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The Trust – Big Trouble in Sin City: Wenn Cops zu Ganoven werden

28 Apr

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The Trust

Für diesen Gastbeitrag bedanken wir uns bei Marco Mewes, der mit seiner Ehefrau Bianca den „etwas anderen Filmblog“ Duoscope betreibt.

Krimidrama // Jim Stone und David Waters sind winzige Lichter bei der Polizei von Las Vegas, und arbeiten in der hiesigen Aservatenkammer. Dabei stößt Stone (Nicolas Cage) auf einen sensationellen Hinweis, den außer ihm niemand bemerkt zu haben scheint. Er holt seinen Freund Waters (Elijah Wood) an Bord. Gemeinsam enttarnen sie einen unscheinbaren Kühlraum, in dem sich ein bis zur Decke mit Reichtümern gefüllter Tresor befindet. Die beiden chronisch klammen Staatsdiener beschließen, den Coup ihres Lebens zu starten, doch die Nacht, die ihr Leben verändern soll, birgt ein Problem: Wem kann man in diesem Spiel wirklich trauen?

Cages Vegas

Nicolas Cage und Las Vegas – da sind zwei, die voneinander nicht lassen können. Und tatsächlich liefert Cage im Schatten der glitzernden Wüstenoase einige seiner besseren Leistungen ab: „Wild at Heart“ ist ohnehin einer seiner besten Filme, für „Leaving Las Vegas“ erhält er gar einen Oscar. Und Simon Wests Actionkracher „Con Air“ gilt als einer der besseren 90er-Flicks im Fahrwasser von Michael Bay – und endet spektakulär auf dem Vegas Strip.

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Ungleiches Duo: Die Cops David (l.) und Jim wechseln auf die andere Seite des Gesetzes

In „The Trust – Big Trouble in Sin City“ liefert Cage nach längerer Trash-Strecke wieder eine sehenswerte Performance ab, was wohl auch daran liegt, dass seine Figur interessant geschrieben ist. Cage spielt den bauernschlauen, immer etwas undurchsichtigen Cop mit Hang zu schlechten Scherzen und Wortspielen jedenfalls äußerst unterhaltsam. In Zeiten, in denen der noch immer von hohen Schulden geplagte Cage jede Rolle annehmen muss, die man ihm anbietet, erweist sich „The Trust“ in jedem Fall als gehobenes Werk seiner Sammlung.

Der immerjunge Wood

Als Cages buchstäblicher „Partner in Crime“ erweist sich Elijah Wood, dem sein Fluch, selbst mit Mitte dreißig noch auszusehen wie ein flaumbehafteter Teenager, deutlich zu schaffen macht – denn auch wenn er immer öfter Serienmörder und andere Psychos spielt, nimmt man ihm solche Rollen nur mit viel Mühe ab. Wood war auch nicht erste Wahl, sondern springt hier für Jack Hurst ein, der die Rolle ursprünglich spielen soll, aber aussteigt, als er in Konflikt mit seinem Dreh zu „Ben Hur“ kommt. Alles in allem ist Wood allerdings ein durchaus würdiger Ersatzmann und sein etwas tüdeliger, nicht weniger bauernschlauer Cop ein kongeniales moralisches Gegengewicht zu Cages Strippenzieher.

Spannend ist, wie sich die Perspektive während des Films schleichend wandelt: Ist zu Anfang Cage die Hauptfigur, die das Geschehen antreibt, wird die Last des Films in dessen 92 Minuten mehr und mehr auf Woods Schultern geladen, bis es schließlich zur völligen Umkehrung der Verhältnisse kommt.

Auch kurz im Bild

Der Film wirbt zudem damit, dass Jerry Lewis und Sky Ferreira mitspielen, was man als Werbemaßnahme goutieren kann. Altmeister Lewis, mittlerweile 90 Jahre alt, kam auf drängenden Wunsch seines engen Freundes Cage in den Film, ist insgesamt aber nicht mal eine Minute zu sehen. Das schwedische Sängerinnen-Schauspiel-Modell Sky Ferreira, zuletzt in Eli Roths „The Green Inferno“ zu sehen, spielt zwar etwas länger mit, hat aber nur knapp drei Dialogzeilen und gerät somit eher zum Plot Device als zur wirklichen Figur. Dafür darf sie hier einmal mit ihren natürlichen, dunklen Haaren auflaufen.

