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A Bigger Splash – Viel Sonne, viel Haut, viel Gefühl

09 Mai

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A Bigger Splash

Kinostart: 5. Mai 2016

Von Anja Rohde

Drama // Das berühmte Künstlerpaar Marianne (Tilda Swinton) und Paul (Matthias Schoenaerts) macht Urlaub auf der italienischen Insel Pantelleria. Rockstar Marianne erholt sich von einer Stimmbandoperation, Dokumentarfilmer Paul von seiner Alkoholkrankheit und einem Selbstmordversuch. Die beiden verstehen sich gut. Paul ist offensichtlich nicht nur der junge, knackige Lover einer alternden Rockdiva, sondern ihr langjähriger Partner und Freund. Er versteht sie, obwohl sie kein Wort reden darf, die beiden agieren harmonisch und verliebt. Sie brauchen Ruhe, wollen ihr Leben ordnen, sich eine schöne Zeit machen.

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Paul und Marianne im Urlaub

Ein Anruf von Harry (Ralph Fiennes) ändert alles. Schon im Flieger nach Pantelleria sitzend, kündigt er seinen Besuch an und lässt sich von den beiden am Flughafen abholen. Harry ist ein alter Freund und Förderer der beiden Künstler – und Mariannes Ex. Im Schlepptau hat er seine Tochter Penelope (Dakota Johnson), von dessen Existenz er selbst erst seit einem Jahr weiß.

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Entertainer Harry übernimmt die Szene …

Harry und Penelope haben kein Hotel gebucht und warten auf die Einladung der beiden Urlauber, in deren Ferienhaus einzuziehen. Diese kommt dann auch, und das Drama nimmt seinen Lauf. Abgesehen von der ersten Wiedersehensfreude und der Tatsache, dass eine alte Vertrautheit zwischen Marianne und Harry besteht, fragt sich die Zuschauerin ab diesem Moment nahezu sekündlich: Warum schmeißen sie ihn nicht einfach raus? Harry nervt zu jeder Tag- und Nachtzeit. Seine alten Geschichten aus seiner wilden Zeit, die immer wieder erzählten Anekdoten aus seiner Zusammenarbeit mit den Rolling Stones und natürlich vor allem der schnell zu durchschauende Wunsch, Marianne zurückzuerobern – all das müsste jedes urlaubende Paar in Kürze dazu bringen zu sagen: Schau mal, dort gibt es eine hübsche Pension, wir haben euch schon ein Zimmer gebucht!

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… samt Tochter Penelope

Aber nein, Vater und Tochter bleiben, Vater kocht, Tochter liegt am Pool, Vater tanzt, Tochter macht Paul schöne Augen, Vater redet wie ein Wasserfall, Tochter guckt gelangweilt. Am Pool gelegen wird sowieso ziemlich oft, es ist viel nackte Haut zu sehen, großes erotisches Prickeln wie bei „Der Swimmingpool“ („La Piscine“) mit Alain Delon und Romy Schneider kommt jedoch nicht auf.

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Es wird gekocht …

„Inspiriert durch David Hockneys berühmtes Bild ,A Bigger Splash‘ ist [Luca Guadagnino] eine brillante Hommage an Jacques Derays legendären Film ,Der Swimmingpool‘ (1969) gelungen“, ist im Presseheft zu lesen. Was genau an Hockneys Bild ihn inspiriert hat, erfahren wir nicht, und nein, das ist keine Hommage, das ist ein Remake. Die Namen sind dieselben, die Konstellation ist dieselbe (französisches Hafenstädtchen oder italienische Insel – geschenkt!), und sogar Pauls Sonnenbrille ist eine Neuausgabe der „Vuarnet 006“, die Alain Delon trug.

