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The Witch – Eine Hexe scheidet die Geister

18 Mai

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The VVitch – A New-England Folk Tale

Kinostart: 19. Mai 2016

Von Andreas Eckenfels

Horror // Alle Jahre wieder kristallisieren sich besonders im Horrorgenre neue Werke heraus, die schon im Vorfeld durch überragende Kritiken oder prominente Befürworter einen riesigen Hype entwickeln. Doch wie unterschiedlich die vermeintlichen Horrorperlen dann unter Genrefans ankommen, spiegelt sich auch in unserem Blog wider: Während Volker etwa „It Follows“ in den Himmel lobte – eine Meinung, die ich mit ihm teile –, konnte Simon mit dem Coming-of-Age-Horror kaum etwas anfangen.Der Babadook“ war ebenso ein Fall, der heiß erwartet, dann zwiespältig aufgenommen wurde.

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Bauer William bewirtschaftet mit seiner Familie ein abgelegenes Stück Land

Nun geistert seit dem Sundance Festival 2015 der mehrfach preisgekrönte „The Witch“ durch die Internetforen. Kritiker überschlagen sich mit Lob und sogar Gruselautor Stephen King gibt zu, dass ihn das Regiedebüt von Robert Eggers zu Tode erschreckt habe. Doch auch „The Witch“ wird wieder viele Zuschauer enttäuscht zurücklassen, da sie vor allem mit einer völlig falschen Erwartungshaltung in diese Schauermär geschickt werden.

Hexe im Wald

Neuengland, 1630: Nachdem die streng religiöse Familie des Bauers William (Ralph Ineson) aus der Stadt verbannt wurde, findet sie auf einem abgelegenen Stück Land ein neues Zuhause. Am Rande eines düsteren Waldes will William mit seiner Frau Katherine (Kate Dickie) und den fünf Kindern einen Neuanfang wagen. Doch die Ernte bleibt aus und bald geschehen grausame Dinge. In einem achtlosen Moment verschwindet der neugeborene Sohn spurlos. Die Tiere benehmen sich überaus aggressiv und Sohn Caleb (Harvey Scrimshaw) steckt sich mit einer seltsamen Krankheit an. Der Verdacht der Familie fällt auf die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy). Ist sie die Hexe, die angeblich durch den Wald spukt?

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Tief verwurzelter Glaube: Nicht nur am Esstisch wird gebetet

Zweimal habe ich „The Witch“ bereits gesehen. Das erste Mal während eines Trips nach New York. Als ich las, dass der Film dort gerade läuft, musste ich natürlich sofort wissen, ob der Hype gerechtfertigt war. Hatte ich mich nach der Sichtung gegruselt? Hatte ich mich zu Tode erschreckt, wie der Autor von „Es“ oder „Shining“? Nein, eigentlich nicht. Aber ich war überaus fasziniert von der verstörenden Atmosphäre und den wunderschönen, unter natürlichem Licht entstandenen Bildern, die fast wie Gemälde von Albrecht Dürer wirken. Sein Bild „Feldhase“ etwa kommt da in den Sinn.

Authentische Sprachbarrieren

Große Verständnisschwierigkeiten hatte ich allerdings mit den in altertümlichem Englisch gehaltenen Dialogen, nicht nur weil ich in diesen Tagen noch mit meinem Jetlag zu kämpfen hatte. Ich schaue alle Filme wenn möglich im Originalton, aber diesmal hatte ich meine Probleme. Doch wie die Ausstattung, die handgenähten Kostüme und die spärliche Beleuchtung trägt auch diese Sprache viel zur Authentizität der Geschichte bei. Ja, wie in „The Witch“ muss es Mitte des 17. Jahrhunderts in Neuengland wirklich zugegangen sein – der Eindruck entsteht zumindest.

