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Die Hölle von Korea – Samuel Fullers authentischer Blick auf den Krieg

25 Jan

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The Steel Helmet

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Im Koreakrieg ist eine US-Einheit fast vollständig aufgerieben worden. Nur Sergeant Zack (Gene Evans) hat überlebt. Mit einem Einschussloch im Stahlhelm und zusammengebundenen Händen liegt er zwischen den Leichen auf dem Schlachtfeld – der Helm hat ihm offenbar das Leben gerettet, als er wie die übrigen Überlebenden von den nordkoreanischen Siegern des Gefechts hingerichtet werden sollte.

US-Soldaten im Buddha-Tempel

Ein südkoreanischer Waisenjunge (William Chun) befreit ihn und bietet an, ihn durch die feindlichen Linien in Sicherheit zu lotsen – Zack nennt ihn Short Round. Schon nach kurzer Zeit treffen die beiden auf zwei kommunistische Guerillas, die als Missionarinnen verkleidet an einer Buddha-Statue lauern, doch Zack gelingt es, die beiden zu erschießen. Abends schließt sich ihnen der Sanitäter Corporal Thompson (James Edwards) an, wie Zack einziger Überlebender einer US-Einheit. Die kleine Schar vergrößert sich alsbald, als sie auf eine von Lieutenant Driscoll (Steve Brodie) geführte Patrouille treffen. Aufgrund der Unerfahrenheit des Trupps kommt es schnell zu Spannungen zwischen Driscoll und dem altgedienten Zack. Auf dem Weg zu einem Buddha-Tempel, der ihnen als Unterschlupf dienen soll, geraten die Soldaten unter Feuer. Mühsam retten sie sich in das heilige Gebäude.

Erster Film über den Koreakrieg

Samuel Fullers dritte Regiearbeit gilt als erster Film des wenige Monate zuvor ausgebrochenen Koreakriegs. (1950–1953). Ein Jahr später drehte er mit „Der letzte Angriff“ („Fixed Bayonets“, 1951) einen weiteren Beitrag zu dem Konflikt, in dem Gene Evans eine ähnliche Figur verkörperte wie Sergeant Zack. Schon in diesen beiden Kriegsdramen verarbeitete Fuller seine eigenen militärischen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg, deutlicher noch viele Jahre später in seinem bekanntesten Kriegsfilm „The Big Red One“ (1980) mit Lee Marvin, Mark Hamill und Robert Carradine.

Kriegsfilm mit Kammerspielcharakter

Für „Die Hölle von Korea“ stand Fuller nur ein geringes Budget zur Verfügung, was man dem Film auch ansieht: In beschränkten Szenerien bestimmen Nahaufnahmen der Soldaten das Bild. Die letzten knapp 40 Minuten spielen sich fast vollständig in erwähntem Tempel ab. Fuller macht aus der Not eine Tugend – der Kammerspielcharakter führt zu beklemmender Spannung. Aufgrund der reduzierten Mittel und der Konzentration auf eine kleine Einheit von Soldaten ist „Die Hölle von Korea“ mit Anthony Manns sieben Jahre später entstandenem „Tag ohne Ende“ vergleichbar. Weil zwei Szenen seinerzeit in den USA als kommunistische Propaganda gebrandmarkt wurden, geriet Fuller sogar kurzzeitig ins Visier der Kommunistenjäger der McCarthy-Ära.

Kein Heldentum, nur Überleben zählt

Krieg ist die Hölle und gebiert keine Helden, nur Männer, die überleben wollen – die Botschaft wird deutlich. In Verbindung mit der eigenen Erfahrung des Regisseurs ist ein authentisch wirkendes Kriegsdrama entstanden, dessen Schwarz-Weiß-Bild den Test der Zeit besteht. Dass die deutsche Erstveröffentlichung von 2009 im Handel nicht mehr erhältlich ist, rechtfertigt die Neufassung. Nun wird es Zeit, dass auch „Der letzte Angriff“ eine Wiederveröffentlichung erfährt. Beide Werke gehören in jede gut sortierte Kriegsfilm-Sammlung.

Veröffentlichung: 11. September 2015 als DVD

Länge: 81 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (geschnittene Szenen), Englisch
Originaltitel: The Steel Helmet
USA 1951
Regie: Samuel Fuller
Drehbuch: Samuel Fuller
Besetzung: Gene Evans, Robert Hutton, Steve Brodie, James Edwards, Richard Loo, Sid Melton, Richard Monahan, William Chun, Harold Fong, Neyle Morrow, Lynn Stalmaster
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2015 Al!ve AG

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