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Erinnerungen an Marnie – Zum Schluss die Tränen

09 Mrz

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Omoide no Mânî

Von Matthias Holm

Anime-Drama // Inzwischen sollten die Stammleser von „Die Nacht der lebenden Texte“ es mitbekommen haben, dass ich bei Filmen häufig nah am Wasser gebaut bin. Dieses Phänomen ist besonders bei Animationsfilmen stark ausgeprägt. Also war es kein Wunder, dass während des Abspanns des vorerst letzten Studio-Ghibli-Films „Erinnerungen an Marnie“ bei mir die Tränen liefen, was zwei Gründe hatte: einmal die Gewissheit, dass so bald keine neuen Filme aus dem Traditions-Studio kommen werden, zum anderen die Tatsache, dass „Erinnerungen an Marnie“ ein wirklich berührender Film ist.

Mädchenfreundschaften

Anna muss aufs Land. Das zurückhaltende Mädchen hat Asthma und soll sich außerhalb der Großstadt auskurieren. Beim Erkunden der neuen Umgebung entdeckt Anna ein Haus in der Marsch. Dort wohnt Marnie. Die beiden Mädchen freunden sich schnell an, doch eines Tages zieht die Familie Linday in das Anwesen ein und Marnie verschwindet spurlos.

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Anna (vo.) trifft auf Marnie

Das klingt mysteriöser als der Plot in Wahrheit ist. Dem Zuschauer wird durch verschiedene Szenen von Anfang an suggeriert, woher Marnie stammt, auch Anna ist sich dessen stets bewusst. Wie allerdings gegen Ende die Beziehung der beiden aufgedeckt wird, das war eine angenehme kleine Überraschung.

Coming of Age ohne Löcher

Sämtliche Versatzstücke, die während des Films auftauchen, werden durch die Erklärung am Ende zu einem konsequenten und stimmigen großen Ganzen zusammengefügt – was in der heutigen Zeit mit Filmen voller Plot-Löcher eine erstaunliche Leistung ist. Im Kern geht es bei „Erinnerungen an Marnie“ um eine klassische Coming-of-Age Geschichte, in der Anna vor allem die Beziehung zu ihrer Adoptivmutter repariert.

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Die beiden Mädchen freunden sich schnell an

Hiromasa Yonebayashi inszeniert die Verfilmung des Buches „Damals mit Marnie – Glückliche Ferien am Meer“ erstaunlich unaufgeregt, aber nie lethargisch. Während die vorherigen beiden Ghibli-Filme „Wie der Wind sich hebt“ und „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ sich zwei Stunden lang in ihrer technischen Perfektion wälzten, dabei aber ihre narrative Ebene vollständig vernachlässigten, gelingt es „Erinnerungen an Marnie“, Annas Reise stets voranzutreiben, ohne gehetzt zu wirken. Auch sind Annas Entdeckungen keine bloßen Plotpunkte, die abgearbeitet werden müssen, sondern sehr organisch – zu keinem Zeitpunkt dienen sie nur der Exposition.

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Was befindet sich im ehemaligen Speicher?

Auch überzeugt der Film mit einer enormen Liebe zum Detail. Wie schon Yonebayashis Erstling „Arriety – Die wundersame Welt der Borger“ gibt es in allen Bildern viel zu sehen, sodass sich allein dafür eine Zweitsichtung lohnt. Technisch ist die Blu-ray hier natürlich, wie immer beim Studio Ghibli, ein Referenzprodukt.

Drauf einlassen und weinen

Die ruhige Erzählweise und die Art der Geschichte sind vielleicht nicht für alle Filmegucker etwas. Doch wenn der Abspann mit dem wunderbaren Lied „Fine on the Outside“ von Priscilla Ahn läuft, dürfte es wohl fast jedem, der sich auf den Film einlässt, so gehen wie mir – eine kleine Freudenträne wird fließen.

Veröffentlichung: 11. März 2016 als Blu-ray, Special Edition 2-DVD und DVD

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Alterbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Omoide no Mânî
JAP 2014
Regie: Hiromasa Yonebayashi
Drehbuch: Hiromasa Yonebayashi, Keiko Niwa, Masashi Ando, nach einem Roman von Joan G. Robinson
Zusatzmaterial: Storyboards zum kompletten Film, NTV Special: Making-of, Yohei Taneda’s Art of Marnie, Trailer & TV-Spots, Studio Ghibli Trailershow
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Matthias Holm

Szenenbilder, Packshots & Trailer: © 2016 Universum Film

 
 

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3 Antworten zu “Erinnerungen an Marnie – Zum Schluss die Tränen

  1. kinderkanalhasser

    2016/03/27 at 10:39

    Wo ist den hier das Making of mit 42:38 Min? Wo ist den hier das „Yohei Taneda Creates the Art of When Marnie Was There“ mit 17:14 Min und das „Behind the Scenes with the Voice Cast“ mit 12:39 Min? Das hier ist doch angeblich die Special Editon.

     
    • V. Beautifulmountain

      2016/03/27 at 15:19

      Ich verstehe die Fragen nicht recht. Wo sollen die erwähnten Featurettes sein? Das Zusatzmaterial ist so aufgelistet, wie es Universum Film veröffentlicht hat.

       
  2. AktionMorgenluft

    2016/03/10 at 00:23

    Liegt hier gerade neben mir! Freue mich schon

     

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