Ein gemischtes Debüt

„The Trust“ ist das Spielfilmdebüt der Brüder Alex und Benjamin Brewer, und bedauerlicherweise merkt man das dem Film hier und da an, auch wenn die beiden sich als äußerst talentiert erweisen. Ihr Film ist durchgehend kurzweilig, unterhaltsam und packend und bietet an etlichen Stellen unerwartete Wendungen oder clevere Schachzüge, die einen, im Verbund mit den zahlreichen Gags, durchgehend bei Laune halten. Dennoch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass deutlich mehr drin gewesen wäre.

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Jim hat ein Problem

Zum einen macht der Film den Eindruck, als könne er sich nicht recht entscheiden, was er sein will. Wirkt der Anfang noch komödienhaft, wechselt die Geschichte in der zweiten Hälfte zu einer deutlich grimmigeren Gangstertragödie. Leider funktioniert das mit den etablierten Figuren nur bedingt. Das macht auch eine Einstufung des Films schwierig. Teilweise ein Heist-Movie, teilweise Komödie, teilweise eine durchaus ernste Gangsterballade, diese Mischung macht aus dem Werk im Endeffekt vermutlich vor allem ein Drama.

Zum anderen wirkt der Film häufig, als hätte man noch mehr erzählen wollen. Einige Enden bleiben einfach offen, einige Motivationen ungeklärt und – besonders tragisch in einem bestimmten Fall – manche Konflikte schlicht unaufgelöst; oder zumindest wird einem nur das Ergebnis präsentiert, was irgendwie enttäuschend war. In der Hinsicht drehen die Brewer-Brüder leider ein wenig ungelenk an der Spannungsschraube, und diese deutlich spürbare Uneinheitlichkeit der Geschichte sowie die oft mangelnde Umsetzung mögen der Grund sein, dass der Film nur auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand herauskommt.

Überdurchschnittliche Video-Ware

Auf diesem Markt allerdings kann „The Trust“ klar überzeugen und hebt sich von vielen Kollegen ab, nicht nur durch den Cast, sondern eben auch durch eine durchaus spannende Geschichte, gute Gags, ein spielfreudiges Duo und die erwähnten Wendungen. Langweilig wird der Film nie.

In seinen besten Momenten wirkt „The Trust“ wie ein filmisches Potpourri des Spannungskinos der Neunziger und frühen Zweitausender: eine Prämisse, die grob an „Money Train“ erinnert, ein guter Schuss „The Heist“ oder „The Score“, dazu eine ordentliche Prise von Tarantinos „Reservoir Dogs“ und dem frühen Tarantino-Imitationskino wie etwa „Killing Zoe“. Insofern ist der vielleicht größte Vorwurf, den man „The Trust“ machen kann, dass er gut zwanzig Jahre zu spät kommt, um wirklich umzuhauen; man kann ihn aber auch als kurzweilige Hommage betrachten.

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Der Tresor ist nur mit Teamgeist zu öffnen – und Vertrauen. Doch was wartet auf der anderen Seite der Tür?

Als interessanter Fun Fact erweist sich, dass das „LVPD“, das Las Vegas Police Department, für das Stone und Waters arbeiten, gar nicht existiert. In Las Vegas arbeitet die „Metro“, das Las Vegas Metropolitan Police Department.

Genrefans von Heist-Filmen und Gangsterballaden werden mit „The Trust“ in jedem Fall knapp über Durchschnitt bedient, Cage-Fans können einer weiteren schillernden, mit Macken behafteten Figur des Stars zuschauen. Alle anderen sollten sich vor dem Anschauen bewusst machen, dass hier ein solider Film, aber kein Meisterwerk wartet, und sich notfalls mit einem halben Kasten Bier und ein paar Freunden versammeln, dann kann man wenig falsch machen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicolas Cage sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 29. April 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Trust
USA 2016
Regie: Alex Brewer, Benjamin Brewer
Drehbuch: Benjamin Brewer, Adam Hirsch
Besetzung: Nicolas Cage, Elijah Wood, Jerry Lewis, Sky Ferreira, Eric Heister, Alexandria Lee, Ethan Suplee
Zusatzmaterial: Originaltrailer, deutscher Trailer, Making-of, Trailershow, Wendecover, nur Blu-ray: Interviews, B-Roll, Zeitrafferaufnahmen vom Set
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2016 by Marco Mewes
Fotos & Packshot: © 2016 Ascot Elite Home Entertainment

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