Maika Monroe, Nick Robinson, Liev Schreiber, Maria Bello, Alex Roe, Ron Livingston, Zackary Arthur
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2016/01/14 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Die 5. Welle – Wo sind die Aliens geblieben?

  1. xsehu

    2016/01/15 at 01:01

    Lieber ein Film (oder gar eine Serie) zu Yanceys Monstrumologen ! 😀

     

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