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The Huntsman & The Ice Queen – Verbotene Liebe

06 Apr

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The Huntsman – Winter’s War

Kinostart: 7. April 2016

Von Andreas Eckenfels

Fantasy // 2012 buhlten gleich zwei hervorragend besetzte „Schneewittchen“-Adaptionen um die Gunst der Zuschauer: Der frisch-frivole „Spieglein, Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen“ mit Julia Roberts und Lily Collins sowie der überaus düstere „Snow White and the Huntsman“ mit Kristen Stewart, Charlize Theron und Chris Hemsworth. Letztgenannter war mit einem weltweiten Einspielergebnis von knapp 400 Millionen US-Dollar an den Kinokassen mehr als doppelt so erfolgreich wie sein Kontrahent. Ob dies an der Affäre zwischen Regisseur Rupert Sanders und seiner Hauptdarstellerin Stewart lag, die während der und nach den Dreharbeiten für reichlich Stoff für die weltweiten Klatschspalten sorgte?

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Die Huntsmen von Eiskönigin Freya kehren erfolgreich von der Schlacht zurück

Die Produzenten entschieden schließlich, die lang geplante Fortsetzung skandalfrei zu halten und statt Stewarts Schneewittchen den von Chris Hemsworth gespielten tapferen Jägersmann Eric in den Mittelpunkt zu stellen. Immerhin erhält der „Thor“-Star mit der als böse Königin Ravenna wiederkehrenden Charlize Theron, Emily Blunt („Sicario“) und Jessica Chastain („Der Marsianer – Rettet Mark Watney“) ein schlagkräftiges Frauen-Trio an die Seite gestellt.

Prequel oder Sequel? Beides!

Die Geschichte beginnt zunächst weit vor den Ereignissen von „Snow White and the Huntsman“: Die böse Königin Ravenna (Theron) und ihre Schwester, Eiskönigin Freya (Blunt), herrschen gemeinsam über ihr Königreich. Als Freya jedoch von ihrem Liebhaber das Herz gebrochen wird, kocht sie vor Wut und Trauer. Sie glaubt in keiner Sekunde daran, dass die selbstsüchtige Ravenna vielleicht hinter dem Verrat stecken könnte, stattdessen verabschiedet sich Freya kurzerhand von ihrer Schwester und nutzt ihre Kräfte über Eis und Schnee, um in der Ferne ihr eigenes Reich aufzubauen. Dazu gehört neben einem winterlichen Palast auch eine eigene Armee, in der unter anderem Eric (Hemsworth) und Sara (Chastain) schon seit ihrer Kindheit zu stets kampfbereiten Huntsmen ausgebildet werden. Und wie es so kommt: Eric und Sara verlieben sich ineinander – für die gefühlskalte Freya eine Todsünde! Eric wird verbannt und muss mit ansehen, wie seine Geliebte ermordet wird …

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Eric und Sara entwickeln verbotene Gefühle zueinander

Viele Jahre später hat Schneewittchen – die übrigens nur in einer einzigen Filmszene kurz von hinten zu sehen ist – die Macht der bösen Ravenna gebrochen und herrscht nun als Königin über das Reich. Doch Freya schwört Rache und klaut mit Hilfe ihrer Huntsmen den magischen Spiegel. Wer käme besser für eine abenteuerliche Rückholaktion in Frage als der tapfere Eric?

„Die Eiskönigin“ kennt doch jeder!

Das ständige Hickhack um den zweiten Teil hat sich sichtbar auch auf das Drehbuch ausgewirkt. Die mehr als holprig erzählte Geschichte dichtet kurzerhand Ravenna eine Schwester Freya hinzu, die im Vorgänger keinerlei Erwähnung findet. Eine clevere Taktik, um auf den Erfolgszug von Disneys „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ aufzuspringen. Auf dem Papier zumindest. Denn Regiedebütant Cedric Nicolas-Troyan findet keinerlei Ideen, um die Figur glänzen zu lassen. Die Eiswände, die Freya aus dem Finger zaubern kann, hat man schon viel zu häufig gesehen, als dass sie noch wirklich zu beeindrucken vermögen.

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Eric soll den magischen Spiegel finden

Die Spezialeffekte gehen dennoch in Ordnung, was man von Nicolas-Troyan auch erwarten muss, da er mit seinem Team schon für die Oscar-nominierten visuellen Effekte in „Snow White and the Huntsman“ zuständig war. Und immerhin fügt der Nachfolger auch eine Ebene hinzu, welche im Erstling schmerzlich vermisst wurde: Humor in Form zweier Zwerge, dargestellt von Nick Frost und Rob Brydon, die Eric sprücheklopfend unterstützen und sich später auch mit zwei Zwergendamen herrlich zanken dürfen.

