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Clint Eastwood (XII): Tarantula – Wer hat Angst vor der Riesenspinne?

22 Jan

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Tarantula

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Viele Filminteressierte halten „Tarantula“ für Clint Eastwoods Leinwanddebüt, dabei hat er seinen ersten Filmauftritt tatsächlich kurz zuvor in „Die Rache des Ungeheuers“ gehabt. In seiner Minirolle als Militärpilot und Führer einer kleinen Schwadron von Kampfjägern darf er der Monsterspinne im Finale von „Tarantula“ den Garaus machen. In diesen Szenen verbirgt sich ein kurioser Filmfehler: Die startenden Flugzeuge sind von einem anderen Typ als die, welche die Spinne wenige Minuten später angreifen. Man erkennt das als Laie aber nur bei genauem Hinschauen und wenn man vorher darauf aufmerksam gemacht worden ist – die Info hatte ich anderswo im Netz entdeckt.

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Dr. Hastings (r.) wird zu einer Leiche gerufen

Natürlich ist „Tarantula“ kein Clint-Eastwood-Film, auch wenn ich damit gern die Eastwood-Reihe erweitere, sondern ein Jack-Arnold-Film – und was für einer. Er funktioniert auch deshalb so gut, weil sich nicht nur ausgewiesene Arachnophobiker beim Anblick von Spinnen unbehaglich fühlen. Das geht vielen Menschen so. Jack Arnold war das bewusst.

Nostalgischer Horror in Perfektion

Zwar erkennt der heutige Filmgucker die Tricktechnik des Films, das nimmt den gruseligen Spinnenszenen aber auch nicht den Hauch ihrer Wirkung. Es stellt sich damit lediglich das wohlig-nostalgische Gefühl ein, guten alten klassischen Monster-Horror zu gucken. Jack Arnold setzt Rückprojektionen und Miniaturen versiert ein, das Resultat war damals State of the Art. Es ist auch heute noch angetan, das Grauen zu lehren, wenn man sich darauf einlässt.

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Professor Deemer erklärt seiner neuen Assistentin Steve seine Arbeit

Die Handlung setzt mit einem grässlich deformierten Mann ein, der durch die Wüste von Arizona unweit der Kleinstadt Desert Rock wankt. Kurz darauf wird sein Leichnam gefunden. Es handelt sich um den Biologen Dr. Eric Jacobs, der in der Abgeschiedenheit an wissenschaftlicher Forschung arbeitete. Dr. Matt Hastings (John Agar) will den Toten obduzieren, erhält dafür aber keine Genehmigung. Von Jacobs‘ Kollegen Prof. Gerald Deemer (Leo G. Carroll) erfahren Hastings und Deemers neue Assistentin Stephanie „Steve“ Clayton (Mara Corday), dass die Arbeit der beiden Wissenschaftler dem Zweck diente, das Hungerproblem aufgrund steigender Weltbevölkerung zu lösen. Eine synthetische Nährlösung scheint ein vielversprechender Ansatz zu sein, doch sie hat Nebenwirkungen: Einige Versuchstiere starben, nachdem sie die Flüssigkeit injiziert bekommen hatten, andere begannen ein unkontrollierbares Wachstum.

Vorschlag für ein Double Feature des klassischen Tierhorrors

Die Angst vor den Folgen ungezügelter Forschung nahm im Horrorfilm der 50er-Jahre breiten Raum ein. Speziell vor den Gefahren der Nukleartechnik warnt recht unverholen der ein Jahr vor „Tarantula“ entstandene „Formicula“ mit seinen Riesenameisen, der im Übrigen in Kombination mit Jack Arnolds Spinnen-Monsterfilm einen vorzüglichen Double-Feature-Horrorabend garantiert. Beide sind als Höhepunkte des Horrorgenres jener Zeit zu sehen, und das nicht zuletzt dank ikonografischer Bilder von riesigen Kreaturen, die uns bisweilen schon in ihrer winzigen Originalgröße frösteln lassen.

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Die Spinne wächst und wächst – noch ist sie gefangen

Perfekte Bildqualität hat bei diesen alten Schinken für mich nicht erste Priorität. Da die DVD von Universal keinerlei Extras aufweist, ist das Upgrade auf Blu-ray aber so oder so empfehlenswert, enthält die Koch-Media-Blu-ray doch ein 26-minütiges Interview mit Jack Arnold zur Entstehung des Films und weiteres Bonusmaterial. Die achtminütige Super-8-Version ist eher ein Gimmick, mag aber den einen oder anderen Käufer auch erfreuen.

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Gigantische Gefahr auf acht Beinen

Jack Arnold bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Gefahr aus dem Weltall (1953)
Duell mit dem Teufel (1955)
Die Rache des Ungeheuers (1955)
Tarantula (1955)
Die unglaubliche Geschichte des Mr. C (1957)

Clint Eastwood bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die Rache des Ungeheuers (1955)
Tarantula (1955)
Noch heute sollst du hängen (1956)
Für eine Handvoll Dollar (1964, geplant)
Für ein paar Dollar mehr (1965, geplant)
Zwei glorreiche Halunken (1966, geplant)
Coogans großer Bluff (1968)
Agenten sterben einsam (1968)
Ein Fressen für die Geier (1970)
Stoßtrupp Gold (1970)
Betrogen (1971, geplant)
Sadistico – Wunschkonzert für einen Toten (1971)
Ein Fremder ohne Namen (1973, geplant)
Die Letzten beißen die Hunde (1974, geplant)
Im Auftrag des Drachen (1975)
Der Texaner (1976)
Firefox (1982)
Pale Rider – Der namenlose Reiter (1985, geplant)
Heartbreak Ridge (1986)
Weißer Jäger, schwarzes Herz (1990, geplant)
Die Brücken am Fluss (1995, geplant)
Gran Torino (2008)
Jersey Boys (2014)
American Sniper (2014)
Sully (2016)

Veröffentlichung: 12. Juni 2014 als Blu-ray, 16. August 2012 als DVD (Reihe Jahr100Film), 13. April 2006 als DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Tarantula
USA 1955
Regie: Jack Arnold
Drehbuch: Robert M. Fresco, Martin Berkeley
Besetzung: John Agar, Mara Corday, Leo G. Carroll, Nestor Paiva, Ross Elliott, Edwin Rand, Raymond Bailey, Hank Patterson, Bert Holland, Steve Darrell, Clint Eastwood
Zusatzmaterial Blu-ray: Interview mit Jack Arnold (26. Min.), Super-8-Version (8 Min.), Normal-8-Version (2 Min.), deutscher Vorspann (2 Min.), deutscher Trailer, englischer Trailer, Bildergalerie, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: keine Angabe
Vertrieb: Koch Media (Blu-ray), Universal Pictures Germany GmbH (DVD)

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Blu-ray-Packshot: © 2014 Koch Media (DVD-Packshot: Universal Pictures Germany GmbH)

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Eine Antwort zu “Clint Eastwood (XII): Tarantula – Wer hat Angst vor der Riesenspinne?

  1. Kay Sokolowsky

    2016/01/22 at 16:25

    Bei dem Doppel-Feature bin ich dabei – danke für die schöne Rezension!

     

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