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Tochter Thomasin geht einem nächtlichen Geräusch nach

Das zweite Mal sah ich „The Witch“ in der Pressevorführung in der deutschen Fassung. Es sei gesagt, dass die Synchronisation gelungen ist und erfolgreich versucht wurde, den spezifischen Sprachduktus beizubehalten. Und mir hat „The Witch“ besser gefallen als beim ersten Mal. Denn nun wusste ich wirklich, auf was ich mich einließ.

Die Zeiten des Puritanismus

Sechzig Jahre vor den bekannten Hexenprozessen von Salem porträtiert Eggers eine Zeit, in der Furcht vor Gott und dem Teufel allgegenwärtig war. Am Essenstisch wird gebetet, werden Bibelverse zitiert. Wer Böses tut, wird schnell als Sünder gebrandmarkt. Harte Arbeit wird mit schlechter Ernte bestraft? Hat da etwa jemand nicht genug gebetet? Und irgendwo im Wald sind finstere Mächte am Werk, die wissen wie die Kunst der Verführung funktioniert, die mit dem Teufel im Bunde stecken und die es besonders auf reine Kinderseelen abgesehen haben. Hexen nennt man sie – die Wurzeln allen Übels auf Erden. Damit lässt sich in der Blütezeit des Puritanismus alles leicht erklären.

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Caleb geht im Wald auf die Jagd

Eggers verarbeitete in seinem Drehbuch historische Dokumente, Erzählungen, Volkssagen und Gerichtsurteile über angebliche Hexenbeobachtungen aus dem 17. Jahrhundert, was eben auch die altertümlichen Dialoge erklärt. Fünf Jahre nahm er sich Zeit für seine Recherchen. Die allgegenwärtige Gottesfurcht ist der eigentliche Horror, den uns Eggers demonstriert. Der wachsende Druck, dem die Familienmitglieder aufgrund der ungewöhnlichen Ereignisse ausgesetzt sind, überträgt sich bald auf den Zuschauer. Die hervorragenden Darsteller, die am Rande des Nervenzusammenbruchs stehen, tun ihr Übriges dazu. Selbst die Tiere werden bei Eggers zu Mitgliedern des Ensembles – besonders habe er mit dem sturen Ziegenbock zu kämpfen gehabt, betont der Regisseur in Interviews.

Anspruchsvolle Kost

Enttäuschte Kritikerkollegen verglichen den Film mit Werken von Ingmar Bergman oder Roman Polanski in den 70ern. Nicht der schlechteste Vergleich für einen Regieneuling und eigentlich durchaus passend, wenn die Kollegen es nicht negativ gemeint hätten. Nach all den Vorschusslorbeeren erwarteten sie wohl Grusel in Reinkultur inklusive Gänsehautfaktor 10 und eine ordentliche Anzahl an Jump-Scares. Für diese Fraktion von Horrorfans ist „The Witch“ aber trotz einiger kurzer und heftiger Schockmomente nicht geeignet. Sie werden den Hype nicht nachvollziehen können. Denn Eggers‘ Debüt ist alles andere als leicht verdaulich und höchst anspruchsvolle Kost. Er wählte eine recht spröde Erzählweise, verbindet Familiendrama und historisches Porträt zu einem furchteinflößenden Horrormärchen in beängstigend schönen Bildern. Wer keinen klassischen Gruselfilm erwartet, dem sei „The Witch“ als einer der besten Horrorfilme des Jahres ans finstere Herz gelegt.

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Schuld und Sühne: Steckt Thomasin mit dem Teufel im Bunde?

Länge: 92 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The VVitch – A New-England Folk Tale
USA 2015
Regie: Robert Eggers
Drehbuch: Robert Eggers
Besetzung: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger, Julian Richings, Bathsheba Garnett
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH

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Ein Kommentar

Verfasst von - 2016/05/18 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “The Witch – Eine Hexe scheidet die Geister

  1. Matthias Holm (@MatzeHolm)

    2016/05/18 at 07:44

    Morgen Abend gehts rein, Vorfreude könnte nicht größer sein.

     

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