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Planet der toten Seelen – Wie man mit dem Sputnik schnell mal Kasse macht

15 Apr

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War of the Satellites

Von Andreas Eckenfels

Science-Fiction // Als am 4. Oktober 1957 die Sowjetunion mit dem Sputnik 1 den ersten Satelliten überhaupt ins Weltall schickte, war die Aufregung in Westeuropa und besonders in den USA groß. Sogar von einem Sputnikschock war die Rede. Die USA konnten erst am 1. Februar 1958 mit dem Explorer 1 ihre Antwort geben. Regisseur Roger Corman machte sich diese allgemeine Raumfahrt-Hysterie zunutze und ließ auf die Schnelle ein Drehbuch zum Thema schreiben. Bereits am 6. April 1958, nur drei Monate nach der ersten Filmidee, kam „War of the Satellites“ in die US-Kinos. Selbst für Vielfilmer Corman war das verdammt fix.

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Die Astronauten wissen noch nicht, dass ihre Mission unglücklich enden wird

Es herrscht Frust und Entsetzen unter den Raketenforschern der Vereinten Nationen: Ein weiterer bemannter Satellit wurde durch eine unsichtbare Barriere im All zerstört. Wieder einmal ließen tapfere Astronauten ihr Leben. Kurze Zeit später wird eine geheimnisvolle Botschaft entdeckt: Die Menschheit wird davor gewarnt, weitere Versuche zu unternehmen, den Weltraum zu erkunden. Dann werde die Erde zerstört. Stammt die Nachricht von Außerirdischen? Dr. Pol Van Ponder (Richard Devon) ist die Drohung egal. Er arbeitet bereits an einer neuen Rakete, welche die Bedrohung ausfindig machen und zerstören soll. Doch dann kommt Dr. Van Ponder bei einem mysteriösen Auto-Unfall ums Leben. Angeblich. Denn der für tot gehaltene Wissenschaftler erscheint dennoch putzmunter auf einer UNO-Versammlung.

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Entsetzen in der Kommandozentrale: Schon wieder hat es einen bemannten Satelliten erwischt

Einige Monate später fliegt Dr. Van Ponder mit einem neuen Satelliten ins All. Doch seine Crewmitglieder, darunter Dave Boyer (Dick Miller) und Sybil Carrington (Susan Cabot), bemerken bald, dass sich der Forscher überaus seltsam benimmt …

Selbst für Corman-Fans kaum annehmbar

Die reinen Dreharbeiten hatten gerade mal acht Tage in Anspruch genommen. Etwas mehr Zeit für eine schlüssige Geschichte hätte sich Corman schon nehmen können. Der betitelte „Krieg der Satelliten“ findet nicht statt, geschweige denn wird ein „Planet der toten Seelen“ entdeckt, wie der reißerische deutsche Titel suggeriert. Stattdessen wird die Handlung hauptsächlich durch langatmige Dialoge vorangetrieben, meist in Form von endlosen Telefongesprächen. Action oder gar Spannung kann da gar nicht erst aufkommen. Das ist Science-Fiction-Trash, der nur wenig Grund zur Freude bereitet. Selbst Corman-Komplettisten müssen zugeben, dass dies eines der schwächeren Werke des Meisters ist.

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Piep, piep, kleiner Satellit

Dennoch ist „Planet der toten Seelen“ als Nummer 2 innerhalb der liebevoll gestalteten Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ gut aufgehoben. Darin sind eben nicht nur Klassiker vertreten wie der zum Auftakt erschienene „Der Fluch des Dämonen“ von Jacques Tourneur, sondern auch kuriose Machwerke aus den 50er- und 60er-Jahren, die man als Fan dieser Ära gesehen haben sollte. Bei „Planet der toten Seelen“ handelt es sich um ein Produkt seiner Zeit, schnell für 70.000 Dollar heruntergekurbelt, um mit einem aktuellen Hype ein paar Dollar mitzunehmen. Laut Corman soll das Werk auch durchaus ein finanzieller Erfolg gewesen sein. Die Rechnung ging also auf.

Enttäuscht, aber glücklich!

Sehr schön von Anolis, dass der Publisher neben der US-Fassung die ebenfalls um etwa 14 Minuten verlängerte deutsche Fassung auf die DVD gepresst hat. Die Extraszenen, besetzt unter anderem mit Klaus Kindler, Ursula Herwig und Horst Naumann, fügen sich überraschend nahtlos in die Originalfassung ein. Im launigen Audiokommentar versuchen Ingo Strecker und Robert Zion gar nicht erst, den Film schönzureden. Dafür wird viel gelacht über Bösewicht Richard Devon und seine verbrannte Hand, die kargen Spanplattenkulissen, die ledernen Sesselliegen, die den Protagonisten als Pilotensitze dienen, oder Halsbänder, die zur Kommunikation dienen. Auch die mangelhaften Spezialeffekte können wohl nur von Ed Woods „Plan 9 From Outer Space“ unterboten werden, wie Strecker und Zion bemerken.

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Dave und Sybil machen eine unglaubliche Entdeckung

Trotz all meiner Kritik habe ich „Planet der toten Seelen“ gleich drei Mal innerhalb kürzester Zeit gesehen – einmal in der US-Version, dann in der deutschen Fassung, danach mit Audiokommentar. Und genau das schätze ich an der „Galerie des Grauens“-Reihe: Selbst wenn der Film mal Mist ist, bietet Anolis den Genrefans dennoch ein unterhaltsames Gesamtpaket. Ich bin auf die weiteren Titel höchst gespannt!

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Dr. Van Ponder gibt es plötzlich doppelt

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. ???
07. ???
08. ???
09. ???
10. ???

Veröffentlichung: 24. März 2016 als DVD

Länge: 63 Min. (US-Fassung), 77 Min. (Deutsche Fassung)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: War of the Satellites
USA 1958
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Lawrence L. Goldman
Besetzung: Dick Miller, Susan Cabot, Richard Devon, Eric Sinclair, Michael Fox, Robert Shayne
Zusatzmaterial: Amerikanische Fassung und erweiterte deutsche Kinofassung wählbar, Einleitung von Schauspieler und Synchronsprecher Horst Naumann, Audiokommentar, Trailer, Deutscher Werberatschlag, Bildergalerie, Filmprogramm
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Anolis Entertainment GmbH

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