Ein Troll vom Affen gebissen?

Doch ein Happy End ist dem Regisseur und seinem Film in dieser Rezension nicht beschieden: Zu einfallslos ist dieses Fantasy-Abenteuer hingeschludert, die märchenhafte Welt erwacht nie wirklich zum Leben. Das war in Teil eins mit dem herrlichen Feenwald noch anders. Ein paar Kämpfe muss der Huntsman natürlich überstehen, darunter einen gegen einen Troll mit Widderhörnern, der wie ein wilder Affe durch die Gegend hüpft. Seltsam auch, dass Hemsworth‘ Eric als ziemlicher Trottel dargestellt wird: Da springt er todesmutig in die Tiefe und landet unsanft auf einem Dach – es sei ein schlechter Plan gewesen, wie er im Nachhinein bemerkt. Das soll natürlich witzig sein, passt aber nicht zu seiner Figur. So etwas erwartet man nicht von einem ausgebildeten Krieger.

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Bei seiner gefährlichen Aufgabe stehen ihm die Zwerge Nion (l.) und Gryff zur Seite

Die drei Frauen in ihren schönen Kostümen können leider auch nichts mehr rausreißen: Nur Emily Blunt läuft unter den Darstellern zur Normalfall auf, auch weil ihre Rolle nicht ganz so eindimensional angelegt ist wie die übrigen Charaktere. Charlize Theron ist gerade mal etwa 15 Minuten im Film zu sehen und überaus lustlos bei der Sache. Vielleicht erging es ihr ebenso wie Jessica Chastain, die angeblich nur aufgrund einer Vertragsklausel zu „Crimson Peak“ dazu verpflichtet war, in „The Huntsman & The Ice Queen“ mitzuwirken. So sehr ich Chastain verehre, aber die Liebesbeziehung zwischen Sara und Eric wirkt niemals echt.

War „The Huntsman & The Ice Queen“ also eine reine Auftragsarbeit? Wer weiß. Auf jeden Fall ist der Märchenfilm für mich eine mehr als unnötige und überaus ärgerliche Fortsetzung, die statt Herzenswärme nur Eiseskälte ausstrahlt.

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Mächtige Schwestern: Ravenna (r.) und Freya

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jessica Chastain und/oder Charlize Theron sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Chris Hemsworth unter Schauspieler.

Länge: 114 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Huntsman – Winter’s War
USA 2016
Regie: Cedric Nicolas-Troyan
Drehbuch: Evan Spiliotopoulos, Craig Mazin
Besetzung: Chris Hemsworth, Charlize Theron, Emily Blunt, Jessica Chastain, Nick Frost, Rob Brydon, Sheridan Smith
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH

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3 Kommentare

Verfasst von - 2016/04/06 in Film, Kino, Rezensionen

 

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3 Antworten zu “The Huntsman & The Ice Queen – Verbotene Liebe

  1. privatkino

    2016/04/06 at 08:11

    Lieber Andreas,
    was du geschrieben hast, hatte ich mir beinahe erwartet. Morgen werde ich den Film mit meinem Bruder ansehen und habe eine niedrige Erwartungshaltung, aber es gibt leckeres Popcorn und darauf freu ich mich jetzt einfach mal 🙂

    Alles Liebe
    Yvonne

     
    • Andreas

      2016/04/06 at 08:37

      Liebe Yvonne,

      eben. Wenn man die Erwartungen erheblich zurückschraubt, kann man mit HUNTSMAN & THE ICE QUEEN sicherlich kurzzeitig unterhalten werden. Aber bei der großen Besetzung wäre mehr drin gewesen. Viel Spaß im Kino und guten Appetit! 😉

      Grüße,
      Andreas

       
  2. Joseph

    2016/04/06 at 08:04

    Wir haben uns vor einiger Zeit den ersten Teil angetan. Mehr weiß ich nicht: Ich habe nie schneller alles an einem Film vergessen. Als dann neulich der Trailer hierfür in den Kinos lief, brauchte ich einen Moment, nur um zu begreifen, wie hanebüchen das alles ist: „Kennt ihr noch den Jäger aus dem ersten Akt von Schneewittchen? Nun, er war eigentlich Mitglied einer Elite-Spezialeinheit, welche von der Eiskönigin…“

    Nach dem Erfolg des Herrn der Ringe habe ich mich sehr auf eine neue Generation von Fantasy-Filmen im großen Maßstab gefreut. Aber nicht so. Nicht so! 😀

     

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