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Hardcore – Blei und Blut von ganz nah dran

12 Apr

Hardcore-Plakat

Hardcore Henry

Kinostart: 14. April 2016

Von Matthias Holm

SF-Action // Dass die beiden Medien Film und Videospiel einander immer wieder beeinflussen, ist keine neue Beobachtung. Ob nun die Spiele immer cineastischer werden wie beispielsweise „Heavy Rain“ oder gleich ganze Videospiele zu Filmen verwurstet werden, ist hierbei egal. Doch an ein Genre hat sich der Film bisher nur vorsichtig heran getraut – dem Ego-Shooter, auch First-Person-Shooter genannt. Außer einer unterhaltsamen Sequenz im Dwayne-„The Rock“-Johnson-Vehikel „Doom“ und dem deutschen Genre-Film „FPS – First Person Shooter“ hielt man die Idee, einen Film aus der Ego-Perspektive zu drehen, wohl für unsinnig – auch wenn man Found-Footage-Filme als eine Abwandlung ansehen könnte. Doch jetzt kommt „Hardcore“, um diese Barriere mit viel Geballer einzureißen.

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Ein neuer Arm? Kein Problem für Estelle

Komplett desorientiert wacht Henry in einem Labor auf. Er liegt auf einem Behandlungstisch, kann sich an nichts erinnern. Die Frau, die sich über ihn beugt, nennt ihm seinen Namen – und berichtet, dass sie miteinander verheiratet sind. Estelle (Haley Bennett), so der Name der jungen Dame, rüstet Henry mit einem mechanischen Arm und Bein aus, da die aus irgendeinem Grund fehlen. Doch lange dauert das Wiedersehen nicht – bald tritt Akan (Danila Kozlovsky) auf den Plan. Der Bösewicht verletzt Henry mit seinen telepathischen Fähigkeiten (!) schwer und entführt Estelle. Das kann der neu gebackene Cyborg natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Unterstützung bei seinem Rachefeldzug bekommt Henry von Jimmy (Sharlto Copley), der anscheinend mehrere Leben hat – denn obwohl er mehrmals getötet wird, taucht er immer wieder auf.

Der letzte Wumms fehlt

Bereits nach dem ersten Trailer entwickelte sich um „Hardcore“ ein extremer Hype. Doch der neue Stern am Action-Firmament ist der Film leider nicht geworden. Das größte Problem dabei ist die Perspektive. Während im Videospiel die Ego-Sicht die Immersion erhöhen soll, da man das Geschehen aus den Augen seiner Spielfigur betrachtet, bewirkt sie im Film eher das Gegenteil. So viel auch geschossen und gekämpft wird, ein richtiges Gefühl für die Kraft der Handlungen bekommt man nie – da sind Filme wie „The Raid“, die beiden „Crank“-Teile oder auch „Mad Max – Fury Road“ einfach druckvoller. Dennoch wird dieser besondere Blick auf das Geschehen für die eine oder andere interessante Perspektive genutzt – wer wollte nicht schon immer mal wissen, was man so sieht, wenn die Augen an zwei unterschiedlichen Orten sind?

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Jimmy wirkt nicht vertrauenswürdig

Trotz des angesprochenen Makels macht Hardcore über seine volle Länge Spaß. Das liegt zum einen daran, dass die Action trotz allem versiert und abwechslungsreich inszeniert ist. Die Schauplätze wechseln häufig, womit auch immer wieder andere Situationen einhergehen, die von Henry gelöst werden müssen. Nach anfänglichem Zögern bewerkstelligt er das mit fortlaufender Dauer immer präziser – und perfider. Gerade zum alles sprengenden Finale hin werden die Tötungen schon fast absurd brutal, was natürlich in voller Pracht gezeigt wird. Einzig die Orientierung leidet gelegentlich unter den vielen Ortswechseln. Aufgrund von sehr schnellen Schnitten weiß der Zuschauer meist nicht, wo sich Henry gerade befindet oder wie viel Zeit seit der letzten Einstellung vergangen ist.

Show-Stealer Sharlto Copley

Zum anderen ist da Sharlto Copley. Der Mann, der mit „District 9“ oder „Elysium“ bereits einige Erfahrung im Science-Fiction-Genre aufweisen kann, reißt in den verschiedenen Inkarnationen seiner Figur Jimmy immer wieder die Show an sich. Sogar in den Action-Szenen, in denen die Zuschauer sich am besten auf den Protagonisten konzentrieren sollten, zieht Copleys verrücktes Spiel die Aufmerksamkeit auf sich.

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Ratatatatat!

Zur Geschichte an sich: Sie ist vorhanden. Allerdings folgt sie der Logik vieler Videospiele, das heißt, sie dient nur dazu, die verschiedenen Schauplätze halbwegs sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Es gibt durchaus interessante Ansätze, die man zwar in anderen Science-Fiction-Filmen so oder ähnlich bereits gesehen hat, aber dem ansonsten sinnlosen Treiben doch wenigstens einen Hauch von Tiefe verleihen. Wer aber auf Erklärungen hofft, zum Beispiel woher der böse, böse Akan seine Kräfte hat, oder woher die beiden Damen in Latex-Anzügen mit Katanas kommen, der wird enttäuscht werden.

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Kommt ein Henry gefolgen

Nach knapp 90 Minuten ist der ganze Spaß vorbei – gut so, Filme müssen nicht immer zwei Stunden dauern. Zwar kommt man nach „Hardcore“ ordentlich durchgeschüttelt aus dem Kino, doch wird man das Gefühl nicht los, aus der Grundidee könne mehr rausgeholt werden. Vielleicht sehen die Filmemacher hier auch einen neuen Trend – ein Zombie-Film aus der Ich-Perspektive mit dem wohlklingenden Titel „Pandemic“ wurde jüngst angekündigt.

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Explosion auf Knopfdruck

Tim Roth bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Last Hitman – 24 Stunden in der Hölle (2012)
Herbststurm (2014)
Hardcore (2015)
The Hateful Eight (2015)

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: Hardcore Henry
USA/RUS 2015
Regie: Ilya Naishuller
Drehbuch: Ilya Naishuller, Will Stewart
Besetzung: Haley Bennett, Sharlto Copley, Danila Kozlovsky, Tim Roth, Darya Charusha, Svetlana Ustinova
Verleih: capelight pictures

Copyright 2016 by Matthias Holm
Filmplakat & Fotos: © 2016 capelight pictures

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2016/04/12 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Hardcore – Blei und Blut von ganz nah dran

  1. Sarah

    2016/04/13 at 12:38

    …nur die Perspektive ist schwindelerregend!

     

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