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The Rolling Stones – Sympathy for the Devil: Wie entsteht ein Song für die Ewigkeit?

13 Mai

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Sympathy for the Devil

Von Volker Schönenberger

Musik-Doku // Ein großer Song der Rolling Stones, ein großer Song der Musikgeschichte: „Sympathy for the Devil“, 1968 auf dem genialen Album „Beggars Banquet“ veröffentlicht, seither permanent in den Live-Setlists der Band zu finden und unzählige Male gecovert. Sänger Mick Jagger verkörpert als Ich-Erzähler den Leibhaftigen, der sich erst einmal höflich vorstellt und in der Folge sein Mitwirken an einigen bedeutsamen historischen Ereignissen Revue passieren lässt. Abschließend bittet Luzifer um Höflichkeit (courtesy) und Mitgefühl (sympathy), andernfalls werde er die Seele seines Gegenübers dem Verfall anheimgeben (or I’ll lay your soul to waste).

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Mick Jagger gibt den Ton an

Den glücklichen Umstand, dass Jean-Luc Godard ausgerechnet der Entstehung dieses bedeutsamen Songs beiwohnen durfte, hat sich der Nouvelle-Vague-Filmemacher wohl kaum erträumt, als er im Frühjahr 1968 in London eintraf, um die Stones bei ihren Aufnahmen zu filmen. Er erwischt die Band bei lockeren Sessions, die nicht ahnen lassen, was da gerade im Werden ist. Mick Jagger ist Herr im Hause, so viel ist klar. Brian Jones wirkt etwas desorientiert, es mögen bewusstseinserweiternde, wahlweise -trübende Substanzen im Spiel sein. Ein gutes Jahr später wird er gefeuert und kurz darauf tot sein.

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Bill Wyman sorgt für Rhythmus

Godard dreht aber keineswegs eine reine Plattenaufnahmen-Doku, er fängt auch den Zeitgeist ein. Wir sehen Mitglieder der militanten Black-Panther-Revolutionäre auf einem Schrottplatz herumlungern, Schusswaffen schwingen und radikale Reden führen. Eine aparte junge Frau, die Schauspielerin und Schriftstellerin Anne Wiazemsky, schreitet als Verkörperung der Demokratie durch ein Waldstück und lässt sich von einem Filmteam bedeutungsschwangere Fragen zu politischen Gedankengängen stellen, die sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet. Gegenkultur nennt sich das wohl. So waren sie eben, die späten 60er. Oder so stellen wir sie uns vor, weil wir solche Bilder kennen. Man weiß es nicht. Ein obskurer Buchladen, von Nazis frequentiert, gerät für eine ganze Weile auch ins Bild.

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Keith Richards hängt lässig ab

Der Film „Sympathy for the Devil“, früher auch als „One Plus One“ und bei uns als „Eins plus eins“ verliehen und vertrieben, ist Kunstfilm und Dekonstruktion. Kann jeder einen solchen Song schreiben? Sicher nicht, auch wenn das recht profane Agieren der Band bei den Aufnahmen den Gedanken nicht ausschließt. 2008 erstmals bei uns auf DVD veröffentlicht, ist der Film kürzlich in DVD-Neuauflage und erstmals auf Blu-ray erschienen. Bild- und Tonqualität sind vorzüglich, wer dieses schöne Zeitdokument der Popkultur der späten 60er-Jahre bislang noch nicht gesehen hat, kann die Gelegenheit nun in HD-Qualität nutzen.

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“Please allow me to introduce myself”

Veröffentlichung: 12. November 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 123 Min. (Blu-ray), 118 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Sympathy for the Devil
GB 1968
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard
Zusatzmaterial: Trailer, alternative Schnittfassung „One Plus One“, Dokumentation „Voices“, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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