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Frankensteins Ungeheuer – Hammer Films in Universals Fußstapfen

19 Jan

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The Evil of Frankenstein

Von Volker Schönenberger

Horror // Eine abgelegene Hütte im Wald: Als sich ein älteres Paar entfernt, sieht der Leichendieb seine Gelegenheit gekommen – er stiehlt den dort Aufgebahrten und bringt ihn zu Baron Victor Frankenstein (Peter Cushing). Der will mit seinem Assistenten Hans (Sandor Elès) das Geheimnis des Lebens ergründen, aus Leichenteilen eine Kreatur erschaffen und sie mittels elektrischer Energie zum Leben erwecken. Einstweilen funkt ihm ein Priester (James Maxwell) dazwischen, doch bald gelingt Frankenstein das Unglaubliche: Seine Schöpfung (Kiwi Kingston) steht auf und wandelt umher.

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Und Frankenstein …

Das Wesen bricht aus, verbreitet in Karlstadt Angst und Schrecken, wird bis in die Berge gejagt, wo es zu Tode stürzt. Sein Leichnam gilt als verschollen, Frankenstein und Hans gehen ins Exil. Jahre später kehren sie zurück. In einer Höhle entdeckt der Baron die Kreatur – eingefroren im Eis. In seinem Schloss nimmt er sein Laboratorium wieder in Betrieb. Zoltan (Peter Woodthorpe), ein Jahrmarkt-Hypnotiseur, unterstützt Frankenstein und Hans in ihren Bemühungen, das Wesen wieder zum Leben zu erwecken. Es gelingt, doch Zoltan hat eigene Pläne …

Ähnlichkeiten mit Boris Karloffs Kreatur

„Frankensteins Ungeheuer“ ist der dritte von sechs Frankenstein-Filmen des englischen Hammer-Studios und der einzige, in der die Kreatur derjenigen ähnelt, die Boris Karloff 1931 in James Whales „Frankenstein“ verkörpert hatte – der ersten Tonfilm-Adaption des Stoffs. Möglich wurde dies durch eine Vertriebs-Vereinbarung zwischen Hammer und Universal Films, die es Hammer gestattete, auf Designs des Universal-Monsters zuzugreifen, was das Studio bei „Frankensteins Fluch“ (1957) und „Frankensteins Rache“ (1958) aus Urheberrechtsgründen vermieden hatte. Leider ist gerade die Maske der Kreatur ein Wermutstropfen – sie wirkt recht halbgar zusammengeschustert, wie Pappmaschee, und ist als einziger Ausfall der ansonsten feinen Ausstattung des Films zu sehen.

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… erschuf ein Monster …

„Frankensteins Ungeheuer“ lebt von Peter Cushings charismatischer Schauspielkunst – er verkörperte den Forscher in den ersten fünf Hammer-Adaptionen –, den von Hammer gewohnten schaurig-schönen, versiert fotografierten Settings und der straffen Dramaturgie. Obwohl nicht einmal anderthalb Stunden lang, gelingt es Regisseur Freddie Francis („Die Todeskarten des Dr. Schreck“), erst die vollständige Vorgeschichte mit dem vermeintlichen Ende der Kreatur in den Bergen zu erzählen, um dann mit einem Zeitsprung in die Haupthandlung einzusteigen. Längen sind überhaupt nicht zu bemerken.

Beim Bild hat Anolis wieder ganze Arbeit geleistet – es ist schlicht brilliant. Das mag auch für den Ton gelten, mangels geeigneter technischer Ausstattung kann ich mir darüber aber kein Urteil erlauben.

Busenwunder Caron Gardner im Interview

Wie ebenfalls bei Anolis gewohnt, kann sich das Bonusmaterial sehen lassen. Das beginnt beim Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz und endet mit dem fast halbstündigen Making-of noch lange nicht. Ein hochinteressantes Feature sind die 13 Minuten zusätzlicher Szenen aus der US-Fernsehfassung – sie waren produziert worden, um einige zensurbedingte Kürzungen für besagte TV-Ausstrahlung auszugleichen. Des Weiteren gibt es ein Interview mit Caron Gardner, die im Film die vollbusige Ehefrau des Bürgermeisters von Karlstadt spielt. Sie äußert sich darin charmant und informativ über ihre Mitwirkung und ihre Karriere. Das Gespräch wurde auf dem Festival of Fantastic Films in Manchester im September 2013 von Uwe Sommerlad geführt.

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… das auch den Bürgermeister nicht verschont

An sich wollte ich bis vor einiger Zeit gar nicht anfangen, mir die Mediabooks mit den Hammer-Films-Produktionen zuzulegen, allein – sie sind einfach zu schön. Das üppig bebilderte Booklet mit zwei langen Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad ist zum Zungeschnalzen, und von außen sehen die Mediabooks einfach schnieke aus. Noch sind beide Covervarianten bei manchen Händlern zu einigermaßen akzeptablem Kurs zu erhalten, aber das kann sich schnell ändern.

Die Meinungen über „Frankensteins Ungeheuer“ gehen auseinander: Während die einen das Werk als beste Frankenstein-Adaption von Hammer Films preisen, ist es anderen nur ein müdes Lächeln wert. Ich habe mich von der spannungsgeladenen Geschichte vorzüglich unterhalten gefühlt und kann es Gruselfans vorbehaltlos ans Herz legen.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Freddie Francis sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Peter Cushing in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 29. Mai 2015 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 22. Februar 2008 als DVD (Koch Media)

Länge: 86 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Evil of Frankenstein
GB 1964
Regie: Freddie Francis
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Besetzung: Peter Cushing, Peter Woodthorpe, Duncan Lamont, Sandor Elès, Katy Wild, David Hutcheson, James Maxwell, Howard Goorney, Caron Gardner, Kiwi Kingston
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, Making-of,
Uwe Sommerlad im Gespräch mit Caron Gardner, Caron Gardner über ihre Karriere, US-Trailer, zusätzliche Szenen der amerikanischen TV-Fassung, deutscher Werberatschlag, US-Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerien, nur Mediabook: Booklet mit Text von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Vertrieb: Anolis Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © 2015 Anolis Entertainment

 

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