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… und alter Zeiten gedacht

Natürlich befinden wir uns 45 Jahre später im Zeitenlauf, also sind die Schicksale aktueller, die Gefühle zeitgemäßer. Wir erleben vier moderne Menschen auf der Suche nach ihrem Lebensglück, welches bei dreien von ihnen vor einigen Jahren noch ganz anders aussah. Als Vertreter der Kategorie „Reich und schön“ ist das gar nicht so einfach. Es lässt sich zum Beispiel wunderbar auf der wilden, steinigen, heißen Insel Pantelleria Urlaub machen, wirklich Zugang zu Land und Leuten bekommt aber weder ein Rockstar, der im Restaurant nur wegen seiner Berühmtheit den Tisch überlassen bekommt, noch ein Partylöwe, der bei einem Dorffest die Karaoke-Anlage übernimmt. Ein kleiner italienischer Moment ist nur der Besuch bei einer Familie, die köstlichen Ricotta selbst herstellt.

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Harry will Marianne zurück

Schauspielerisch gibt es nichts auszusetzen, die Besetzung ist mehr als gelungen. Tilda Swinton („Only Lovers Left Alive“, „Snowpiercer“) gehört sowieso zu den ganz Großen, kann alles spielen und sieht dabei obendrein immer sensationell aus. In diesem Film steckt sie in hinreißenden Klamotten des Dior-Kreativmanns Ralf Simons. Swinton war es übrigens auch, die die Idee hatte, Marianne stimmlos durch den Film gehen zu lassen, ein Kniff, der vor allem als Konterpart zur permanent plappernden Naturgewalt Harry gut funktioniert. Ralph Fiennes („Hail, Caesar!“, „James Bond 007 – Spectre“) spielt diesen überdrehten Provokateur mit solcher Bravour, dass man ihn kaum ertragen kann. Große Szene: sein exaltierter Tanz zum Rolling-Stones-Song „Emotional Rescue“. Ganz anders, aber nicht minder perfekt: Matthias Schoenaerts als verwundbarer, in sich gekehrter Charakter, der die Fassung bewahrt, bis es gar nicht mehr geht. Einzig Dakota Johnson („Fifty Shades of Grey – Geheimes Verlangen“) bleibt hinter der Star-Riege etwas zurück, bekommt aber die klassische Mischung aus verführerisch und schmollmündig zweifellos hin, die das junge Ding in dieser Ménage à quatre haben soll.

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Lässt sich Marianne überzeugen?

Die Darstellerinnen und Darsteller perfekt, die Landschaft pittoresk, technisch alles paletti, super Soundtrack – warum ist das trotzdem ein entbehrlicher Film geworden? Weil es ihn eben doch schon gibt? Oder weil man sich einfach zu oft fragt: Warum?

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Welcher Mann ist der richtige?

Warum verbringen Marianne und Paul ihre ganze kostbare Zeit, die sie miteinander haben wollten, mit den Überraschungsgästen? Warum lässt sich ein Mann, der mit einer Frau zusammen ist, die aussieht wie Tilda Swinton, von den Reizen einer anderen Dame verführen (ob er das wirklich tut, bleibt allerdings offen)? Warum flammt Mariannes Liebe zum Nervkopf Paul wieder auf, wo sie doch einen sensiblen, verständnisvollen Partner an ihrer Seite hat? Und das alles noch vor ihrer aller Augen! Eventuell wäre ein ganz neuer Film mit einer ganz anderen Geschichte eine bessere Idee gewesen.

Tilda Swinton bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Only Lovers Left Alive (2013, Kino)
Only Lovers Left Alive (2013, Heimkino)
Snowpiercer (2013, Kino)
Snowpiercer (2013, Heimkino)
The Zero Theorem (2013, Kino)
The Zero Theorem (2013, Heimkino)
A Bigger Splash (2015)
Doctor Strange (2016)
Hail, Caesar! (2016)

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: A Bigger Splash
IT/F 2015
Regie: Luca Guadagnino
Drehbuch: David Kajganich
Besetzung: Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Matthias Schoenaerts, Dakota Johnson
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2016 by Anja Rohde

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Studiocanal Filmverleih

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