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Isle of the Dead – Boris Karloff auf der Insel der Toten

21 Feb

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Isle of the Dead

Von Volker Schönenberger

Horror // Der Schweizer Maler Arnold Böcklin (1827–1901) schuf zwischen 1880 und 1886 eine Serie von fünf Gemälden, die den Titel „Die Toteninsel“ bekamen. Sein Zyklus diente als Inspiration für „Isle of the Dead“, was sich schon im Vorspann offenbart – eins der Gemälde wird darin gezeigt. Die Insel im Film ist obendrein der auf Böcklins Werken nachempfunden, und zu Beginn steuert ein Nachen sie an, ganz wie auf den Bildern.

Die Pest bricht aus

Es ist die Zeit der Balkankriege im Vorfeld des Ersten Weltkriegs. Im Boot befinden sich der griechische General Nikolas Pherides (Boris Karloff) und der US-Journalist Oliver Davis (Marc Cramer). Während die Truppen des Generals ihre Gefallenen bergen, will Pherides die Grabstätte seiner Frau besuchen. Doch ihre Gruft erweist sich als leer. Auf der Insel treffen die beiden Neuankömmlinge unter anderem auf den britischen Diplomaten St. Aubyn (Alan Napier) und dessen kränkelnde Ehefrau Mary (Katherine Emery) sowie den Schweizer Archäologen Dr. Aubrecht (Jason Robards Sr., Vater des gleichnamigen, bekannteren Schauspielers). Dessen Haushälterin Madame Kyra (Helen Thimig) schürt bei Pherides die Angst vor einem Wrukolakas, einem vampirischen Dämon. Stattdessen jedoch bricht kurz darauf die Pest aus.

Atmosphäre geht bei „Isle of the Dead“ über Storytelling. Das macht aber nichts, über diese düstere Insel geht man auch ohne ausgefeilten Handlungsstrang gern. Regisseur Mark Robson fehlt sicher das Händchen von Jacques Tourneur, dem Regisseur, mit dem Produzent Val Lewton 1942 und 1943 mit „Katzenmenschen“, „Ich folgte einem Zombie“ und „The Leopard Man“ seine RKO-Horror-Ära startete. Es fehlt etwas der zündende Funke, die Handschrift von Val Lewton holt dennoch einiges heraus. Das stimmungsvolle Setting und Boris Karloffs Präsenz heben „Isle of the Dead“ dann doch über den Durchschnitt.

Boris Karloff und Val Lewton

Nach „The Seventh Victim“, „The Ghost Ship“ (beide 1943) und dem Jugenddrama „Youth Runs Wild“ (1944) markiert der Film die vierte Zusammenarbeit zwischen Lewton und Robson. Ein Jahr später folgte noch „Bedlam“ (1946). Seinen spektakulärsten Film drehte Robson viel später: 1974 mit dem randvoll mit Stars inszenierten Katastrophenfilm „Erdbeben“. „Isle of the Dead“ ist nach „Der Leichendieb“ („The Body Snatcher“, 1945) und vor „Bedlam“ der zweite von drei Filmen, die Boris Karloff unter Regisseur Robson und Produzent Lewton gedreht hat – feine Arbeiten allesamt.

Empfohlen von Martin Scorsese

Meisterregisseur Martin Scorsese („GoodFellas“, „Casino“, „The Wolf of Wall Street“) hat „Isle of the Dead“ in seinen persönlichen Kanon der gruseligsten Filme aller Zeiten aufgenommen. Das mag mit einer Angst zusammenhängen, lebendig begraben zu werden, denn Scorsese begründet das mit einer Szene, in der das Szenario vorkommt; es ist dennoch bemerkenswert, zeigt es doch einerseits, dass sich moderne Filmemacher auch heute von sehr alten Filmen inspirieren lassen, zum anderen offenbart es den Einfluss, den die Filme von Produzent Val Lewton auf heutige Regisseure haben.

Böcklins Gemädlezyklus „Die Toteninsel“ ist im Werk von Produzent Val Lewton nicht nur bei „Isle of the Dead“ Thema: Bereits zwei Jahre zuvor diente eins der Gemälde als subtile Andeutung in „Ich folgte einem Zombie“: Man sieht es im Zimmer der bedauernswerten, mit dem Zombie-Fluch belegten Patientin Jessica Holland (Christine Gordon) hängen.

The Val Lewton Horror Collection

Da die Kollaboration zwischen Mark Robson und Val Lewton hierzulande sträflich vernachlässigt worden ist, erlaube ich mir, auf die 5-DVD-Box „The Val Lewton Horror Collection“ hinzuweisen, die 2005 in den USA erschienen ist. Sie enthält neun Filme aus der überschaubaren Produzenten-Filmografie Lewtons, darunter vier Regiearbeiten Robsons – es fehlt „Youth Runs Wild“, der ja kein Horrorfilm ist. Leider ist die Box vergriffen und im Gebrauchthandel mittlerweile recht teuer. Auch nach den Einzel-DVDs mit jeweils zwei Filmen kann man Ausschau halten. Sie enthalten allerdings keine deutsche Tonspur und sind nur in Playern abspielbar, die den nordamerikanischen Regionalcode akzeptieren.

Produzent Val Lewton

Über Val Lewton habe ich auch in gedruckter Form geschrieben: Ausgabe #12 von „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ mit dem Titelschwerpunkt Horror ein von mir verfasster Beitrag über die Produzentenlegende. Das Heft kann hier bestellt werden.

Boris Karloff bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Das alte finstere Haus (1932)
Isle of the Dead (1945)
Der Leichendieb (1945)
Bedlam (1946)
Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley (1965)

Veröffentlichung (USA): 4. Oktober 2005 als Bestandteil der 5-DVD-Box „The Val Lewton Collection“ mit neun Spielfilmen und einer Doku

Länge: 72 Min.
Altersfreigabe: ungeprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Englisch, Spanisch, Französisch
Originaltitel: Isle of the Dead
USA 1945
Regie: Mark Robson
Drehbuch: Ardel Wray
Besetzung: Boris Karloff, Ellen Drew, Marc Cramer, Alan Napier, Katherine Emery, Helene Thimig, Jason Robards Sr., Ernst Deutsch
Vertrieb: Turner Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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