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Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen: Im Garten eines Kraken

23 Mai

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Tentacoli

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Es beginnt stimmungsvoll: Eine Mutter plaudert im kalifornischen Solana Beach mit einer Bekannten, lässt ihr Kleinkind in der Nähe des Ufers nur kurz aus den Augen. Als sie sich umdreht, ist es verschwunden, der Kinderwagen treibt im Wasser … Ein alter Skipper verschwindet ebenfalls. Er taucht kurz darauf tot und völlig entstellt aus dem Wasser auf. Der Reporter Ned Turner (John Huston) untersucht die Vorfälle. Es stellt sich heraus, dass ein riesiger Krake sein Unwesen treibt.

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Turner (l.) und Gleason beraten, was zu tun ist

John Huston? Ganz recht, der große Regisseur („Der Schatz der Sierra Madre“, „African Queen“) hat eine durchaus tragende Rolle, auch wenn seine Figur in der zweiten Hälfte des Films etwas von der Bildfläche verschwindet – und das nicht, weil er ein Opfer des Oktopus wird. Huston hat immer wieder gern geschauspielert („Die Bibel“, „Chinatown“), und das nicht nur in ambitionierten Produktionen. Was mag ihn motiviert haben, in „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“ mitzuwirken? Vielleicht die Aussicht auf relaxte Dreharbeiten im sonnigen Kalifornien. Ein Jahr nach dem Kraken-Horrorfilm war er mit dem Mystery-Thriller „SOS Bermuda-Dreieck“ auch nicht gerade wählerisch.

Hollywood-Starpower

In der Besetzung finden sich weitere Hollywood-Granden: Henry Fonda („Faustrecht der Prärie“) beispielsweise gibt den Unternehmer Mr. Whitehead, dessen Unterwassertunnel-Projekt den Kraken aufgeschreckt hat – keine bedeutende Rolle, weder für den Film noch für Fonda. Shelley Winters („Die Nacht des Jägers“, „Die Höllenfahrt der Poseidon“) spielt Ned Turners Schwester Tillie und darf in einer Szene einen riesigen Sombrero tragen. Viel mehr bleibt nicht von ihr hängen. Schließlich ist da noch Bo Hopkins („The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“, „American Graffiti“) als Meeresforscher Will Gleason, der sich der Bestie entgegenstellt.

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Ein Drink hilft immer

Viel Potenzial bleibt ungenutzt: Eine junge Frau sonnt sich auf einer Motoryacht. Als Zuschauer hofft man darauf, dass sich plötzlich ein Tentakel über die Reling schlängelt. Vergebliche Hoffnung. Kurz darauf ragen die Beine eines der Opfer aus dem Wasser und verschrecken die Frau – das sieht eher unfreiwillig komisch aus. Immerhin attackiert das Biest dann doch noch. Aber es ist einfach zu wenig zu sehen. Taucht der Kopffüßer mal in Nahaufnahme auf, erkennt man recht schnell, dass es sich um ein Tier in Normalgröße handelt, das auf vermeintlich versierte Weise in die Szenen hineingeschnitten ist – da bleibt kein Auge trocken, erst recht nicht, wenn im großen animalischen Finale zwei Killerwale den Menschen zu Hilfe eilen. Keine Frage, hier haben wir es mit italienischem Trash zu tun.

James Cameron war nicht begeistert

Regisseur Ovidio G. Assonitis gab sich für den Film den ungleich klangvolleren – ähem – Namen Oliver Hellman. Wenige Jahre später ersetzte er einen gewissen James Cameron („Terminator“) bei den Dreharbeiten zu dessen Regiedebüt „Fliegende Killer – Piranha II“. Auch jener maritime Tierhorrorfilm geht nicht unbedingt als erstklassige Visitenkarte durch.

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Mr. Whitehead (l.) maßregelt seinen Mitarbeiter

Seinerzeit im Fahrwasser von „Der weiße Hai“ unter dem Titel „Angriff aus der Tiefe“ in den bundesdeutschen Kinos gelaufen, gehört Stelvio Ciprianis beschwingter Score noch zu den Highlights des Films. Nun hat ihn Koch Films in altersgemäß solider Bild- und Tonqualität mit wunderbar schaurig-trashigem Cover erstmals auf Blu-ray sowie in Neuauflage als DVD veröffentlicht. In der Reihe „Creature Feature“ ist „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“ gut aufgehoben, aber wohl der schwächste Film der bislang vierteiligen Reihe. Dennoch spannend, ob Koch beizeiten mit weiteren Kreaturen aufwartet.

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Angriff aus der Tiefe

Die Filme der Reihe „Creature Feature”:

01. Mörderspinnen (Kingdom of the Spiders, USA 1977)
02. Piranhas (Piranha, USA 1978)
03. In der Gewalt der Riesenameisen (Empire of the Ants, USA 1977)
04. Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen (Tentacoli, IT/USA 1977)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Henry Fonda sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. April 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Tentacoli
Alternativtitel: Angriff aus der Tiefe
IT/USA 1977
Regie: Ovidio G. Assonitis (als Oliver Hellman)
Drehbuch: Jerome Max, Tito Carpi, Steven W. Carabatsos
Besetzung: John Huston, Henry Fonda, Shelley Winters, Bo Hopkins, Cesare Danova, Alan Boyd, Sherry Buchanan, Delia Boccardo, Marc Fiorini, Claude Akins
Zusatzmaterial: 2 deutsche und 1 englischer Trailer, Radiospot, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover, Schuber
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

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