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Hail, Caesar! – Alltag eines Hollywood-Fixers

15 Feb

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Hail, Caesar!

Kinostart: 18. Februar 2016

Von Andreas Eckenfels

Komödie // Fünf Jahre nach „True Grit“ durften die Brüder Joel und Ethan Coen zum zweiten Mal eine Berlinale eröffnen. Da bereits in den USA gestartet, lief „Hail, Caesar!“ auf den 66. Internationalen Filmfestspielen von Berlin im Wettbewerb außer Konkurrenz. Somit handelte es sich um keine Weltpremiere, dennoch bot die mit Stars wie George Clooney und Scarlett Johansson gespickte Hollywood-Komödie natürlich den perfekten Auftakt für das renommierte Festival.

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Eddie Mannix löst für das Filmstudio Capitol Pictures unangenehme Probleme

Ein anderer Star spielt allerdings die eigentliche Hauptrolle: Josh Brolin, der mit seinem dritten Coen-Film nach „No Country for Old Men“ und „True Grit“ nun offenbar zum festen Ensemble-Mitglied der Coen-Brüder geworden ist. Als Eddie Mannix sorgt er sich Anfang der 50er-Jahre darum, dass die Produktionen des großen Filmstudios Capitol Pictures reibungslos verlaufen.

Star entführt

Die hübsche DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) passt nicht mehr in ihr Meerjungfrauenkostüm, da sie ungewollt schwanger geworden ist – ohne einen Ehemann zu haben. Der Westernheld Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) soll ein neues Image verpasst bekommen, doch den Dialoganforderungen von Drama-Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) ist er nicht gewachsen. Eddie sind außerdem zwei unausstehliche Klatsch-Reporterinnen (Doppelrolle für Tilda Swinton) auf den Fersen, die beide auf der Jagd nach einer heißen Story sind. Dann wird zu allem Überfluss auch noch kurz vor Drehschluss Baird Whitlock (George Clooney) entführt – der große Star aus dem Monumentalschinken „Hail, Caesar!“, bei dem jede Menge Geld auf dem Spiel steht.

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Die ungewollt schwangere DeeAnna passt kaum noch in ihr Kostüm

Einen „Fixer“ nannte man damals diesen recht undurchsichtigen Berufszweig, der heute durch TV-Serien wie „Scandal“ oder „Ray Donovan“ wieder mehr Aufmerksamkeit erhält. Der echte Eddie Mannix löste für die Metro-Goldwyn-Mayer-Studios unangenehme Probleme, später produzierte er unter anderem Tod Brownings Horrorfilm „Das Zeichen des Vampirs“. Berühmtheit erlangte Mannix nicht nur aufgrund der nach ihm benannten Mannix-Akte. Er wurde zudem verdächtigt, am Tod des „Superman“-Darstellers George Reeves beteiligt gewesen zu sein. Diese Geschichte wurde in dem Drama „Die Hollywood-Verschwörung“ mit Bob Hoskins in der Rolle des Eddie Mannix bereits erzählt. Die Coens nehmen es allerdings in „Hail, Casar!“ mit der Wahrheit nicht so genau und schildern vielmehr einen fiktiven Tag im Leben des Fixers.

Die Schattenseiten Hollywoods

Bereits in „Barton Fink“ setzte sich das Brüderpaar mit den Schattenseiten Hollywoods auseinander. Allerdings ist „Hail, Caesar!“ weniger eine schwarze Komödie, sondern mehr eine bunte Hommage an die Goldene Ära Hollywoods. Die Regisseure nehmen die Zuschauer direkt mit hinter die Kulissen der Traumfabrik: In einem Studio wird ein großartig choreografiertes Wasserballett aufgenommen, Channing Tatum tritt als undurchsichtiger Tanzdarsteller Burt Guerny in die Fußstapfen von Gene Kelly, und Newcomer Alden Ehrenreich („Stoker – Die Unschuld endet“) darf nicht nur seine Lassokünste demonstrieren, sondern besingt als einsamer Cowboy mit der Klampfe in der Hand den Mond.

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Regisseur Laurence Laurentz (r.) verzweifelt am tumben Westernstar Hobie Doyle

Diese wunderbar inszenierten Film-im-Film-Szenen beschwören ein Bild vergangener Tage, als es noch klare Genregrenzen gab und stets das Gute über das Böse triumphierte. Doch die schöne heile Welt Hollywoods regiert nur auf der Leinwand. Dahinter wird mit harten Bandagen gekämpft. Auch die bösen Kommunisten stehen bei den Coens schon in Lauerstellung und werden bald eine neue Ära in Hollywood einläuten. Eddie ist wie häufig bei den Coens der einzig rechtschaffene Mann in einer ansonsten unmoralischen Welt.

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Superstar Baird Whitlock wird entführt

„Hail, Caesar!“ ist etwas zu episodenhaft und auch deutlich zu brav für eine beißende Hollywood-Satire geraten. Dafür sollte man sich vielleicht besser noch einmal Robert Altmans „The Player“ anschauen. Aufgrund der groß aufspielenden Stars und des gewohnten Dialogwitzes der Coens wird man an dieser amüsanten Film-Zeitreise dennoch seinen Spaß haben.

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Steckt Tänzer Burt Guerney dahinter?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit George Clooney, Scarlett Johansson und/oder Tilda Swinton sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 106 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Hail, Caesar!
USA 2016
Regie: Joel und Ethan Coen
Drehbuch: Joel und Ethan Coen
Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Scarlett Johansson, Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Alden Ehrenreich, Channing Tatum, Frances McDormand, Jonah Hill, Christopher Lambert
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH

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3 Kommentare

Verfasst von - 2016/02/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

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3 Antworten zu “Hail, Caesar! – Alltag eines Hollywood-Fixers

  1. Kay Sokolowsky

    2016/02/15 at 20:17

    Eine, hüstel, Kinokritikerin des Deutschlandfunks wurde vergangene Woche gar nicht müde, immer wieder davon zu schwärmen, wie KÖSTLICH dieser Film sei, wie KÖSTLICH. Die sprach das Wort genauso aus, in GROSSBUCHSTABEN. SCHRECKLICH. – Ich freue mich deshalb sehr, daß Sie, lieber Herr Eckenfels, auf die Schmockvokabel nicht nur verzichtet, sondern auch sonst eine schön balancierte Rezension vorgelegt haben. Merci!

     
    • V. Beautifulmountain

      2016/02/16 at 05:37

      Und ich freue mich immer wieder über so freundliche Kommentare (oder andere Texte), in denen ich so schöne Wörter wie „Schmock“ lesen darf. Danke dafür!

       
  2. Marc

    2016/02/15 at 18:29

    Hat mir auch durchaus gefallen.

     

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