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Midnight Special – Wunderkind auf der Flucht

17 Feb

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Midnight Special

Kinostart: 18. Februar 2016

Von Andreas Eckenfels

SF-Thriller // Auf der Berlinale 2007 präsentierte der damals 29-jährige Jeff Nichols in der Sektion „Forum“ sein Regiedebüt „Shotgun Stories“. Mit den Dramen „Take Shelter – Ein Sturm zieht auf“ und „Mud – Kein Ausweg“ sammelte Nichols viel Kritikerlob und etablierte sich als einer der interessantesten US-Geschichtenerzähler unserer Zeit. Seine Werke besitzen stets einen fast sehnsuchtsvollen Blick auf das traditionelle Amerika. Mit seinem vierten Film kehrt Nichols nun zur Berlinale zurück. „Midnight Special“ konkurriert im Wettbewerb der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin um den Goldenen Bären.

MIDNIGHT SPECIAL

Alton besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten

Als der Sektenführer Calvin Meyer (Sam Shepard) den Mitgliedern seiner Glaubensgemeinschaft verkündet, dass der achtjährige Alton (Jaeden Lieberher) aus ihrer Gruppe entführt wurde, reagieren sie geschockt. Sie sahen in dem mysteriösen Jungen eine Art Erlöser. Mit seinen speziellen Fähigkeiten nimmt er Wellen und Strahlungen wahr; in seinen Äußerungen interpretierten sie ihre Prophezeihungen für das Ende der Welt. Auch das FBI ist bereits auf den Jungen aufmerksam geworden: Der NSA-Analytiker Paul (Adam Driver) hat herausgefunden, dass Alton in der Lage ist, streng geheime Codes zu entschlüsseln. Somit stellt er eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar.

Vom Vater entführt

Doch dem Wunderkind geht es gut: Es stellt sich heraus, dass er von seinem biologischen Vater Roy (Michael Shannon) und dessen Freund Lucas (Joel Edgerton) gekidnappt wurde. Sie sind auf dem Weg zu Altons Mutter Sarah (Kirsten Dunst). Doch sie haben keine Zeit zu verlieren: Regierungsbeamte und Sektenmitglieder sind ihnen bereits auf den Fersen.

MIDNIGHT SPECIAL

Roy und Lucas entführen Alton aus den Händen einer Sekte

Auch „Midnight Special“ versprüht wieder viel Americana: Billige Motels und einsame Tankstellen sind Stationen auf der Verfolgungsjagd über einsame Landstraßen im Südwesten der USA. Auch Familienzusammenkunft und Paranoiawahn sind erneut Nichols‘ Themen. Doch wie der Regisseur auf der Pressekonferenz zu seinem Film auf der Berlinale bekräftigte, hatte er mit seinem Science-Fiction-Abenteuer etwas anderes im Sinn: Im Geist von Klassikern wie John Carpenters „Starman“ oder Steven Spielbergs „E.T. – Der Außerirdische“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ wollte er eine Geschichte erzählen, die lange Zeit ein großes Mysterium umgibt und mit einem großen „Wow“-Effekt endet.

Der „Zauber“ fehlt

Viele Kritikerkollegen waren nach der Sichtung begeistert, andere konnten mit dem naiven Stoff überhaupt nichts anfangen. Vielleicht aufgrund der hohen Erwartungen – immerhin ist „Mud – Kein Ausweg“ einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre – war ich von „Midnight Special“ doch eher enttäuscht. Die Atmosphäre ist stimmig und besonders Michael Shannon („Boardwalk Empire“), der bisher in allen Werken von Nichols dabei war, spielt großartig den getriebenen Vater. Auch das Geheimnis von Alton, der noch nie einen Sonnenaufgang gesehen hat und zum Schutz seiner Augen eine Schwimmbrille trägt, wird lange gewahrt. Doch nachdem sein Mysterium gelüftet wurde, war für mich die Luft aus der Geschichte raus. Auch der „Wow“-Effekt am Ende konnte bei mir nicht mal ein müdes Lächeln verursachen. Ich war eher peinlich berührt.

MIDNIGHT SPECIAL

Sarah will ihren Sohn nicht ein weiteres Mal verlieren

Eine emotionale Bindung zu den Figuren wollte sich bei mir ebenfalls nicht einstellen; die Geschichte verlief nach der Enthüllung auf zu ausgetretenen Pfaden, als dass sie wirklich packend sein konnte. Der „Zauber“, wenn wir es so nennen wollen, der Nichols‘ genannte große Vorbilder umgibt, fehlt mir bei „Midnight Special“. Da konnte mich ein ähnliches Projekt mehr begeistern: J. J. Abrams hat mit seiner Spielberg-Hommage „Super 8“ wesentlich eleganter zitiert.

Die Familie hat nichts mehr zu verlieren

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Adam Driver und/oder Michael Shannon sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 111 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Midnight Special
USA 2016
Regie: Jeff Nichols
Drehbuch: Jeff Nichols
Besetzung: Michael Shannon, Kirsten Dunst, Joel Edgerton, Adam Driver, Jaeden Lieberher, Sean Bridgers, Sam Shepard
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Warner Bros. Entertainment Inc.

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