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Videospiel-Verfilmungen (IV): Heavenly Sword – Das Mädchen und das Schwert

22 Mrz

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Heavenly Sword

Von Matthias Holm

Computertrick-Fantasy-Action // Am Anfang eines jeden Konsolenzyklus gibt es immer wieder Videospiele, die zeigen sollen, was die neuen Maschinen grafisch drauf haben. In diese Kategorie fällt auch das 2007 exklusiv für die Playstation 3 erschienene „Heavenly Sword“ der Entwickler Ninja Theory. Das Spiel überzeugte zwar durch eine spannende Geschichte mit interessanten Figuren und solides Gameplay, nervte aber mit unnötigen Bewegungssteuerung-Passagen und einem alles andere als fairen Endkampf. Nun kommt knapp neun Jahre später ein Film basierend auf eben diesem Spiel für das Heimkino raus.

Von Legenden und Prophezeiungen

Das titelgebende himmlische Schwert ist der Legende nach die einzige Waffe, die das ultimative Böse aus der Welt vertreiben kann. Allerdings wurden viele Menschen von seiner Macht korrumpiert – sie setzten es für niedere Zwecke ein. Auch lastet auf dem Schwert ein Fluch: Wer es benutzt, ohne von ihm als würdig erachtet zu werden, wird seiner Lebenskraft beraubt. Damit das „Heavenly Sword“ also nicht in falsche Hände gerät, wacht ein Krieger-Clan über die Waffe. Eine Prophezeiung besagt, dass der Erstgeborene von Meister Shen dazu bestimmt ist, das Schwert zu führen. Doch das Schicksal schenkt Shen nicht wie erwartet einen Sohn, sondern eine Tochter, Nariko. Shen sieht in Nariko einen Fehler und missachtet sie, doch eines Tag steht der böse König Bohan vor den Toren des Clans. Nariko muss fliehen – und benutzt auf der Flucht das „Heavenly Sword“.

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Nariko ist zu allem bereit

Sehr viel Geschichte – die im Film und im Spiel innerhalb eines kurzen Prologs abgehandelt wird. Allerdings trennen sich bei der Hauptmotivation und somit dem Motor der restlichen Geschichte beide Medien voneinander. Während Nariko im Spiel versucht, die gefangenen Dorfbewohner zu retten, und dabei unter anderem erfährt, dass ihr Vater sie als Säugling umbringen wollte, hat es Shen im Film mit der Monogamie nicht ganz so konsequent gehalten: Er hat diverse Frauen geschwängert. Dabei kam sogar ein Sohn heraus, den Nariko nun sucht. Dem Filmgucker sei überlassen, was er unsympathischer findet.

Düster, aber weniger brutal

Ein weiterer Unterschied ist die Farbpalette. Trotz des durchaus düsteren Themas musste das Videospiel ja die grafischen Muskeln der damals neuen Playstation 3 spielen lassen, also gab es farbenfrohe und kontrastreiche Schauplätze. In der Filmversion hingegen herrschen dunkle Töne vor, vieles spielt gar zur Nachtzeit. Genauso geht es auch in der Story zu. Während im Spiel vor allem Bohan immer wieder für süffisante Kommentare sorgte, bleibt der Film über die volle Laufzeit bierernst. Und damit kommen wir zum ersten großen Problem.

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Kai steht Nariko schussbereit zur Seite

Der Film hat eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren bekommen. Das ist in Ordnung, das Spiel durfte man allerdings erst ab 16 spielen. Der Unterschied, abgesehen davon, dass man beim Film nur passiver Konsument ist, liegt an den Auswirkungen der Gewalt. Es gibt enorm viele Kämpfe und es fließt einiges an animiertem Blut – aber man sieht keine Wunden. Mit Ausnahme einer Stelle gibt es keine Anzeichen, dass ein Kampf stattgefunden hat. Dadurch wird die Ernsthaftigkeit komplett ad absurdum geführt. Der Grund für diese schlampige Arbeit ist schnell gefunden: Bei „Heavenly Sword“ handelt es sich um eine Billigproduktion.

Nicht hübsch

Obwohl auf der Audio-Ebene im Original geklotzt und nicht gekleckert wurde – man hört im englischen Original unter anderem die Stimmen von Alfred Molina und Thomas Jane – sieht der Film einfach grauenhaft aus. Die Figuren sind viel zu kantig geraten und bewegen sich abgehackt, was vor allem bei den Kämpfen scheußlich aussieht. Das ist insofern schade, als sie an sich nicht schlecht choreografiert sind, nur wirken sie nie wie aus einem Guss. Und selbst wenn man konstanteren kann, dass wir heutzutage dank Pixar, Disney, DreamWorks etc. einen enorm hohen Standard in der Animationstechnik haben, muss man den Film nur einmal mit dem Videospiel von vor neun Jahren vergleichen – das sah teilweise besser aus.

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Viele Gegner? Kein Problem mit dem „Heavenly Sword“

Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit an die Optik, allerdings macht sie viel der potenziellen Qualität zunichte, die in der Geschichte und der starken weiblichen Protagonistin Nariko steckt. Da helfen auch sehr gute Plot-Twists und eine bekannte Sprecher-Garde wenig – „Heavenly Sword“ ist kein guter Film, obwohl er mit etwas Sorgfalt doch so viel mehr hätte sein können.

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Bohans Schergen haben keine Chance

Videospiel-Verfilmungen bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Super Mario Bros. (Fantasy-Abenteuer, USA 1993, geplant)
Alone in the Dark (also doch Uwe Boll! SF-Horror, KAN/D/USA 2005, geplant)
Silent Hill – Willkommen in der Hölle (Horror, KAN/F/JAP 2006)
Hitman – Jeder stirbt alleine (Actionthriller, F/USA 2007)
Prince of Persia – Der Sand der Zeit (Fantasy-Abenteuer, USA 2010, geplant)
Silent Hill – Revelation (Horror, F/KAN 2012, geplant)
FPS – First Person Shooter (Horror-Action, D 2014)
Heavenly Sword (Computertrick-Fantasy-Action, USA 2014)
Dead Rising – Watchtower (Horror-Action, USA 2015)
Hitman – Agent 47 (Actionthriller, USA/D 2015)
Assassin’s Creed (SF-Abenteuer, GB/F/HK/USA 2016)
Dead Rising – Endgame (Horror-Action, USA 2016)
Kingsglaive – Final Fantasy XV (Computertrick-Fantasy-Action, USA/JAP 2016)
Ratchet & Clank (Computertrick-Fantasy-Action, HK/KAN/USA 2016)
Resident Evil – The Final Chapter (Horror-Action, F/D/KAN/AUS 2016)
Warcraft – The Beginning (Fantasy-Action, USA 2016)

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Nariko scheut keine Gefahren

Veröffentlichung: 24 März 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 81 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Heavenly Sword
USA 2014
Regie: Gun Ho Jang
Drehbuch: Todd Farmer
Zusatzmaterial: Kinotrailer
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Matthias Holm
Szenenbilder & Packshot: © 2016 Koch Films

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Eine Antwort zu “Videospiel-Verfilmungen (IV): Heavenly Sword – Das Mädchen und das Schwert

  1. Nils

    2017/06/20 at 14:19

    weiss einer wer nariko die deutsche stimme gibt? denn die stimme kommt mir aus einem anderen film bekannt vor ich weiss nur nicht wie die frau heißt

     

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